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Falsches "Four Seasons": Gärtnerei nutzt Panne von Trumps Wahlkampfteam aus

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Donald Trumps Wahlkampfteam ist vermutlich ein Fehler unterlaufen: Statt eines Nobel-Hotels wurde als Ort für eine Pressekonferenz die Gärtnerei “Four Seasons Total Landscaping” gewählt. Die nutzt den Hype jetzt clever aus.

Der ehemalige Bürgermeister New Yorks, Rudy Giuliani, spricht als Unterstützer Donald Trumps in Hinterhof der Landschaftsgärtnerei "Four Seasons" in Philadelphia. (Bild: Reuters/Mark Makela)
Der ehemalige Bürgermeister New Yorks, Rudy Giuliani, spricht als Unterstützer Donald Trumps in Hinterhof der Landschaftsgärtnerei "Four Seasons" in Philadelphia. (Bild: Reuters/Mark Makela)

Die wunderliche Geschichte begann damit, dass Donald Trump am Samstag für 11.30 Uhr eine Pressekonferenz in Philadelphia ankündigte. Als Ort nannte er dafür das “Four Seasons” – wenig verwunderlich, dass die meisten Menschen davon ausgingen, dass es sich dabei um das Nobel-Hotel im Zentrum der Stadt handeln sollte.

Der Hinterhof des "Four Seasons", wenn dort nicht gerade eine präsidiale Pressekonferenz stattfindet (Bild: Reuters/Bastiaan Slabbers)
Der Hinterhof des "Four Seasons", wenn dort nicht gerade eine präsidiale Pressekonferenz stattfindet (Bild: Reuters/Bastiaan Slabbers)

Doch wenig später löschte Trump seinen Tweet und veröffentlichte stattdessen eine neue Version: Ort der Veranstaltung sollte demnach “Four Seasons Total Landscaping” sein. Dabei handelte es sich aber nicht um ein Hotel, sondern um eine Landschaftsgärtnerei – inmitten eines Industriegebiets in Philadelphia.

Keine präsidiale Kulisse

Weder war die Gärtnerei zu dem Zeitpunkt auf den Termin vorbereitet, noch boten ihr karger Hinterhof und Lieferbereich eine entsprechende Kulisse für die Veranstaltung. Weshalb die Vermutung nahelag, dass sich bei Trumps Wahlkampf-Team ein Fehler eingeschlichen hatte und statt des unweit entfernten Hotels versehentlich die Gärtnerei gebucht wurde.

Um neu zu planen, war es wohl zu spät. Vielleicht wollte auch niemand den Fehler eingestehen, denn am Ende zogen Trump und sein Team den Termin durch. Trumps Anwalt Rudy Giuliani gab sein Statement letzten Endes in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Krematorium und einem Dildoshop ab.

Schnell einen Online-Shop aufgebaut

Der Geschäftsführer der Gärtnerei, Sean Middleton, wurde in zahlreichen Medien dazu wie folgt zitiert: „Ich habe keinen Schimmer, was Trumps Wahlkampf-Team hier wollte. Ich weiß auch nicht, wie diese Regierung arbeitet. Vielleicht hat sie auf einem Satelliten-Bild unseren großen Hinterhof gesehen und die gute Anbindung an die Bundesstraße 95.“

Die Washington Post ordnete die symbolträchtige Veranstaltung im Kontext der mittlerweile offiziellen Wahlniederlage Trumps mit folgender Überschrift ein: “Alles begann in einem goldenen Aufzug. Und könnte bei der Four Season Total Landscaping-Gärtnerei enden.”

Make America Rake Again

Neben viel Spott für Trump und sein Team hat die Geschichte aber auch eine Gewinnerin hervorgebracht: die Gärtnerei. Die wurde schnell zum viralen Hit auf Twitter, hat dort zwischenzeitlich knapp 10.000 Fans, und bietet sogar Merchandise in einem eigens eingerichteten Online-Shop an.

Da gibt es beispielsweise Schutzmasken (zehn US-Dollar) und Sticker (fünf US-Dollar) mit der Aufschrift “Lawn and Order” zu kaufen. Übersetzt heißt das “Rasen und Ordnung”und ist eine Anspielung auf Trumps Wahlkampfmotto “Law and Order” (“Recht und Ordnung”). Dazu steht außerdem “Make America Rake Again” (“Amerika sollte wieder mehr harken”).

Zu der ohnehin großen Aufmerksamkeit bekam die Gärtnerei auch noch Gratis-Werbung: Der britische Comedian Michael Spicer veröffentlichte auf Twitter einen zwischenzeitlich millionenfach geklickten Werbe-Clip.

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