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Fast eine Milliarde eingesammelt: Das sind die Startups der Westwing-Clique

·Lesedauer: 4 Min.
Vorständin Delia Lachance gründete Westwing im Jahr 2011. Aus dem Mitarbeiterkreis gingen Dutzende neue, hochfinanzierte Tech-Firmen hervor.
Vorständin Delia Lachance gründete Westwing im Jahr 2011. Aus dem Mitarbeiterkreis gingen Dutzende neue, hochfinanzierte Tech-Firmen hervor.

Es ist der Kreislauf, den Branchenkenner immer wieder beschwören: Jemand gründet ein schnellwachsendes Tech-Startup und heuert über Jahre hunderte, manchmal tausende junge Beschäftigte an. Diese profitieren im Erfolgsfall mehrfach von ihrem Engagement. Sie erhalten früh viel Verantwortung, lernen das Unternehmen in einer kritischen Phase kennen und verdienen – idealerweise über eine Mitarbeiterbeteiligung – an einem Börsengang oder Verkauf mit. In der Folge investieren die Beschäftigen ihr Kapital selbst in Startups – oder gründen gleich selbst eines aus.

In den USA ist dieses Phänomen schon lange als "Paypal-Effekt" bekannt. Der Begriff meint rund ein Dutzend Unternehmer, die sich bei dem Bezahlservice kennenlernten und danach mit gegenseitiger Hilfe Milliardenfirmen aufbauten. An vorderster Front dieser Clique stehen Peter Thiel (Palantir), Elon Musk (SpaceX) und Reid Hoffmann (Linkedin).

Auch in Deutschland zeigen sich nach Jahren des Startup-Booms erste vergleichbare Strukturen. Neben Zalando tut sich vor allem die Berliner Smartphone-Bank N26 als Gründerschmiede hervor. Mindestens 25 Firmen sind im Laufe der Jahre durch die Beteiligung ehemaliger N26-Mitarbeiter entstanden. Noch reicht ihr finanzieller Einfluss auf das Ökosystem nicht an die Paypal-Erben aus den USA heran. Doch die Netzwerke wachsen stetig. Das jüngste Beispiel: Der Online-Möbelversender Westwing.

31 Unternehmen, 4.400 Arbeitsplätze

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Münchner Börsenkonzerns hat der Investor Alan Poensgen analysiert, welche Firmen aus dem Westwing-Kosmos hervorgegangen sind. Für seine Analyse hat Poensgen unter anderem Linkedin-Profile und Datenbanken ausgewertet.

„Was ich herausfand, war ziemlich erstaunlich“, schreibt Poensgen in einem Post auf der Bloggerplattform Medium. Durch ehemalige Westwing-Angestellte seien inzwischen etwa 31 Startups mit insgesamt rund 4.400 Arbeitsplätzen entstanden. In einer ersten Hochrechnung ging Poensgen zunächst davon aus, dass die Firmen ungefähr gleich viel Risikokapital von Investoren eingeworben haben wie Westwing in seiner Firmenhistorie – umgerechnet rund 193 Millionen Euro (237 Millionen Dollar).

Nachdem er seine Ergebnisse bei Linkedin veröffentlichte, ergänzten Nutzerinnen und Nutzer die Liste jedoch schnell um weitere Unternehmen. Laut den Daten haben ehemalige Westwing-Angestellte für ihre Ventures rund 994 Millionen Euro von Investoren erhalten – also mehr als fünf Mal so viel wie ihr einstiger Arbeitgeber. Mehr noch: Insgesamt beschäftigten die Firmen heute fast vier Mal so viele Mitarbeiter wie Westwing, die in der Mehrheit (60 Prozent) auch in Deutschland angesiedelt sind.

