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Ford Europa baut erstes E-Auto in Köln – Betriebsrat fürchtet weiteren Mitarbeiterabbau

Osterholt, Sina
·Lesedauer: 3 Min.

Ford Europa baut das erste batterie-elektrische Fahrzeug in Köln. Um die Investitionen aus den USA zu erhalten, mussten bereits hunderte Mitarbeiter gehen – und es könnten viele weitere folgen.

Ford Köln wird zum „Electrification Center“ für Europa erklärt. Foto: dpa
Ford Köln wird zum „Electrification Center“ für Europa erklärt. Foto: dpa

Die offizielle Genehmigung der Unternehmensleitung in Dearborn ist da: Ford Köln wird zum „Electrification Center“ für Europa erklärt. Rund eine Milliarde US-Dollar (830 Millionen Euro) investiert Ford USA in den kommenden zweieinhalb Jahren in die Zukunft von Ford in Europa. In der zweiten Hälfte 2023 soll das batterie-elektrische Fahrzeug auf den Markt kommen. „Kein Unternehmen investiert solch eine Summe in ein Werk, wenn es Zweifel am Erfolg hat“, heißt es in einem Schreiben des Betriebsrates an die Mitarbeiter, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Die Elektrifizierung soll zu einer lohnenden Investition gemacht werden. Lange sei das Management überzeugt worden, dass sich eine Investition in die deutschen Standorte lohne.

Um die Investitionen aus den USA zu erhalten, mussten jedoch bereits einige Arbeitsplätze eingespart werden. Doch das könnte noch nicht genug gewesen sein: Ford könnte noch viele Menschen mehr loswerden wollen, da die Fertigung von elektrischen Fahrzeugen weniger Arbeitsplätze benötigt, als die von Verbrennerfahrzeugen.

Die Nachricht darüber, dass ab 2023 im Ford-Werk Köln-Niehl das erste batterie-elektrische Volumenmodell von Ford in Europa vom Band rollen soll, hat im Betriebsrat also auch die Angst vor weiteren Arbeitsplatzverlusten geschürt. Es werde absehbar „weitere Veränderungen in der Personalstruktur geben“, heißt es in einem Brief des Betriebsrates an die Mitarbeiter. Begründet wurde das damit, dass die „Fertigung von elektrischen Fahrzeugen deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt, als die von Verbrennerfahrzeugen“. Dazu komme, dass die Absatzzahlen insgesamt zurückgingen, da immer weniger Kunden Wert auf ein eigenes Auto legten. „Alle Bereiche an unseren europäischen Standorten werden betroffen sein“, schreibt der Betriebsrat – besonders die Fertigung von Autos, aber auch Motor- und Getriebewerke sowie der Einkauf. Der Personalbedarf werde zurückgehen, man werde „Arbeitsplätze verlieren“.

Damit der Verlust nicht ganz so schlimm werde, müsse man Aufträge ins eigene Haus holen, die Ford fremdvergeben habe. Besonders wichtig sei es etwa, dass man darum kämpfe, „nicht dauerhaft die elektrische Plattform ‚MEB‘ von VW zuzukaufen, sondern „zügig eine eigene Elektroplattform für Ford in Europa“ zu entwickeln. Martin Hennig, Vorsitzender des Ford Gesamtbetriebsrates, sagte der WirtschaftsWoche: „Wir als Betriebsrat hoffen, dass sich Ford nicht dauerhaft von Volkswagen abhängig macht.“ Eine Idee sei es, dass Ford „gewisse Elemente der Plattform selbst montieren“ könne. Das würde „zusätzliche Arbeitsplätze“ sichern, wie viele, sei aber noch unklar.

Das Unternehmen wollte noch keine Aussage über den möglichen Abbau von Mitarbeitern treffen. Ein Sprecher bestätigte aber, dass man intensiv über das Insourcing von nach draußen vergebenen Aufträgen diskutiere.

2013 brachte Ford schon einmal eine Focus-Version als Stromer heraus, dies aber in geringer Stückzahl und ohne Erfolg. Derzeit fertigt Ford in Mexiko eine Mischung aus Sport- und Geländewagen als Elektrofahrzeug, in Köln dürfte es eher ein Kleinwagen sein. Der Baukasten – also Unterboden samt Elektromotor und Batterie – kommt von VW. Im Vergleich zur Konkurrenz ist Ford in Sachen E-Mobilität spät dran, nun soll Tempo gemacht werden. Deshalb muss der Automobilhersteller zügig eine eigene elektrische Plattform entwickeln. An Fremdfirmen vergebene Tätigkeiten will Ford nun schnellstmöglich zurückholen.

Mehr zum Thema: VW und Co. versuchen hektisch, eigene Betriebssysteme zu entwickeln. Denn die Silicon-Valley-Giganten sind schon deutlich weiter.