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Fast die Hälfte der Geflüchteten aus der Ukraine will in Deutschland bleiben – Integration kommt laut Umfrage gut voran

Mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine haben in Deutschland Zuflucht vor Russlands Überfall gesucht. Viele sind Frauen mit ihren Kindern.  - Copyright: Picture Alliance
Mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine haben in Deutschland Zuflucht vor Russlands Überfall gesucht. Viele sind Frauen mit ihren Kindern. - Copyright: Picture Alliance

Gut ein Jahr nach Beginn des Ukraine-Krieges hat sich die Situation der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland deutlich verbessert, die Integration kommt voran. Die große Mehrheit der mehr als einer Million Geflüchteten lebt in privaten Wohnungen und nimmt an Sprach- und Integrationskursen teil. Mehr und mehr ukrainische Geflüchtete finden Arbeit. Der Anteil der ukrainischen Geflüchtete, die auch langfristig in Deutschland bleiben wollen, ist seit dem Sommer 2022 von 39 auf 44 Prozent gestiegen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der zweiten großen Befragung Geflüchteter aus der Ukraine in Deutschland. Die Studie ist ein gemeinsames Forschungsprojekt des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

„Das Zwischenfazit ist durchaus ermutigend – die gesellschaftliche Teilhabe hat deutliche Fortschritte gemacht“, sagte Markus Grabka vom DIW. „Ein Selbstläufer ist das jedoch nicht“, ergänzte Yuliya Kosyakova vom IAB. „Die Geflüchteten benötigen Planungssicherheit, ob sie sich in Deutschland langfristig aufhalten dürfen – auch wenn der Krieg beendet sein wird. Gerade für den Deutscherwerb und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sind die Perspektiven enorm wichtig.“ Derzeit ist das Aufenthaltsrecht für Geflüchtete aus der Ukraine bis März 2024 befristet. Die Experten forderten, schnell Klarheit zu schaffen, wie es für die Menschen dann weitergehen kann.

Geflüchtete aus der Ukraine: Integration kommt voran

Bei der Befragung gaben 44 Prozent an, langfristig in Deutschland bleiben zu wollen. Im Vergleich zur ersten Befragung im Spätsommer 2022 sind das fünf Prozentpunkte mehr. Die zentrale Rolle spielt dabei die familiäre Situation. Ein Großteil der Geflüchteten sind Frauen mit ihren Kindern, deren Männer oft noch in der Ukraine leben.

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Insbesondere beim Erlernen der deutschen Sprache gibt es deutliche Fortschritte: Drei von vier Betroffenen haben Deutschkurse besucht. Ihre Deutschkenntnisse haben sich nach eigener Einschätzung verbessert: „Sehr gute“ oder „gute“ Deutschkenntnisse bescheinigen sich mit acht Prozent zwar immer noch nur wenige Geflüchtete. Der Anteil, die mit „es geht“ antworteten, verdoppelte sich aber auf 27 Prozent. Der Anteil, die angeben „gar nicht“ Deutsch zu sprechen hat sich auf 18 Prozent mehr als halbiert.

Die Erwerbstätigkeitsquote der ukrainischen Geflüchteten stieg im Vergleich zum Spätsommer 2022 zwar nur geringfügig von 17 auf 18 Prozent der 18- bis 64-Jährigen. Das liegt aber vor allem daran, dass vor allem jene Menschen schnell eine Arbeit fanden, die bereits ausreichend Deutsch sprachen. Über zwei Drittel der ukrainischen Geflüchteten, die noch nicht erwerbstätig waren, wollen dies sofort oder innerhalb des kommenden Jahres tun. Die hohe Beteiligung an Sprach- und Integrationskursen verbessere ihre Arbeitsmarktchancen, so die Experten.

Das dürfte sich dann auch positiv auf das Haushaltseinkommen auswirken. Es lag bei durchschnittlich 850 Euro. Der Medianwert, also das Einkommen genau in der Mitte, betrug unter den geflüchteten Ukrainern nur 750 Euro und ist damit weniger als halb so hoch wie in der Bevölkerung in Deutschland.

Mit deutlich über 90 Prozent besuchen fast alle schulpflichtigen Kinder aus der Ukraine in Deutschland eine allgemein- oder berufsbildende Schule. Jedes zweite Kind im Alter bis sechs Jahren war zu Beginn des Jahres 2023 in einer Kita. „Ein ausreichendes Angebot an Kita-Plätzen ist für die große Gruppe ukrainischer Geflüchteter in Deutschland wichtig. Für Eltern, um Sprachkurse besuchen und
eine Arbeit aufnehmen zu können – und für Kinder, um die Sprache zu lernen, einen strukturierten Alltag zu haben und Freunde zu finden“, sagte Andreas Ette, vom BiB.

Die wichtigste Empfehlung an die Politik sei es darüber hinaus, schnell über die Verlängerung des vorübergehenden Schutzes ukrainischer Geflüchteter über März 2024 hinaus zu entscheiden oder andere längerfristige Aufenthaltsperspektiven zu schaffen. „Investitionen in die soziale Teilhabe und in Beschäftigungsverhältnisse setzenverlässliche Aufenthaltsperspektiven voraus – sowohl für die
Geflüchteten selbst als auch für die deutsche Gesellschaft“, resümieren die Forscher.

Mehr Details zu der Befragung und zur Methodik der Studie findet ihr hier.