„Das bedeutet, dass Westwing nach zehn Jahren einen ungefähr fünffachen Multiplikatoreffekt auf das Startup-Ökosystem hatte“, fasst Investor Poensgen seine Ergebnisse zusammen. „Und ich würde erwarten, dass dieser Effekt in den nächsten Jahren noch deutlich wachsen wird.“

Doch welche Firmen aus dem Westwing-Kosmos sind besonders erfolgreich? Gründerszene stellt einige der Unternehmen vor.

Ex-Werkstudent baut Einhorn auf

Von 2011 bis 2013 war Roman Schneider als Werkstudent in der Software-Entwicklung von Westwing beschäftigt. Dort wirkte Schneider laut Beschreibung in seinem Linkedin-Profil am Frontend der Einkaufsplattform mit. Nach weiteren Stationen unter anderem bei Siemens und Foodora gründete er 2016 Personio. Die Münchner Firma entwickelt eine Software für das Bewerbermanagement und wird von Investoren inzwischen mit rund 1,3 Milliarden Euro bewertet.

Ex-Co-CEO startet mit Fintech durch

Scalable-Capital-Gründer Erik Podzuweit.
Scalable-Capital-Gründer Erik Podzuweit.

In der Szene ist Erik Podzuweit in erster Linie für die Gründung des Münchner Robo-Advisors Scalable Capital bekannt, das unter anderem den Vermögensverwalter Blackrock zu seinen Investoren zählt. Über die App des Fintechs können Kleinanleger in Aktien und ETFs investieren. Zuvor war Podzuweit als Co-Ceo bei Westwing, von 2012 bis 2013. Dort lernte er auch die Diplom-Kauffrau und Doktorin Manuela Rabener kennen. Sie stieg später als Marketing-Chefin bei Scalable Capital mit ein.

Ehemaliger Türkei-Manager gründet Konkurrenzunternehmen

Eigentlich sollte Kemal Erol das Westwing-Geschäft auch in der Türkei groß machen. Ein Jahr lang fungierte er als Regionalchef. Doch der Erfolg stellte sich für Erol erst ein, als er im Jahr 2013 ein eigenes Unternehmen mit ähnlichem Geschäftsmodell startete. Vivense gilt als Marktführer im türkischen Onlinemöbelhandel. Im Juli 2020 schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von 130 Millionen Dollar ab.

Ex-Manager Konstantin Mehl macht Rücken-App groß

Arbeite einst als Business Development Manager bei Westwing: Kaia-Gründer Konstantin Mehl.
Arbeite einst als Business Development Manager bei Westwing: Kaia-Gründer Konstantin Mehl.

In seinem Linkedin-Profil taucht seine Vergangenheit bei Westwing nicht auf. Eine Schnellrecherche zeigt aber, dass Konstantin Mehl zwischen 2013 und 2014 als Business Development Manager beim Möbelversandhändler tätig war. Nachdem er anschließend den Essenslieferdienst Foodora gründete und an Delivery Hero verkaufte, startete Mehl im Jahr 2016 ein weiteres Ventures – das Health-Tech Kaia. Die App der Firma bietet Übungen gegen Rückenschmerzen an. Erst im April vermeldete Kaia Health eine Finanzierung in Höhe von rund 62 Millionen Euro.

Ehemaliger Software-Chef vermietet jetzt Autos im Abo

Fünf Jahre lang leitete Andreas Wixler bei Westwing die Softwareentwicklung. Laut Linkedin kümmerte er sich unter anderem um die Website sowie die Apps des Möbelversandhändlers. Im September 2019 stieg Wixler aus, gründete nur einen Monat später selbst. Mit der Plattform finn.auto versucht der Gründer seitdem, die Vermietung von Fahrzeugen im Abonnement groß zu machen. Zumindest Investoren glauben bisher an ihn. Im Dezember 2020 sammelte das Unternehmen eine 20-Millionen-Runde ein. Unter den Geldgebern sind auch die Zalando-Gründer.

Die vollständige Liste an Ausgründungen findet ihr hier.

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