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Fintech Robinhood will ab 2020 kostenlosen Aktienhandel in Großbritannien anbieten

Wegen des Start-ups mussten Amerikas Broker Gebühren für den Aktienhandel abschaffen. Trotz großer Konkurrenz will Robinhood nun auch im britischen Markt starten.

Robinhood bereitet den Markteintritt in Großbritannien vor. Das Start-up aus dem kalifornischen Menlo Park bietet Interessenten seit vergangenem Mittwoch an, sich auf eine Warteliste für die Nutzung setzen zu lassen. Der Start ist für das erste Quartal 2020 geplant. Die Genehmigungen der britischen Finanzaufsicht FCA hat Robinhood bereits im August erhalten.

Das 2017 gegründete Start-up ermöglichte als erster Anbieter überhaupt kostenlosen Aktienhandel. Die App richtet sich vor allem an junge Leute – und will ihnen das Investieren an den Finanzmärkten näherbringen. In den USA zählt Robinhood mehr als sechs Millionen Nutzer.

Den Erfolg wollen sie nun im Ausland wiederholen. „Großbritannien ist keine Nation von Investoren. Viele halten den Aktienhandel für zu teuer und lassen das Geld lieber auf der Bank“, sagt Wander Rutgers, der das Geschäft in Großbritannien aufbaut.

Im Angebot sollen gut 3500 globale und 1000 europäische Aktien sein. Nutzer von Apple Pay und Google Pay könnten Geld in Echtzeit von ihrer Kreditkarte in das Depot einzahlen – und auch wieder zurücküberweisen.

Doch das Start-up, das nach der jüngsten Finanzierungsrunde im Sommer mit 7,6 Milliarden Dollar bewertet wird, muss sich zunehmend mit Konkurrenten auseinandersetzen. In Großbritannien und 25 weiteren europäischen Märkten hat auch die Smartphonebank Revolut im August ein Angebot für kostenlosen Aktienhandel gestartet. Pikanterweise ist das Beteiligungshaus DST Global sowohl bei Revolut als auch bei Robinhood der größte Investor.

Rutgers hält den Markt dennoch für groß genug. „Nur 20 Prozent aller britischen Millennials sind an den Finanzmärkten aktiv“, gibt er zu bedenken. Auf die in den USA verfügbare Robinhood-Plattform für den Handel von Kryptowährungen will das Start-up in Großbritannien dagegen zunächst verzichten.

Auch andere Märkte in Europa, wie zum Beispiel Deutschland, schaut sich das Start-up an. „Einen genauen Expansionsplan außerhalb von Großbritannien gibt es derzeit jedoch nicht“, so Rutgers.

Konkurrenz in Deutschland

In Deutschland sind in diesem Jahr neben Revolut noch drei weitere Finanz-Start-ups mit Trading-Angeboten an den Markt gegangen: Den Anfang machte im Februar Trade Republic. Im Oktober folgte JustTrade; hier müssen sich Kunden bisher noch auf eine Warteliste eintragen. Seit Anfang November ist das Angebot von Gratisbroker verfügbar. Die Botschaft ist bei allen die gleiche: Sie wollen den Wertpapierhandel nahezu kostenlos ermöglichen.

Bei Trade Republic bedeutet das: Nutzer zahlen pro Order einen Euro sogenannte Fremdkostenpauschale. Bei Sonderfällen und Services wie der Eintragung von Namensaktien kommen zusätzliche Kosten hinzu. Bei JustTrade entstehen für die einzelne Order keine Kosten, aber für Guthaben auf dem Verrechnungskonto fallen Minuszinsen in Höhe von 0,5 Prozent an. Auch hier zahlen Nutzer für die Eintragung von Namensaktien.

Bei Gratisbroker entstehen keine Ordergebühren. Nur bei der Ausübung von Optionsscheinen, Wandelrechten, Zertifikaten und sonstigen Rechten behält die Depotbank 0,2 Prozent des Kurswerts ein. Für alle Anbieter gilt: Bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs) fallen die bisher üblichen Produktkosten an.

Im Gegensatz zu klassischen Brokern sind bei den Anbietern meist weniger Wertpapiere verfügbar, doch sie arbeiten laufend an Erweiterungen. So können bei Trade Republic inzwischen 7800 deutsche und internationale Aktien und ETFs auf Indizes, Rohstoffe und Währungen sowie rund 40.000 Derivate gehandelt werden.

Bei JustTrade sollen es „mehr als 6500 Aktien, mehr als 1500 ETFs, ETCs sowie circa 500.000 Zertifikate, Optionsscheine und Hebelprodukte“ sein. Gratisbroker wirbt mit mehr als 3600 Aktien, rund 180 ETFs und 2100 Fonds.

Große Unterschiede gibt es beim Ordervolumen. Während Trade Republic auf Mindest- und Höchstgrenzen für Order verzichtet, müssen es bei JustTrade und Gratisbroker mindestens 500 Euro sein. Robinhood dagegen verzichtet auf eine Mindestgrenze.

Konsolidierung in den USA

In den USA bekommt Robinhood ausgerechnet von den etablierten Brokern Konkurrenz, die das Start-up ursprünglich angegriffen hat. Anfang Oktober kündete Charles Schwab an, in Zukunft auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien, börsengehandelten Fonds (ETFs) und Optionsscheinen zu verzichten. Weitere Broker wie TD Ameritrade, E-Trade und Branchenführer Fidelity zogen gezwungenermaßen nach. Fidelity ist der größte Online-Broker der USA mit fast 22 Millionen Konten.

Die Entwicklungen führen zunehmend auch zur Konsolidierung in der Branche. So könnte TD Ameritrade an Charles Schwab verkauft werden, wie der US-Börsensender CNBC am Donnerstag berichtete. „Die Unternehmen sind sehr ähnlich, es geht hier also vor allem darum, eine gewisse Größe zu erreichen“, sagt KBW-Analyst Kyle Voigt.

Beide Unternehmen zusammen würden fünf Billionen Dollar verwalten. „Damit würde ein neuer Goliath in der Vermögensverwaltung entstehen“, stellt Wells-Fargo-Analyst Mike Mayo klar.