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Firmenlenker halten sich an den Börsen zurück – Größte Deals bei Krones und Scout 24

Das Verhalten von Vorständen und Aufsichtsräten spricht für eine Seitwärtsbewegung an den Märkten. Das Insiderbarometer bewegt sich jedoch an einer kritischen Stelle.

Der deutsche Leitindex kämpft seit Monaten mit ordentlichen Schwankungen. Foto: dpa

Die Lage an den Märkten ist verzwickt. Auf der einen Seite belasten der Handelsstreit und die langsamer wachsende Wirtschaft die Börsen. Auf der anderen Seite kommen Anleger in den Zeiten von Minus- und Minizinsen um Aktien kaum herum. Von daher nutzen sie schon jetzt Kursrückgänge recht schnell wieder zum Einstieg.

Das Ergebnis: Seit März pendeln die Börsen seitwärts – und das gerade im Dax unter ordentlichen Schwankungen von plus elf bis minus 9,6 Prozent.

Zuletzt notierte der Dax mit 12.380 Punkten wieder nah am oberen Ende der Spanne. Manfred Bucher, Aktienstratege bei der BayernLB, geht davon aus, dass die Pendelei weitergehen wird: „Die Schaukelbörse wird noch eine Weile anhalten“, meint Bucher.

„Auf eine Seitwärtsbewegung deuten auch die Handelsgeschäfte von Vorständen und Aufsichtsräten mit Aktien der eigenen Unternehmen hin“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management. Er untersucht seit mehr als 15 Jahren die Käufe und Verkäufe der sogenannten Firmeninsider, die Unternehmen an die Finanzaufsicht Bafin melden müssen. Auffällig findet Stotz, dass sowohl die Käufe als auch die Verkäufe in den vergangenen beiden Wochen zurückgegangen sind.

Aus den Transaktionen der Vorstände und Aufsichtsräte errechnet Stotz gemeinsam mit Experten von Commerzbank Wealth Management alle 14 Tage für das Handelsblatt das Insiderbarometer. In den vergangenen beiden Wochen hat es sich nicht verändert und notiert bei 120 Punkten.

Damit liegt das Barometer nur noch knapp über der Schwelle von 110 Zählern, ab der gilt, dass sich Aktien auf Sicht von drei Monaten besser als andere Anlageklassen entwickeln sollten. Mit den 120 Punkten notiert das Barometer allerdings seit Mitte September auf dem niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. Der deutliche Rückgang relativiert das Kaufsignal des Barometers.

Den größten Kauf gab es zuletzt beim Getränke- und Lebensmittelabfüller Krones. Hier legte sich Aufsichtsratschef Volker Kronseder über die Schawei GmbH Aktien ins private Depot. Volker Kronseder ist Sohn des Firmengründers Hermann Kronseder. Mit gut 330.000 Euro ist der Kauf indes nicht sonderlich groß.

Anfang August hatte Kronseder bereits Aktien für mehr als drei Millionen Euro gekauft. Mitte August notierte die Aktie mit unter 48 Euro auf dem tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Seither ist sie um zwölf Prozent gestiegen.

Den zweitgrößten Kauf mit mehr als 177.000 Euro gab es bei Compugroup Medical. Der vor wenigen Tagen in den MDax aufgestiegene Hersteller von Medizinsoftware hatte Anfang August für das zweite Quartal ein um mehr als 30 Prozent auf 37,4 Millionen Euro gesunkenen operatives Ergebnis (Ebitda) präsentiert. Für das Gesamtjahr hielt Compugroup aber an der Ebitda-Prognose von 720 Millionen bis 750 Millionen Euro fest.

Die zuvor deutlich gestiegene Aktie verlor dennoch seit Anfang August bis zu 30 Prozent an Wert. Das nutzen die Vorstände Hannes Reischl und Michael Rauch zum Kauf. Sie sicherten sich Aktien für insgesamt gut 177.000 Euro. Nach Ansicht des Fondshauses Union Investment könnte Compugroup Medical zu den Unternehmen gehören, die von einer möglichen staatlichen Unterstützung einer Förderung der Digitalisierung im Gesundheitswesen profitieren.

Käufe gab es zudem bei Siemens und Deutz. Mit unter 100.000 Euro waren sie indes nicht sonderlich groß, von daher ist die Aussagekraft begrenzt.

Bei Verkäufen fielen die bei Munich Re und SAP mit unter 450.000 und gut 35.000 Euro eher klein aus. Die Volumina von Verkäufen sind gerade bei Vorständen in der Regel größer als die von Zukäufen, weil Vorstände oft einen Teil ihres Gehalts in Aktienoptionen ausbezahlt bekommen, die sie mitunter flüssig machen.

Den größten Insiderverkauf mit gut einer Million Euro gab es zuletzt beim Onlineportal Scout 24, wo sich Vorstand Ralf Weitz von Aktien trennte. Das ist jedoch nicht unbedingt ein schlechtes Signal für die Aktie.

Ende August hatten Vorstandschef Tobias Hartmann und Finanzvorstand Dirk Schmelzer noch Scout 24-Aktien für zusammen gut 285.000 Euro gekauft. Nach der geplatzten Übernahme von Scout24 im Frühjahr ist der Hedgefonds Elliot bei Scout 24 eingestiegen.

Der Investor plädiert dafür, Scout24 zu zerschlagen und den Immobilienmarktplatz Immoscout24 vom Gebrauchtwagenhändler Autoscout24 zu trennen. Die Aktie ist seit Jahresanfang um fast 30 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr schwankte sie stark, legte unter dem Strich aber 18 Prozent zu.