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Fast 90 Prozent der Patienten, die jetzt mit Covid-19 in die Kliniken kommen, sind nicht geimpft

·Lesedauer: 4 Min.

Die meisten Covid-Kranken in deutschen Kliniken haben nach Angaben eines Intensivmediziners keine Corona-Impfung. Der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es gebe aber auch Fälle von geimpften Corona-Patienten in stationärer Behandlung. "Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen", sagte Karagiannidis. Die Mehrzahl werde auf den Normalstationen behandelt, einzelne Fälle gebe es aber auch auf den Intensivstationen.

Bei den stationär behandelten Menschen mit Impfdurchbrüchen handele es sich nach seiner Erfahrung etwa um Patienten mit eingeschränkter Immunantwort, etwa als Folge einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems. Wichtig sei, dass jetzt insbesondere den Patienten, die ein gedämpftes Immunsystem hätten, eine dritte Impfung als Booster angeboten werde. Karagiannidis sagte, dass das Divi-Intensivregister künftig auch Angaben über den Impfstatus der Covid-Patienten auf den Intensivstationen erheben und veröffentlichen werde.

Karagiannidi ist wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). In diesem Register wird unter anderem erfasst, wie viele Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen liegen und wie viele Intensivbetten frei sind.

Corona-Fallzahlen steigen wesentlich früher und schneller als im vergangenen Jahr

Inzwischen beschleunigt sich der Anstieg der gemeldeten Corona-Neuinfektionen. Am Mittwochmorgen hatte das Robert Koch-Institut (RKI) 8324 Neuinfektionen gemeldet - über 4400 mehr als am Vortag (3912) und 67 Prozent mehr als noch vor einer Woche (4996). Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg damit auf 40,8. Zuletzt hatte sie am 27. Mai über 40 gelegen.

In vier Bundesländern liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mittlerweile wieder über 50: in Berlin (69,2), Hamburg (74,5), Nordrhein-Westfalen (64,6) und Schleswig-Holstein (50,5). Einen Trend sieht das RKI in dem aktuellen sprunghaften Anstieg noch nicht: eine Zunahme bei der Sieben-Tage-Inzidenz sei zu erwarten gewesen. Die Fallzahlen nahmen demnach bereits seit Anfang Juli 2021 wieder zu - sie stiegen wesentlich früher und schneller als im vergangenen Jahr, als vergleichbare Inzidenzen erst im Oktober erreicht wurden. Zurzeit seien vor allem die 10- bis 34-Jährigen von Infektionen betroffen, die Verbreitung innerhalb Deutschlands variiere stark, hieß es vom RKI.

Die Ursachen für die steigenden Fallzahlen sind nach RKI-Angaben vielfältig: zu wenige Impfungen, die ansteckendere Delta-Variante, die vermehrte Reisetätigkeit im Sommer oder das Ende der Schulferien. Die Behörde empfiehlt weiterhin die Einhaltung der Hygieneregeln, Menschenmengen zu meiden und schon bei leichten Symptomen einen PCR-Test machen zu lassen und zu Hause zu bleiben.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben weitere Werte wie die Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. Am Mittwoch waren 345 Hospitalisierungen mit Covid-19 aufgeführt, die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt demnach bei 1,19 Fällen pro 100 000 Einwohner (Vortag: 1,10, Vorwoche: 0,76). Auf den Intensivstationen waren am Dienstag 574 Covid-19-Patienten in Behandlung.

Aus Sicht von Christian Karagiannidis sind die stark steigenden Inzidenzen Anlass zu Sorge. "Wir haben Stand jetzt zwar noch wenig Covid-Patienten auf der Intensivstation und genügend freie Kapazitäten, aber die Tendenz ist auch hier steigend von minimal 350 Patienten vor zwei Wochen auf jetzt knapp 600", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Inzidenzen seien linear an die Intensivbelegung gekoppelt. "Es ist auch naiv zu glauben, dass die hohen Inzidenzen der jungen Menschen nicht auf die 35- bis 60-Jährigen überspringen. Hier gibt es absolut gesehen noch zu viele Ungeimpfte in Deutschland."

Karagiannidis wies auf die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit der Delta-Variante des Coronavirus hin und betonte wie andere Experten auch, dass Herdenimmunität inzwischen eine Illusion sei. Der Experte rechnet mit einem weiteren Anstieg bei der Zahl der Intensivpatienten in den kommenden Wochen, wenn sich nicht deutlich mehr Menschen impfen lassen.

Zahl der Erstimpfungen nimmt derzeit wieder leicht zu

Das kann nach Ansicht des Mediziners auch zu einer neuerlichen ernsthaften Belastung für das Personal werden. "Einige sind noch ganz schön ausgelaugt von den drei ersten Wellen", sagte Karagiannidis. "Hier droht ein nachhaltiger Schaden, den wir personell bei der hohen Arbeitsbelastung in den kommenden Jahren nicht kompensieren werden können."

Derzeit nimmt die Zahl der Erstimpfungen wieder leicht zu, wie aus den Daten des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Die Behörde meldete für Dienstag gut 92.000 erfasste Erstimpfungen, an den Dienstagen der beiden Vorwochen waren es jeweils rund 75.000. In allen 16 Bundesländern ist mittlerweile jeder zweite Einwohner vollständig geimpft. Bundesweit sind 57,8 Prozent der Bevölkerung - 48,1 Millionen Menschen - vollständig geimpft, 63,5 Prozent der Bevölkerung (52,8 Millionen Menschen) haben nach den RKI-Daten eine erste Impfdosis erhalten.

mit dpa/fj

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