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Flutkatastrophe in Deutschland: Was die Unwetter mit dem Klimawandel zu tun haben

·Lesedauer: 5 Min.
Rettungsschwimmer und Polizeitaucher stehen in einer überfluteten Straße in Erfstadt.
Rettungsschwimmer und Polizeitaucher stehen in einer überfluteten Straße in Erfstadt.

Tagelanger Dauerregen, mit mancherorts über 200 Liter Wasser pro Quadratmeter, hat große Gebiete im Westen Deutschlands überschwemmt. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden ganze Ortschaften überflutet, das Wasser drang in unzählige Keller und Häuser ein, einige Gebäude stürzten ein. Mindestens 100 Menschen sind bisher in den Unwettern verstorben, einige werden weiterhin vermisst. Die Kosten für die verursachten Schäden könnten in die Milliarden gehen.

Politiker aller Parteien zeigten sich in den vergangenen Tagen bestürzt über die Ereignisse — und machten für diese unisono auch den Klimawandel verantwortlich.

„Die Zahl von extraordinären Wetterereignissen hat dramatisch zugenommen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag. Die Welt müsse also gegen den Klimawandel handeln. Auch Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) machte den Klimawandel für die Zunahme von Extremwettern in Deutschland verantwortlich. Die jetzige Katastrophe müsse "Ansporn sein — auch als Verpflichtung für all diejenigen, die hier Opfer geworden sind —, dass wir alles dafür tun, den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten."

"Das sind schon Auswirkungen der Klimakatastrophe und das ist ein weiterer Aufruf sich klarzumachen: Das ist schon da, das ist schon hier bei uns", sagte auch die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katrin Goering-Eckardt, am Donnerstagmorgen über die Fluten in Westdeutschland bei ntv. "Der Klimawandel wird uns weiter beschäftigen. Deswegen ist es einfach notwendig, dass wir bei diesem Thema nicht nur Klima-Anpassungsmaßnahmen und Klima-Hilfen machen, sondern vorausschauenden Klimaschutz betreiben", kommentierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Und auch CDU-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet rief bei einem Besuch in den Flutgebieten zu einem schnelleren Kampf gegen den Klimawande aufl.

Es ist selten, dass Politiker sich parteiübergreifend so einig sind. Doch tatsächlich ist die Faktenlage beim Zusammenhang von Naturkatastrophen und dem Klimawandel eindeutig.

Wie der Klimawandel Extremwetterlagen in Deutschland fördert

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts steigt die Lufttemperatur in Deutschland stark an. Die vergangenen zehn Jahre waren die heißesten seit dem Beginn der Erfassung der Daten im Jahr 1850. Im Vergleich zu damals ist die Lufttemperatur mittlerweile um etwa 1,3 Grad Celsius gestiegen.

Es ist diese Erderwärmung, die Einfluss auf die Wetterlagen in der Bundesrepublik hat. Erst dieses Jahr brachte das Umweltbundesamt einen Bericht mit dem Titel "Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland" heraus. Er kommt zu dem Ergebnis, dass durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von extremen Wetterphänomenen — wie Hitze, Dürre oder Starkregen — deutlich gestiegen ist und noch weiter steigen wird. Der Klimawandel ist zwar nicht der direkte Verursacher dieser Wetterphänomene. Aber er stellt klimatische Bedingungen her, in denen diese häufiger auftreten.

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimaforschung erklärte das am Donnerstagabend am Beispiel der aktuellen Überflutungen in Westdeutschland. Laut Rahmstorf würden solche extremen Wetterphänomene durch drei Faktoren begünstigt.

Erstens: die reine Physik. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, als kalte. Pro Grad, das die Luft wärmer ist, bindet sie 7 Prozent mehr Feuchtigkeit. Diese wird zu Regen — je wärmer, je mehr Feuchtigkeit in der Luft, desto mehr Regen. Bis hin zu Unwettern, wie wir sie nun erleben.

Zweitens: veränderte Luftbewegungen in der Atmosphäre. Diese sind laut Rahmstorf noch nicht im letzten Detail erforscht, würden jedoch dafür sorgen, dass extreme Wetterphänomene wie Starkregen aber auch Dürre zunehmen können.

Drittens: In Deutschland und Europa verlangsamt sich laut Rahmstorf die West-Windbewegung. Grund dafür sei, dass sich die Arktis zurzeit etwa dreimal so schnell erwärme, wie der Rest des Globus. Die Temperaturdifferenz, die die Westwinde in Europa sonst antreibe — kalte Arktis, warmes Europa — werde so schwächer. Das wiederum führe dazu, dass Hoch- und Tiefdruckgebiete länger an der gleichen Stelle verharren. "So wird aus ein paar schönen Sommertagen auch mal eine Hitzewelle und aus einem Tiefdruckgebiet ein Dauerregen", sagte Rahmstorf. So, wie nun im Westen Deutschlands.

https://twitter.com/tagesthemen/status/1415780114722344967

An den Flutkatastrophen ist nicht nur der Klimawandel schuld

Dass die extremen Unwetter im Westen nun zu katastrophalen Überschwemmungen, zu Zerstörung und Toten führten, liegt jedoch nicht allein daran, dass der Klimawandel Extremwetterlagen wahrscheinlicher und heftiger werden lässt. Sondern auch daran, dass die Infrastruktur in vielen deutschen Städten nicht auf Regenmassen wie in den vergangenen Tagen vorbereitet ist.

In vielen Städten sind die Oberflächen durch enge Bebauung versiegelt. Das Wasser kann dort nicht abfließen, es staut sich, überflutet Straßen und dringt in Häuser ein. Oft sind auch die Abwässeranlagen, -rohre und -kanäle nicht auf gewaltige Wassermassen vorbereitet. Die Kanalisationen überfluten, das Wasser steigt aus den Gullis hoch. Schlimmer wird es, wenn Abwasserrohre unter der Last platzen und das Wasser sich ungehindert ausbreiten kann.

Zur aktuellen Katastrophe trägt auch mangelnder Hochwasserschutz bei. Bei Dauerregen schwellen die Flüsse an, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erreichten viele Gewässer Höchststände. Die Wetterdienste hatten zuvor Warnungen gesandt, die nicht zur Genüge beachtet wurden. Zudem zeigen die aktuellen Überflutungen, dass es besserer Deiche und mehr Abflussflächen für Überschwemmungswasser braucht.

Die gute Nachricht ist: Mehr Hochwasserschutz in Deutschland ist gut umsetzbar. Ein auf fünf Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz im Auftrag des Umweltbundesamts ergab, dass mithilfe von Maßnahmen wie der Rückverlegung von Deichen sowie der Einrichtung von Hochwasserrückhaltebecken und Flutpoldern künftige große Hochwasser über weite Streckenabschnitte zwischen 10 und 50 Zentimetern gesenkt werden könnten.

Dadurch könnten in Zukunft viele Städte geschützt und Menschenleben gerettet werden. Gleichzeitig gilt, was Politiker und Politikerinnen aller Parteien und auch Klimaforscher Rahmstorf zu bedenken geben: Um zu verhindern, dass Naturkatastrophen in Deutschland sich häufen und stärker werden, muss der Klimawandel bekämpft werden.

Mit Material der dpa

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