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Wenn die Fed dreht, kracht der Markt

Riedl, Anton Dr
·Lesedauer: 7 Min.

Der massive Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen drückt die Börsenstimmung. Gute Aussichten bei führenden Aktien stützen dafür den Markt. Jetzt darf die Notenbank Fed bloß nichts an ihrer expansiven Zinspolitik ändern.

Zwar stützen Aktien wie Allianz, Volkswagen oder Beiersdorf den Dax, aber das Crashrisiko ist gestiegen. Foto: dpa
Zwar stützen Aktien wie Allianz, Volkswagen oder Beiersdorf den Dax, aber das Crashrisiko ist gestiegen. Foto: dpa

Um 1,3 Milliarden Euro wurde der operative Gewinn der Allianz im vergangenen Jahr durch Corona gedrückt. Das ist etwas mehr als ein Zehntel der gesamten Erträge, die auf operativer Ebene bei 10,8 Milliarden lagen und netto noch bei 6,8 Milliarden Euro. Angesichts des heftigen Konjunkturrückschlags, zu dem es vor allem im ersten Halbjahr 2020 kam, ist das ein erstaunlich gutes Ergebnis.

Es liegt nicht nur deutlich über den Erwartungen von Banken und Analysten; es wäre, um den Coronaeffekt bereinigt, sogar ein neuer Rekord geworden. Den peilt die Allianz nun für 2021 an.

Die Chancen dafür stehen gut. Trotz der jüngsten Corona-Beschränkungen ging die Allianz schon im vierten Quartal 2020 wieder auf Rekordkurs – und der dürfte sich in den Anfangswochen 2021 fortgesetzt haben. Vor allem der Absatz von Lebens- und Krankenversicherungspolicen zieht wieder an. In der Schaden- und Unfallversicherung machen sich zwar der Ausfall von Großveranstaltungen, Schließungen von Hotels und weniger Reisen bemerkbar. Dass die Schaden-Kosten-Quote aber mit 96,3 Prozent immer noch deutlich unter der 100er-Marke liegt, zeigt, dass die Allianz in ihrem Kerngeschäft trotz Corona gutes Geld verdient. In der Vermögensverwaltung kletterten dank Börsenboom die für Dritte verwalteten Anlagegelder um 26 Milliarden Euro auf 1,7 Billionen.

Für Allianz-Aktien kommen die guten Zahlen wie gerufen. Seit November ist im Kursverlauf zwischen 185 und 210 Euro eine Konsolidierung entstanden, die im ungünstigsten Fall (bei einem Rutsch unter etwa 180 Euro) eine erneute Baisse auslösen könnte. Diese Gefahr sollte nun erst einmal vom Tisch sein. Wenn die Allianz, wie angekündigt, 2021 wieder einen Rekordgewinn erzielt, ergäbe das nicht nur eine günstige Bewertung um zehn; dann dürfte die ohnehin gute Dividende von zuletzt 9,60 Euro je Aktie weiter steigen. Starke Marktstellung, robuster Geschäftsverlauf, günstige Bewertung und hohe Ausschüttung machen die Allianz damit zu einem Favoriten im Dax. Das nächste, mittelfristige Ziel der Aktie dürfte im Bereich des alten Hochs um 230 Euro liegen.

Volkswagen unter Strom, Beiersdorf mit Substanz

Neben der Allianz gewinnt auch ein anderes Schwergewicht im Dax wieder Kontur: die Volkswagen-Aktie. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst erholt sich mit der Konjunktur auch der Verkauf klassischer Verbrennerfahrzeuge, mit denen VW immer noch den Löwenanteil seines Gewinns einfährt. Besonders wichtig aber ist es nun, dass VW in der E-Mobilität immer schneller vorankommt – sowohl bei den realen Verkaufszahlen als auch den mittel- bis langfristigen Zielmarken.

Und drittens wäre es für die Einschätzung von VW-Aktien ein großer Vorteil, wenn Porsche als Automarke wieder an die Börse käme. Die Porsche-Aktien, die heute schon an der Börse gehandelt werden, haben mit den Zuffenhausener Sport- und Luxuskarossen direkt nichts zu tun, sondern sind die Dachgesellschaft, in der die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile bündeln und über die sie den Volkswagenkonzern steuern.

Welche Power in einem solchen Börsengang stecken kann, zeigt die enorm hohe Bewertung, die Fiat-Tochter Ferrari an den Märkten mittlerweile erzielt. Selbst wenn Porsche-Aktien nicht gleich so schnell durchstarten wie die Rivalen aus Maranello, ergäbe sich für VW leicht ein ausgewiesener Börsenmehrwert im zweistelligen Milliardenbereich. Und wenn, wie das bisher angedacht ist, nur ein Viertel der Aktien an die Börse käme, hätte VW - und damit die Familien Porsche und Piëch, weiterhin das Steuer in der Hand.

VW-Aktien haben, getrieben durch die Elektro- und Porsche-Fantasie, nun den Widerstandsbereich um 150 Euro hinter sich gelassen. Mittelfristig sollten sie zumindest wieder bis zum alten Hoch um 190 Euro vordringen. Je weiter Volkswagen bei seiner Umwandlung in einen E-Auto-Konzern vorankommt, desto mehr wird sich der aktuell gigantische Bewertungsunterschied zum großen Rivalen Tesla verringern. Und selbst wenn Tesla-Aktien früher oder später einmal deutlich korrigieren, ergäbe das für VW langfristig noch immer einen erhebliches Potenzial.

