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Fallende Preise nach nur einer Stunde, doch der Ansturm blieb aus: Vor Ort bei einer Berliner Tankstelle, die den Tankrabatt einführte

Noch sind die Preise hoch, sie werden aber bald fallen.
Noch sind die Preise hoch, sie werden aber bald fallen.

Um die zehn Grad hat es, als wir bei der Tankstelle der Marke Sprint in der Ruhlebener Straße in Berlin ankommen. Es ist 6.10 Uhr, vor zehn Minuten hat die Tankstelle ihre Türen für die Kunden geöffnet. Draußen ist es ruhig, auf der vierspurigen Straße ist noch nicht viel los. In den Bäumen, die die Spuren voneinander trennen, zwitschern die Vögel.

Und dennoch fahren die ersten Kunden von der Ruhlebener Straße ab, auf das große Areal der Tankstelle, auf dem sich neben sechs klassischen Zapfsäulen auch zwei Erdgas-Säulen, Luft- und Staubsauger, eine Waschanlage und Selbstwaschstationen befinden. Sie tanken, kaufen sich Frühstück und reden kurz miteinander, bevor es weitergeht.

Alles wie immer könnte man also meinen. Doch der heutige erste Juni hat durch die Berichterstattung, die auch wir bei Business Insider aufgegriffen haben, hohe Erwartungen geweckt. Deutschlandweit wird der Tankrabatt eingeführt, der Benzin um rund 30 Cent pro Liter und Diesel um rund 14 Cent je Liter vergünstigen soll, nachdem die Preise in den vergangenen Monaten auf Rekordwerte geklettert waren. Für viele Pendler und Unternehmer eine langersehnte Entlastung.

"Dit interessiert nur meinen Chef"

Doch von diesen vergünstigten Preisen ist an der Sprint-Tankstelle vorerst nichts zu sehen. Kurz nach sechs steht der Diesel bei 1,99 Euro, Super E10 bei 2,17 Euro und Super bei 2,23 Euro. Die erhoffte Vergünstigung ist noch nicht Realität geworden. So auch bei einem Kunden, der um 6.20 Uhr die Zapfpistole in seinen Tank steckt. Die Säule beginnt zu rattern, der Sprit fließt in den Tank. Ob wir ihm Fragen zum Tankrabatt stellen können? Na klar, das sei kein Problem. Gerade tanke er das Firmenauto voll, da kümmere er sich weniger um den Preis. "Dit interessiert nur meinen Chef", sagt er im Berliner Dialekt und lacht dabei.

Bei seinem privaten Auto, das er mit Super tankt, sieht das schon anders aus. "Ehrlich gesagt habe ich schon gehofft, zu sparen", sagt er. Und schließt nahtlos an: "Ich verstehe es auch einfach nicht. Der Staat subventioniert doch sowieso".

Anders sieht es bei Roland Lücker aus, der einen alten Mercedes fährt. Er tankt, weil er eine längere Fahrt vor sich hat. Seine Mutter feiert heute Geburtstag und dafür muss er nach Brandenburg an der Havel, rund eine Stunde von Berlin entfernt. Er sei nicht in der Hoffnung auf einen Rabatt zur Tankstelle gekommen. Sondern einfach, weil er tanken müsse, sagt er. Auch die Spritpreise hätten ihn in den vergangenen Wochen schon nicht sonderlich belastet, weil er kaum Auto fahre. "Wenn es hochkommt, fahre ich 1.000 bis 2.000 Kilometer im Jahr". Sonst benutze er vor allem das Fahrrad.

Inzwischen ist es 6.30 Uhr, der Berufsverkehr kommt allmählich ins Rollen. Immer mehr Kunden fahren die Zapfsäulen an. Der erwartete Ansturm, vor dem unter anderem der ADAC gewarnt hatte, bleibt jedoch an dieser Tankstelle aus. Sie ist sicherlich gut besucht, nicht aber überrannt. Auch Schlangen entstehen kaum, wenn überhaupt sind nur für wenige Minuten alle Zapfsäulen gleichzeitig besetzt.

Kurz nach 7.00 Uhr waren die Preise stark gefallen

Kurz nach 7.00 Uhr blicken wir ein weiteres Mal auf die Anzeigetafel, die die Preise für Diesel, Super, Super E10, Super Plus und Autogas anzeigt. Und tatsächlich hat sich etwas getan. Der Tankrabatt wirkt. Der Super E 10 Preis ist um genau 30 Cent auf 1,87 Euro gefallen. Super hat sich bei 1,93 Euro eingependelt und Super Plus bei 2,00 Euro. Nur der Diesel vergünstigt sich nicht spürbar. Er steht bei 1,98 Euro und ist damit nur einen Cent günstiger als noch am frühen Morgen.

Eine der Ersten, die von dem neuen Preis profitiert, ist eine 40-jährige Frau, die ihren Namen lieber nicht lesen will. Wenn es schnell gehe, können wir ein paar Fragen stellen. Sie müsse gleich weiter. Das Auto braucht sie in ihrem Alltag, es sind aber immer nur kurze Strecken, die sie damit zurücklegt. Tanken müsse sie rund alle zwei Wochen. Heute war so ein Tag. "Ich habe da nicht sonderlich viel drüber nachgedacht, ich musste einfach tanken". Sie sei ohne Erwartungen an die Tankstelle gefahren, sagt sie. Sonderlich auf den Preis achten muss sie auch nicht. "Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich den Sprit bezahlen kann, egal ob er höher oder niedriger ist". Aber klar freue sie sich über all das, was sie nicht ausgeben müsse.

Nicht mit dem Rabatt gerechnet

Die Frau läuft in Richtung Kasse, während an der Nebensäule ein schwarzer Mercedes ankommt. Steffen Dorn, 56, steigt aus und fängt an zu tanken. Auch er muss, die Restreichweite beträgt nur noch 50 Kilometer. Und damit würde er nicht auskommen, er hat heute schließlich noch einiges vor: Erst geht es nach Tegel zum Holz holen und anschließend mit dem Auto weiter nach Potsdam. Auch Dorn habe nicht auf einen günstigen Preis spekuliert, aber freue sich dennoch, dass er gesunken ist. Dass die Preise aber in den vergangenen Wochen so stark gestiegen sind, empfinde er als Abzocke. Die Ölkonzerne hätten sich die Taschen vollgemacht. Hinter seinem Mercedes stellt sich ein Müllauto in die Schlange, wir beenden das Gespräch.

An einer anderen Säule fährt derweil ein 32-jähriger Handwerker vor. Er ist selbstständig und benutzt das Auto privat wie auch beruflich. Er war skeptisch, ob die Preise tatsächlich fallen würden. Der Mann hat damit gerechnet, dass auch mit Rabatt die Preise sich noch um die zwei Euro Marke bewegen würden. "Und so ist es jetzt auch. Es wäre angenehm, wenn sie noch weiter fallen würden", sagt er. Immerhin braucht er sein Auto täglich für die Arbeit, fährt rund 60 Kilometer am Tag damit.

Die gestiegenen Spritpreise habe er auch nicht an seine Kunden weitergeben. Im Zuge der sowieso stark gestiegenen Inflation – mittlerweile bei 7,9 Prozent – "wollte ich das meinen Kunden nicht auch noch zumuten". Also hat er die Mehrkosten selbst getragen. Das habe ihn schon belastet, sagt er. Mit dem jetzt für drei Monate eingeführten Tankrabatt dürfte er zumindest teilweise entlastet sein. Wie es danach aber weitergeht, ist fraglich.

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