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Flugtaxis sind nützlich – aber nur in einem einzigen Anwendungsfall

Don Dahlmann
·Lesedauer: 4 Min.
Der Volocopter soll die Mobilität in Städten ergänzen. Realistischer sind wohl Einsätze in der Logisitkbranche.
Der Volocopter soll die Mobilität in Städten ergänzen. Realistischer sind wohl Einsätze in der Logisitkbranche.

Flugtaxis sollen in Zukunft Menschen bewegen. So schwebt es hochfinanzierten Unternehmen wie Lilium oder Volocopter vor. In diversen Städten wird der Betrieb bereits vorbereite. So zum Beispiel in München, wo Flugtaxis den nicht gerade zentral gelegenen Flughafen mit der Innenstadt verbinden sollen. Im Stadtstaat Singapur soll bis zum Jahr 2026 sogar ein ganzes Streckennetz für Touristen entstehen.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel am Nutzen der Fluggeräte. Erstens sind vollautonome, also ohne Pilot ausgestattete Maschinen, noch reine Zukunftsmusik. Die Technologie mag bei Vorführungen funktionieren – aber bis die Behörden einen Einsatz über Wohngebieten zulassen, dürften noch sehr viele Jahre vergehen. Zweitens wirft der Betrieb von Flugtaxis nur Geld ab, wenn auf den Piloten verzichtet werden kann. Andernfalls entstehen ungefähr die gleichen Kosten wie bei einem gewöhnlichen Hubschrauber. Und drittens: Auch die Lärmbelästigung ist ein Problem.

Wer schon mal eine größere Drohne hat fliegen hören, weiß, wie laut ausgewachsene Flugtaxis sind. Und leiser als ein Hubschrauber werden sie auch nicht sein. Schwer vorstellbar, dass die Behörden den Anwohnern einer Innenstadt den regelmäßigen Lärm zumuten werden. Andererseits sind Flugtaxis nur dann praktisch, wenn sie auch Innenstädte anfliegen können.

Ihr Einsatz in dicht besiedelten Gebieten dürfte sich also mindestens schwierig gestalten. Dazu kommt auch die eingeschränkte Verfügbarkeit von Flugkorridoren: Flugtaxis werden nicht wie ein Ridepooling-Dienst beliebige Plätze in den Städten anfliegen können. Das gilt nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Metropolen der Welt. Trotzdem gibt es für die Fluggeräte sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

Für die Logistik sind Transport-Drohnen die Zukunft

Neben dem Einsatz in Ländern ohne großflächige Bahntrassen ist es vor allem die Logistikbranche, die ein Auge auf die Flugtaxis geworfen hat. In den USA hat die staatliche Flugaufsichtsbehörde FAA in den vergangenen zwei Jahren etlichen Logistik-Unternehmen die Freigabe für den Betrieb einer eigenen Drohnen-Linie gegeben. Darunter sind Amazon Prime Air und UPS Flight Forward. Letztere haben gerade zehn Exemplare einer Drohne beim Hersteller Beta Technologies bestellt.

UPS plant damit, Waren von den Flughäfen zu kleineren Logistikzentren zu transportieren, die bisher per Lkw beliefert wurden. Man verspricht sich davon eine erhebliche Zeit- und Kostenersparnis. Zwar dürfen die Drohnen auch in den USA bisher nicht ohne Pilot fliegen, doch UPS geht davon aus, dass sich dies bis 2026 ändert. Die Drohne kann bis zu 635 Kilo Last befördern und soll vor allem medizinische Güter schneller in abgelegene Gebiete liefern.

Ein ähnliches Produkt entwickelt das Startup Zipline. Das Unternehmen setzt vor allem in afrikanischen Ländern sehr erfolgreich eine Lieferdrone ein, die Medikamente transportiert. Bisher hat man laut eigener Aussage mehr als zehn Millionen Flugkilometer ohne nennenswerte Zwischenfälle absolviert. Die Zipline-Drohne ist deutlich kleiner als das von UPS bestellte Modell und kann nur wenige Kilo Last befördern, die sie über dem Zielgebiet abwirft. Die Versuche, kleinere Drohnen für die Paketlieferung einzusetzen, sind aber nicht auf den afrikanischen Kontinent beschränkt.

In Großbritannien haben die zuständigen Behörden dem Startup Sees.ai in der vergangenen Woche etwa die Freigabe für Testflüge erteilt. Die unbemannten Drohnen sollen von einem Kontrollzentrum aus gesteuert werden und künftig Pakete schnell und sicher ausliefern. Wie ernst schon jetzt der Kampf rund um den Drohnenmarkt ist, kann man erkennen, wenn man einen Blick nach China wirft.

Essen per Drohne

Dort hat das einst als reiner Lieferservice gestartete Startup Meituan kürzlich eine Finanzierung in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar eingesammelt. Das Geld will soll vor allem in die Entwicklung eigener Drohnen sowie autonomer Fahr- und Flugsysteme gesteckt werden. Meituan kann dabei auf die Erfahrung des Startups Ele.me bauen, das 2018 aufgekauft wurde. Ele.me hat den Betrieb von Lieferdrohnen für Lebensmittel bereits in einem Industriegebiet erprobt.

Das Fazit: Die Logistikbranche ist offenkundig bereit, große Summen in neue und schnellere Transportmöglichkeiten zu stecken. Das eröffnet für die Entwickler von Flugtaxis neue Marktchancen. Dass in naher Zukunft aber tatsächlich Menschen autonom über mittlere Distanzen transportieren werden – das darf bezweifelt werden.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.