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Wie DWS-Chef Wöhrmann sein Haus auf globalen Vermögensverwalter trimmt

Die Deutsche-Bank-Fondstochter strafft ihr Führungsteam und sortiert die Kernsparten neu. Damit will sie im Wettbewerb schlagkräftiger werden.

Asoka Wöhrmann hält Wort. Was er kurz nach seinem Antritt als Chef der DWS im Oktober 2018 ankündigte, setzt er nun um: Das Führungsteam wird verschlankt und Kernsparten werden neu geordnet, wie der Konzern am Dienstag mitteilt. Dadurch will die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft flexibler und schlagkräftiger werden und sich stärker als globaler Vermögensverwalter aufstellen.

Große Investoren finden sein Vorgehen bisher überzeugend. Nun wollen sie aber sehen, dass der neue Kurs hilft, Kapitalzuflüsse und Produktmargen zu stabilisieren – schließlich gibt es am Markt einen zunehmendem Wettbewerbsdruck durch Überangebot und Billigkonkurrenz in Form von Indexfonds (ETF). Zusätzlich belastet die Coronakrise, in der vor allem private Anleger Kapital aus margenträchtigen aktiven Fonds abgezogen haben.

„Die neue Organisationsstruktur ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für die DWS“, sagt Firmenchef Asoka Wöhrmann. So richtet er nicht nur die Investmentsparte, sondern auch den Vertrieb und die Produkteinheit global aus. Damit sorgt Wöhrmann für mehr Transparenz vor allem mit Blick auf das Amerika-Geschäft, das bislang weitgehend autark arbeitete, sowie die Investmentklasse „alternative Anlagen“, die separat gemanagt wurde.

Ab dem 1. Juli gehören dem Vorstand außerdem nur noch sechs statt acht Mitglieder an. Drei Manager, Co-Investmentchef Pierre Cherki, der Amerika-Chef Bob Kendall und Chief-Controlling-Officer Nikolaus von Tippelskirch werden das Unternehmen verlassen. Neu hinzu kommt der Wöhrmann-Vertraute Manfred Bauer. Der bisherige Strategiechef und Leiter des Europageschäfts wird die globale Produkteinheit verantworten.

Zudem schafft Wöhrmann eine Matrixstruktur zwischen Funktionen und Regionenverantwortung, die bei globalen Vermögensverwaltern vielfach üblich ist. So leitet Wöhrmann auch das Asiengeschäft, Finanzvorstand Claire Peel ist künftig ebenfalls für das Europageschäft verantwortlich und Organisationschef Mark Cullen künftig von New York aus für das Amerikageschäft.

Neu ist zudem, dass es im Vorstand künftig keinen eigenen Bereich mehr für Rechtsthemen, Compliance und Risikomanagement gibt. Die Aufgaben, die von Tippelskirch bislang verantwortet, übernehmen Cullen und Peel. Damit löst sich die Fondstochter zwei Jahre nach ihrem Börsengang von einer vom Mutterkonzern geprägten Kontrollstruktur. „Mit diesen Änderungen verfügt die DWS Group jetzt über eine Struktur, die richtungsweisend ist für einen modernen, zukunftsorientierten Vermögensverwalter“, sagt dazu DWS-Aufsichtsratschef Karl von Rohr. Die Deutsche Bank ist noch mit 80 Prozent an der DWS beteiligt.

Schon Anfang 2019 hatte Wöhrmann im Handelsblatt-Interview von geplanten deutlichen Einschnitten in die Organisationsstruktur und in den Geschäftsablauf des Fondshauses gesprochen: „Im Moment gibt es noch einige Überschneidungen und Doppelarbeiten in den Geschäftsbereichen bei Produkten, Standorten, aber auch in der Führungsstruktur“, sagte Wöhrmann damals. Zudem deutete er bereits an, die Zahl der Führungskräfte zu reduzieren. „Die Treppe wird von oben gefegt“, betonte er. Die DWS müsse „wenn nötig, festgefahrene Strukturen aufbrechen“.

Unter dem Strich hat die DWS binnen eines Jahres rund 45 Führungskräfte (Managing Directors) auf jetzt 200 abgebaut. Zudem werden alle Titel abgeschafft. Künftig verantwortet Dirk Görgen im Vorstand den weltweiten Vertrieb. Stefan Kreuzkamp leitet zudem in Zukunft das gesamte Investmentgeschäft. Außerdem soll ein insgesamt 20- bis 30-köpfiges „Global Leadership Team“ aus Vorstand und weiteren Managern Wachstumschancen und Initiativen entwickeln und zu mehr Transparenz bei strategischen Entscheidungen beitragen.

Große Investoren begrüßen Wöhrmanns Umbau: „Es ist eine Fokussierung des klaren Kurses, den er seit Amtsantritt verfolgt hat“, sagt ein internationaler Investor. Eine globale Ausrichtung zu stärken und regionale Verantwortung und Doppelfunktionen zu reduzieren sollte helfen, weitere Kosten zu sparen und Ressourcen effektiver einzusetzen, meint ein anderer Investor. Wöhrmann habe beim größten deutschen Fondshaus für private Anleger mit einem verwalteten Vermögen von 700 Milliarden Euro gezeigt, dass er „harte, weitreichende Entscheidungen fällen kann, indem er die DWS als globales Haus aufstellen will“.

Vor allem die Kosten sind unter dem neuen Chef deutlich reduziert worden. Nun müsse sich erweisen, ob sich die neue Struktur und die Manager in Schlüsselpositionen bewährten und Kapitalzuflüsse und Produktmargen stabilisiert werden könnten.