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Fitness in der Pandemie: Social Distancing beschert Garmin höhere Umsätze

Hofer, Joachim
·Lesedauer: 3 Min.

Der Elektronikkonzern profitiert in Deutschland vom Individualsport. Das einstige Kerngeschäft bereitet Garmin hingegen Sorgen.

Die Turnhallen geschlossen, die Fußballplätze abgeriegelt: In Deutschland ist dieses Jahr Individualsport angesagt. Garmin, der Hersteller von Navigationsprodukten, profitiert davon. Wer sich nicht mit anderen messen kann, der vermisst sich eben selbst – und kauft dafür die Sportuhren, Fitnessarmbänder oder Radcomputer des US-Konzerns.

Um knapp ein Fünftel sei der Umsatz von Garmin dieses Jahr im deutschsprachigen Raum gestiegen, sagte Regionalchef Kai Tutschke dem Handelsblatt. Detaillierte Zahlen veröffentlicht das börsennotierte Unternehmen nicht zu einzelnen Ländern. Die Erlöse aus den ersten neun Monaten dürften in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber gut 250 Millionen US-Dollar (211 Millionen Euro) betragen.

Offenbar trifft Garmin den Nerv der Kundschaft in der Corona-Pandemie: „Unsere Produkte sind dafür da, dass die Menschen ein aktives und erfülltes Leben führen können“, sagte Tutschke. Und Erfüllung finden die Leute derzeit gezwungenermaßen vor allem, wenn sie sich draußen bewegen.

Joggen, Wandern und nicht zuletzt Radfahren boomen wegen Corona. So sei der Umsatz mit Fahrrad-Equipment dieses Jahr um 40 Prozent in die Höhe geschossen, erklärte Tutschke. „Die Nachfrage hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir konnten leider mitunter gar nicht alles liefern.“

Der Konzern bietet Fahrradcomputer an, die den Athleten per Satellitennavigation den Weg weisen, die Trainingstipps geben und sich sogar melden, wenn es Zeit für eine Trinkpause wird. Auch ein Radargerät hat Garmin im Angebot, das Radfahrer warnt, wenn von hinten Fahrzeuge nahen.

Navigationsgeräte für Schiffe und Flugzeuge

Zug um Zug hat die in Kansas ansässige Firma ihr Angebot in den vergangenen Jahren ausgebaut. Garmin bietet Computeruhren für immer mehr Sportarten an. Zuletzt brachte der Konzern spezielle Modelle für Surfer und E-Gamer in die Läden.

Das Gros der Elektronik richtet sich indes an Läufer, Fitness-Begeisterte und Outdoor-Enthusiasten. Doch auch Golfspieler, Triathleten und Taucher werden bei Garmin fündig. Zudem stattet das Unternehmen mit seinen 15.000 Mitarbeitern Flugzeuge und Schiffe mit Navigationsgeräten aus.

Im gesamten Konzern ist der Umsatz in den ersten neun Monaten um sieben Prozent auf rund 2,8 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) gestiegen. Der Gewinn kletterte um elf Prozent auf 659 Millionen Dollar.

Vergangenes Jahr haben die Konsumenten den Marktforschern von Gartner zufolge weltweit gut vier Milliarden Dollar für Sportuhren ausgegeben und rund drei Milliarden für Fitnessarmbänder. Während das Geschäft mit den Uhren weiter kräftig wächst, stagnieren die Umsätze mit den sogenannten Fitness-Trackern.

Es lief dieses Jahr aber nicht in allen Bereichen rund bei Garmin. Mit Navis für die Windschutzscheibe tun sich die Amerikaner schon länger schwer, auch 2020 sanken die Erlöse bisher. Einst war es das Kerngeschäft, jetzt ist es die kleinste Sparte, die nur gut jeden zehnten Dollar erwirtschaftet. Und auch der Luftfahrtbereich ist in den vergangenen Monaten deutlich geschrumpft.

Die Investoren sehen Garmin trotzdem positiv. Seit dem Jahrestiefpunkt im März ist der Aktienkurs in New York um rund zwei Drittel geklettert. An der Börse ist der Konzern umgerechnet etwa 18 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Der wesentlich größere deutsche Sportkonzern Puma kommt lediglich auf zwölf Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Tutschke: „Alle Kategorien gehen gut“

Wichtigste Konkurrenten bei den Sportuhren sind die skandinavischen Hersteller Suunto und Polar. Viele Athleten tragen aber auch die Computeruhren von Apple und Samsung, die zahlreiche Sport- und Gesundheitsfunktionen enthalten. Für Smartwatches geben Konsumenten weltweit mehr als 20 Milliarden Dollar pro Jahr aus.

Tutschke ist überzeugt, dass Garmins Aufwärtstrend im wichtigen Weihnachtsgeschäft anhält: „Alle Kategorien gehen gut“, unterstrich der Manager, selbst die Navis würden sich besser verkaufen als zuletzt.

Wenn die Konsumenten überall auf der Welt so beherzt zugreifen wie hierzulande, sollte Konzernchef Cliff Pemble seine Prognose problemlos schaffen. Der Manager versprach den Aktionären jüngst einen Umsatz fürs gesamte Jahr von vier Milliarden Dollar, das entspräche einem Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.