Kräftig nach unten ging es diese Woche mit Beiersdorf. Dass der Gewinn im vergangenen Jahr deutlich schrumpfte und sich 2021 wohl zunächst nur langsam erholt, führte zu einem Rutsch unter die wichtige Unterstützung bei 90 Euro. Dennoch, es ist weniger eine operative Schwäche, von der die Ertragsentwicklung von Beiersdorf geprägt wird, sondern hohe Investitionen in Digitalisierung, E-Commerce und neue Produkte. Und dabei kommen die Hamburger durchaus voran, wie das Wachstum in China, das florierende digitale Geschäft und die Lancierung von Neuentwicklungen zeigt. Gut möglich, dass die Aktie zunächst noch einige Wochen für die Stabilisierung braucht. Im Bereich um 80 Euro, den Tiefpunkten der vergangenen Jahre, sollte sie dann aber für antizyklische Investoren wieder ein Kauf sein. Mit mehr als 60 Prozent Eigenkapital in den Büchern hat Beiersdorf wohl die beste Bilanz aller Dax-Werte.

Weder Fed noch Präsident Biden wollen höhere Zinsen

Für den Dax ist es eine wichtige Stütze, wenn große Aktien wie Allianz und Volkswagen (Daimler und BMW sehen ähnlich stabil aus) sich wieder Schritt für Schritt nach oben entwickeln. Aus dem Schneider sind die Börsen insgesamt nämlich nicht. Im Gegenteil, gerade von der Zinsseite wächst die Bedrohung.

Auf dem wichtigsten Anleihemarkt weltweit, dem für zehnjährige amerikanische Staatsbonds, ist die Rendite zum ersten Mal seit knapp einem Jahr wieder auf 1,30 Prozent gestiegen. Das ist seit August vergangenen Jahres mehr als eine Verdopplung. Hinter diesem Zinsanstieg steht zum einen die allgemeine wirtschaftliche Erholung nach dem Coronatief, zum anderen die Erwartung einer schnell zunehmenden Inflation.

Richtig gefährlich für die Aktien könnte diese Mischung werden, wenn sich nun auch die Notenbank von ihrem extrem expansiven Kurs abwenden würde, um womöglich damit doch ein langsames Gegensteuern einzuleiten.

Allerdings, eine solche Wende der Fed sollte zumindest kurz- bis mittelfristig, also mindestens bis Herbst dieses Jahres, wenig wahrscheinlich sein. Die Erholung der US-Wirtschaft, darauf weist die Fed selbst ausdrücklich hin, vollzieht sich keineswegs dynamisch und umfassend. Gerade der neue Präsident Joe Biden hat sich die Wiedergesundung der USA ganz oben auf die Fahne geschrieben. Maßstab dafür ist nicht die Inflation, sondern die Arbeitslosigkeit. Mit zuletzt 6,3 Prozent und sogar wieder steigenden Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind die USA weit von ihrem Ziel der Vollbeschäftigung entfernt.

Zudem mehren sich die Anzeichen, dass die Fed keine Probleme hat, sollte die Inflation das einstige Wunschziel von zwei Prozent überschreiten, womöglich sogar deutlich. Und dass die neue Finanzministerin Janet Yellen einst als Fed-Chefin in der Tat mehrere Zinsanhebungen durchzog, macht sie jetzt keineswegs automatisch zu einer Hardlinerin. Im Gegenteil: Yellen ist als Finanzministerin ganz klar durch Präsident Biden eingebunden – und der wird alles daran setzen, dass die US-Wirtschaft wider dynamisch aus dem Tal kommt. Höhere Zinsen sind dafür ein unerwünschtes, gefährliches Hindernis.

Konkret könnte das bedeuten, dass die Rendite zehnjähriger US-Anleihen zwar bis in den Bereich 1,30 bis 1,50 Prozent noch etwas zulegt, dann aber dort zum Stehen kommt und womöglich wieder nachgibt. Mehrmals schon seit 2012 kam es bei den US-Bonds um das Niveau von 1,50 Prozent zu entscheidenden Wendepunkten im Markt.

Fazit für den Dax: Nach einem starken Monatsbeginn hat sich der Dax zwischen 13.800 und 14.200 Punkten festgefahren. Ein Rückschlag unter 13.800 könnte durchaus weitere Kursverluste bis in die Zone 13.500 bis 13.300 Punkte zufolge haben. Tiefer sollte der Markt bei seiner aktuellen Korrekturphase allerdings nicht mehr fallen. Dann nämlich könnte es, ähnlich wie im Oktober vergangenen Jahres, durchaus zu weiteren, heftigen Kursverlusten kommen.

Mehr zum Thema: Die Aktienmärkte sind überhitzt wie lange nicht. Investoren bauen darauf, dass billiges Geld der Notenbanken weiter die Kurse treibt. Doch viele Indikatoren zeigen: Das geht nicht mehr lange gut.