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Fondshaus DWS will von Wirecard 600 Millionen Euro

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Die Deutsche-Bank-Tochter war zeitweise größte Anteilseignerin des insolventen Zahlungsdienstleisters. Die DWS will auch mehrere Strafanzeigen stellen.

Die Fondsgesellschaft DWS hat erstmals beziffert, was sie im Insolvenzverfahren von Wirecard geltend machen will. Das Fondshaus will Ansprüche „in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro“ anmelden, wie der Vorstandschef der Deutsche-Bank-Tochter, Asoka Wöhrmann, im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte.

Die DWS war zeitweise der größte Wirecard-Einzelaktionär, unter anderem weil der Flaggschiff-Fonds DWS Deutschland einige Wochen rund 12,5 Prozent des Fondskapitals in Wirecard-Aktien investiert hatte. Neben Aktien kaufte er auch Zertifikate, die sich auf den Zahlungsdienstleister bezogen.

Dennoch dürfte der unmittelbare wirtschaftliche Schaden der DWS-Fonds unter dem nun angemeldeten Betrag von 600 Millionen Euro liegen. Denn die DWS hat die Summe großzügig berechnet. Laut Wöhrmann sind in dem Betrag, „zurückgehend bis 2014, Ansprüche für alle aktiven und passiven Fonds weltweit inklusive Zinsen und Zinseszinsen“ enthalten.

Auch mit den Klagen, die die Fondsgesellschaft im Sommer gegen die Wirecard-Verantwortlichen angekündigt hatte, macht die DWS nun Ernst. „Kommende Woche werden wir gegen Markus Braun, Jan Marsalek und weitere Verantwortliche Strafanzeige erstatten und zivilrechtliche Ansprüche geltend machen“, sagte Wöhrmann. „Wir werden mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Verantwortlichen für die kriminellen Machenschaften vorgehen. Das sind wir unseren Kunden schuldig.“

Für den verantwortlichen DWS-Fondsmanager Tim Albrecht wird sein Missgriff wohl keine größeren Folgen haben. Auf seinen Bonus hatte Albrecht bereits freiwillig verzichtet. Mehr muss er wohl auch nicht befürchten.

Rückendeckung für Tim Albrecht

Wöhrmann stärkte ihm im Interview jedenfalls explizit den Rücken: „Tim Albrecht ist seit mehr als zehn Jahren einer unserer Vorzeigemanager. Ein aktiver Fondsmanager darf auch mal falschliegen, wenn er begründet agiert hat und wenn er aus seinen Fehlern lernt“, sagte der DWS-Chef. Bei Albrecht sei er sich dessen sicher.

Wie viel Wöhrmann von Albrecht hält, hatte er kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2018 demonstriert: Damals verhinderte er den bereits angekündigten Wechsel Albrechts zur Vermögensverwaltung der Hamburger Privatbank Berenberg.