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Was bei der Fed-Sitzung wichtig wird

Nach diversen Notfallsitzungen tagt die Federal Reserve am Mittwoch wieder regulär. Weitere Zinssenkungen werden nicht erwartet, aber andere Signale.

Die Fed startet zwei weitere Programme, mit denen sie die US-Wirtschaft in der Coronakrise stützen will. In den vergangenen Wochen wurden landesweit mehr Arbeitsplätze vernichtet, als seit der Finanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt neu entstanden sind. Foto: dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist in der Coronakrise zum großen Retter geworden. Seit Mitte März schon pumpt sie Billionensummen in die Finanzmärkte, setzt immer neue Programme auf, um zu verhindern, dass der Kreditfluss einfriert und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch schlimmer werden.

Am Mittwoch tagen die Währungshüter wieder regulär, nachdem die für den März angesetzte Sitzung des Offenmarktausschusses ausfallen musste, weil wichtige Entscheidungen in Notfallsitzungen vorgezogen wurden. Die Fed senkte den Leitzins bereits auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent. Weitere Zinssenkungen sind daher nicht zu erwarten.

Fed-Chef Jerome Powell hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass negative Zinsen für ihn – auch in dieser schweren Krise – nicht infrage kommen. Dennoch interessieren sich Ökonomen und Anleger für die Einschätzungen der Notenbank. Diese drei Dinge stehen dabei im Vordergrund.

Was sagt die Fed zur Lage der Wirtschaft?

Nach den vielen schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen interessieren vor allem die wirtschaftlichen Einschätzungen der Fed. Am Mittwoch werden auch die Wachstumsraten für das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals veröffentlicht. Darin spiegelt sich jedoch nur der Anfang der Coronakrise wider, die die USA Mitte März erfasste.

Für das zweite Quartal wird bereits jetzt ein Minus in zweistelliger Prozenthöhe erwartet. Die rapiden Jobverluste haben sich im April fortgesetzt. Hinzu kam vergangene Woche ein historischer Einbruch am Ölmarkt, der den ohnehin schon angeschlagenen Energiesektor weiter in Bedrängnis bringt. Die Währungshüter haben – auch dank der regionalen Notenbanken – eine gute Einschätzung über den Puls der Wirtschaft.

„Alle fragen sich, wie tief es abwärtsgehen kann und wann die Wirtschaft beginnt, sich zu erholen“, sagt Jim Paulsen, Investmentstratege des Vermögensverwalters Leuthold Group. Einige Bundesstaaten haben angekündet, in den kommenden Wochen mit einer langsamen Öffnung der Wirtschaft zu beginnen.
Die Bilanzsumme der Fed ist in der Krise deutlich angestiegen und lag zuletzt bei 6,5 Billionen Dollar – zwei Billionen über dem vorherigen Allzeithoch aus dem Jahr 2016. Angst vor Inflation gebe es derzeit jedoch noch nicht, wie John Williams, Chef der regionalen Notenbank in New York, vergangene Woche bei einer Veranstaltung versicherte.

Wie laufen die bisherigen Rettungsprogramme?

Es ist der Notenbank gelungen, mit ihren umfassenden Maßnahmen die Märkte zu beruhigen. Die erste Welle an Notfallprogrammen für wichtige Teile der Finanzmärkte wird mittlerweile kaum noch benötigt, wie Daten der Fed aus der vergangenen Woche zeigen. Darunter ist ein Programm, das Geldmarktfonds mit Liquidität versorgt, sowie ein weiteres für sogenannte Commercial Paper. Dies sind kurzfristige Schuldverschreibungen für Unternehmen, die den Markt nutzen, um sich Barmittel zu besorgen, um unter anderem Löhne und Lieferanten zu bezahlen.

Für ihr schnelles und umfassendes Eingreifen hat die Fed viel Lob bekommen. Sie setzte unverzüglich immer neue Hilfen auf, um Blockaden in verschiedenen Sparten der Finanzwelt zu lösen, darunter auch am Markt für hypothekenbesicherte Anleihen und US-Treasuries. Wäre der Fluss von Krediten eingefroren, hätte das die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch deutlich verschärft.

Der Erfolg ist wichtig für die weiteren Programme, die in Kürze starten werden. Die Fed sei darauf angewiesen, dass Unternehmen und Investoren der Notenbank vertrauen. „Daher sollte sie weiter betonen, dass sie alles tun wird, was nötig ist, um die Wirtschaft wieder zu stabilisieren“, gibt Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase zu bedenken.

Welche weiteren Rettungsmaßnahmen plant die Notenbank?

In den kommenden Wochen starten zwei weitere Programme, mit denen die Notenbank die Wirtschaft stützen wird: Sie wird zum einen Kommunalanleihen von Bundesstaaten und größeren Städten im Wert von insgesamt 500 Milliarden Dollar kaufen.

Zum anderen setzt sie ein Programm auf, das die Kreditvergabe an Mittelständler fördern soll. Dabei geht es speziell um Unternehmen mit bis zu 10.000 Mitarbeitern und einen Umsatz von bis zu 2,5 Milliarden Dollar, die zu klein sind, um sich am Kapitalmarkt neue Mittel zu besorgen.

Beide Programme gehen weit über die traditionelle Rolle der Notenbank hinaus und werden neue Probleme mit sich bringen. Es ist gut möglich, dass Powell neue Details zur Ausgestaltung dieser Programme verrät.

Die Finanzlage in vielen Bundesstaaten und Kommunen ist aufgrund der hohen Kosten durch die Krise und der fallenden Steuereinnahmen prekär. In Washington wird darüber diskutiert, Bundesstaaten insolvent gehen zu lassen, anstatt sie mit weiteren Geldern zu unterstützen.

Die rapide gestiegenen Anträge auf Arbeitslosengeld zeigen, wie schnell sich Unternehmen in den USA von ihren Mitarbeitern trennen und wie gering ihre Rücklagen sind. In den vergangenen fünf Wochen haben 26 Millionen Amerikaner Arbeitslosengeld beantragt. Damit haben mehr Menschen in dieser Zeit ihren Job verloren, als seit der Finanzkrise neu entstanden sind.