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Hintergrund des Steinwurfs auf Synagoge in Hannover unklar

Hannover (dpa) - Nach der Beschädigung eines Fensters einer Synagoge in Hannover am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur dauern die Ermittlungen der Polizei an. Neue Erkenntnisse gebe es noch nicht, teilten die Beamten am Donnerstag mit. Zahlreiche Politiker, Verbände und Kirchengemeinschaften zeigten sich entsetzt und verurteilten die Tat.

Nach bisherigen Ermittlungserkenntnissen wurde am Mittwochabend die Scheibe des Gotteshauses in Hannover beschädigt. In dem Gebäude beteten zu der Zeit rund 150 Menschen. Verletzt wurde niemand. Der Staatsschutz ermittelt. Bisher sind keine Angaben zu möglichen Tätern, einem Motiv oder dem Tathergang bekannt. Auch der Gegenstand, mit dem die Scheibe zerstört wurde, wurde noch nicht entdeckt. «Wir ermitteln mit Hochdruck in alle Richtungen», sagte eine Sprecherin der Polizei.

«Wir waren alle auf das Gebet konzentriert, irgendwann gegen 19.00 Uhr haben wir einen Knall gehört», berichtete Arkadij Litvan, Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hannover. Nach der Alarmierung der Polizei hätten die Gläubigen ihr Gebet fortgesetzt.

Vor drei Jahren gab es in Halle (Saale) während des gleichen Feiertags einen Anschlag auf eine Synagoge, der zwei Todesopfer in der Stadt zur Folge hatte. Jom Kippur fällt von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober.

Verurteilungen und Solidarisierungen aus der Politik

Politiker und Kirchenverbände verurteilten den Steinwurf. «Ich verurteile ihn aufs Schärfste», sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Die jüdische Gemeinde in Deutschland sei schockiert. «Mut geben uns die vielen Solidaritätsbekundungen aus der Zivilgesellschaft und der staatlichen Institutionen.» Der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, twitterte, wer einen Stein werfe, zögere «auch nicht, eine Kugel abzufeuern».

«Dieser Angriff auf die Synagoge in Hannover am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ist entsetzlich und schockierend», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Karin Prien sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Jüdinnen und Juden sollen sich in Deutschland nicht jedes Jahr aufs Neue fürchten müssen, an Feiertagen eine Synagoge zu besuchen.»

Es sei unerträglich und nicht hinnehmbar «dass unsere jüdischen Schwestern und Brüder im Ausüben ihres Glaubens an ihrem heiligen Ort bedroht werden», sagte der Regionaldechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover, Christian Wirz. Ähnlich äußerten sich auch evangelische und muslimische Vertreter.

Am Mittag kamen zahlreiche Politiker zur Synagoge, um sich ein Bild zu machen, darunter Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) , die niedersächsische Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil.