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Ermittler: Haben genug Beweise für Maddies Tod

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Vor 13 Jahren verschwand Madeleine McCann in Portugal spurlos. Neuerdings gehen die Ermittler davon aus, dass das britische Mädchen tot ist. Nun spricht Staatsanwalt Hans Christian Wolters in einem Interview von "stichhaltigen Beweisen" dafür, dass Maddie ermordet wurde und der Deutsche Christian B. der Täter ist.

Die kleine Maddie verschwand am 3. Mai 2007 spurlos aus einem Ferienort in Portugal. (Bild: ddp images/Planet Photos)

Im Fall der vermissten Madeleine McCann erhärtet sich der Verdacht, dass das britische Mädchen tot ist. Das bekräftigte der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters in einem Interview. Hauptverdächtiger ist nach wie vor der Deutsche Christian B., der derzeit wegen Drogenhandels eine Haftstrafe verbüßt.

"Wir haben stichhaltige Beweise dafür, dass Madeleine McCann tot ist und dass unser Verdächtige sie getötet hat", sagte Wolters in einem Interview mit der Fernsehsendung "60 Minutes" des australischen Senders 9News. Die Ermittler hätten zwar keine Leiche oder Leichenteile, führt der Anwalt aus. Sie hätten aber genug Beweise dafür dass der Verdächtige das Mädchen ermordet habe.

Fall Maddie: Verteidiger des Verdächtigen kritisiert Vorverurteilung

Die Aussage lässt vermuten, dass die Ermittler offenbar Fortschritte im Fall Maddie gemacht haben. Schon vor rund zwei Wochen hatte Wolters davon gesprochen, dass man "belastbare Indizien" dafür habe, dass das Mädchen getötet wurde". Und: Es gebe Beweise, die aber nicht forensisch seien. Es fehlt also noch immer die Leiche. Um welche Indizien und Beweise es sich handelt, verriet Wolters weder in früheren Interviews noch in dem aktuellen mit "60 Minutes".

Überraschende Enthüllung Anfang Juni

Das Bundeskriminalamt und die Staatsanwalt hatten Anfang Juni überraschend bekanntgeben, dass es im Fall der vermissten Madeleine McCann einen Tatverdächtigen gebe. Das dreijährige Mädchen war am 3. Mai 2007 aus einer Ferienanlage in Praia da Luz an der Südküste Portugals spurlos verschwunden. Das Mädchen mutmaßlich entführt und ermordet haben soll der 43-Jährige Deutsche Christian B.

Der Verdacht der Ermittler gründet auch auf der Erkenntnis, dass der wegen Sexualstraftaten vorbestrafte B. sich zur Zeit von Maddies Entführung in der Nähe von Praia da Luz aufgehalten hat. Die Ermittler fanden auch heraus, dass sein Handy im Umkreis des Ferienorts eingeloggt war und er am Abend der Entführung ein Telefonat führte. Außerdem meldete B. am selben Tag sein Auto auf eine andere Person um. Kurz nach der mutmaßlichen Entführung reiste er nach Deutschland ab.

Im Fall Maddie hatte das Bundeskriminalamt in den vergangenen Jahren eng mit der Metropolitan Police (Großbritannien) und der Polícia Judiciária (Portugal) zusammengearbeitet. Die Ermittlung findet im Auftrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig statt. Diese ist deshalb mit dem Fall befasst, da der Beschuldigte vor seinem Auslandsaufenthalt in deren Bezirk seinen letzten Wohnsitz hatte.

Der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters spricht in einem von "stichhaltigen Beweisen" im Fall Maddie. (Bild: ddp/News Licensing )

Im Jahr 2013 ist der Braunschweiger Polizei jedoch ein Ermittlungsfehler unterlaufen. Wie der Spiegel Mitte Juni meldete, wurde der Tatverdächtige B. in einem Schreiben zu früh darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Polizei gegen ihn ermittle. Dieser hätte danach reichlich Zeit gehabt, eventuelle Spuren zu beseitigen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Experten.

Bringen gefundene Bilder und Videos den Durchbruch?

Einen Meilenstein des Fall markiert das Jahr 2017. Angeblich soll Christian B. in diesem Jahr in betrunkenem Zustand einem Freund gestanden haben, das vermisste Mädchen entführt zu haben.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen fanden die Ermittler in einer verlassenen Fabrik, die B. gehören soll, Video- und Bildmaterial, die angeblich im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbrechen des Verdächtigen stehen. Auf einem Grundstück B.s stießen sie außerdem auf eine Plastiktüte, die dort zusammen mit dessen totem Hund vergraben war. Sie enthielt Festplatten und USB-Sticks.

Stehen diese Funde im Zusammenhang mit Maddie und handelt es sich dabei um die eingangs erwähnten "stichhaltigen Beweise"? Staatsanwalt Wolters sprach mit "60 Minutes" auch von diesen Ermittlungserfolgen. Ob sie einen Durchbruch markieren oder falsche Fährten sind, verriet er allerdings nicht. Er dürfe im Moment nicht sagen, "ob es von Maddie Bilder gibt oder ob es keine Bilder gibt", so der Staatsanwalt.

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Dafür sprach er von möglichen anderen Opfern, die mit dem Verdächtigen in Verbindung stehen könnten. Es gebe weitere Untersuchungen in ganz Deutschland. "In jedem Fall werden die Staatsanwälte prüfen, ob unser Verdächtiger der Verdächtige in dem anderen Fall ist", so Wolters. Dass es sich bei B. um einen Serientäter handeln könnte, das wisse er nicht und darüber könne er nicht urteilen.

Ob die neuen Erkenntnisse für einen Haftbefehl und eine Anklage reichen, ist nicht bekannt. B. sitzt derzeit wegen Rauschgifthandels im Gefängnis. Die Zeit drängt, die Haftstrafe dauert bis 2021. Medienberichten zufolge befinden gerade der Bundesgerichtshof und der Europäische Gerichtshof über eine zusätzliche Haftstrafe von sieben Jahren wegen Vergewaltigung.

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