Deutsche Märkte geschlossen

Flixbus nimmt den Betrieb wieder auf

Die Mitfahrer benötigen nun Schutzmasken bei der Fahrt und müssen Sicherheitsabstand beim Einstieg einhalten. Aber: Alle Plätze können belegt werden.


Flixbus, Europas Marktführer im Fernbus-Linienverkehr, nimmt nach zweimonatiger Pause am 28. Mai den Betrieb mit ersten Verbindungen in Deutschland und einigen europäischen Ländern wieder auf. Für das Ein- und Aussteigen und für die Fahrt gelten zwar die üblichen Hygienestandards: ein verpflichtender Mundschutz und die Einhaltung des Sicherheitsabstands von 1,5 Metern. Nach wie vor können aber alle Sitzplätze in den Bussen belegt werden. Hier gilt die Abstandsnorm dann nicht mehr. Auch bei der Bahn und in Flugzeugen wird es keine frei gehaltenen Plätze geben.

André Schwämmlein, Mitgründer und Geschäftsführer von Flixmobility, wies gegenüber dem Handelsblatt darauf hin, dass sich Flixbus damit Rahmen der Regulierung bewege. Trotz kontroverser Diskussionen wird kein Verkehrsträger dazu verpflichtet, etwa Mittelplätze freizuhalten. „Kein Verkehrsmittel ist mit nur 50 Prozent Auslastung wirtschaftlich zu betreiben“, betont Schwämmlein. „Wir müssen alles tun, um dem Fahrgast maximale Sicherheit zu gewährleisten.“

Zum Hygienekonzept gehören eine berührungslose digitale Ticketkontrolle und Desinfektionsmittel, die allen Fahrgästen an Bord bereitgestellt werden. Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes sei bei Ein- und Ausstieg sowie während der gesamten Fahrt Pflicht. Der Ein- und Ausstieg soll vorerst ausschließlich über die hintere Bustür erfolgen. Busse würden nach jeder Fahrt gründlich desinfiziert.

Flixbus arbeite eng mit den Gesundheits- und Regierungsbehörden zusammen, versichert Schwämmlein, und folge deren Ratschlägen. Die Hygiene-Maßnahmen gingen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. „Wir appellieren an unsere Fahrgäste, ihre Reise nur dann anzutreten, wenn sie beschwerdefrei sind. Unsere Stornierungsbedingungen bieten hier eine maximale Flexibilität“, versichert der Flixbus-Mitgründer.

Neben Deutschland startet Flixbus mit einem eingeschränkten Betrieb zudem in Österreich, Portugal und Polen, Schweden, Dänemark, Kroatien und Tschechien. In einigen Ländern Europas wie etwa in Skandinavien sind ohnehin Flixbusse ohne Unterbrechung unterwegs.

Auch Flixtrain soll wieder starten

Für den Start wird Flixbus knapp 50 Halte aus dem ursprünglichen Netzwerk mit rund 500 Haltepunkten in Deutschland anfahren. Dabei soll auch der ländliche Raum nicht zu kurz kommen, versichert das Unternehmen. Neben Großstädten wie Berlin, Leipzig, Nürnberg, Hamburg, Frankfurt am Main und München würden ab Ende Mai auch kleinere Städte wie Bayreuth, Himmelkron, Titisee-Neustadt, Weimar und Wolpertshausen angefahren. Tickets seien ab sofort buchbar.

Je nach Kundennachfrage soll das Streckennetz in den kommenden Monaten hochgefahren werden. Für die nächsten ein bis zwei Jahre ist Schwämmlein noch „recht vorsichtig“, was die Nachfrage nach Fernbusfahrten angeht. „Mittelfristig wird die Nachfrage aber wieder da sein“, sagte er. Die Mobilitätsbranche sei nun mal mit am härtesten von allen Branchen getroffen worden.

Unsicher ist auch noch der Start des Flixtrain. Die Münchener hatten zuletzt ein halbes Dutzend Linien in Deutschland angeboten. Schwämmlein rechnet allerdings noch in diesem Jahr mit der Wiederaufnahme von Strecken. Die Züge zählten zum Kern der Strategie. Die Coronakrise werde genutzt, um das Angebot zu verbessern. Zuletzt gab es Kritik an den Zügen, die zum Teil aus sehr altem Fahrzeugmaterial zusammen gestellt sind.

In den USA, neben Europa und der Türkei der dritte große Markt für Flixmobility, sind derzeit alle Aktivitäten eingestellt. Zuletzt fuhren die Münchener dort 120 Ziele in 17 Bundesstaaten an. Die Wiederaufnahme der Linien hängt wie in Europa von den Lockerungsmaßnahmen ab. „Wo normales Leben zurückkehrt, können auch wir fahren“, sagte Schwämmlein. Der Flixbus-Mitgründer ist zuversichtlich, dass sich das Geschäftsmodell auch durch die Coronakrise nicht überholt hat. Auch wenn die Pandemie sicher noch ein bis zwei Jahren nachwirken werde.