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Mit Fahrrad in der Bahn für neun Euro an die Ostsee? Ein Bahnchef warnt: Wird doch nicht so einfach

Für neun Euro pro Monat können ÖPNV-Nutzer bald die Regional-Angebote in ganz Deutschland befahren.
Für neun Euro pro Monat können ÖPNV-Nutzer bald die Regional-Angebote in ganz Deutschland befahren.

Für das Neun-Euro-Ticket scheint in etwa der Satz „einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul“ zu gelten, das machen alle Verantwortlichen in Hintergrundgesprächen klar. Auch wenn neun Euro natürlich kein Nulltarif sind, aber zum Verkaufsstart des Billigtickets macht Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender der DB Regio, klar, dass Reisende mit Einschränkungen rechnen müssen. Das kommt laut Bahnexperte auf euch zu:

  • Fahrräder: In den vergangenen Wochen war über die Fahrradmitnahme bereits viel gestritten worden. Wenn es eng wird in den Zügen, hatte unter anderem der Fahrgastverband „Pro Bahn“ gefordert, die Mitnahme von Rädern zu verbieten. Für Radreisende sieht auch Regio-Chef Sandvoß schwarz: „Wir können nicht immer garantieren, dass wir alle Fahrräder, die am Bahnsteig stehen, mitnehmen können.“ Er wies darauf hin, dass das Neun-Euro-Ticket ein Personenticket ist und Räder im Konzept eigentlich nicht vorgesehen seien. Auch wenn die Radmitnahme im Zug in manchen Regionen in Deutschland inkludiert ist, kann es im nächsten Verbund wieder anders aussehen. „Bei verbundübergreifenden Fahrten muss gegebenenfalls eine Extrakarte für das Fahrrad gekauft werden.“

  • Auslastung: Wie der Chef des Regionalverkehrs mitteilte, ist die DB Regio Gesellschaft mit 7000 Zügen und 10.000 Bussen, die täglich unterwegs sind, bereits am Osterwochenende wieder bei 90 Prozent der Auslastung aus den Vor-Corona-Jahren angekommen. Zudem vermeldet die Bahn, dass allein am Vormittag des Verkaufsstarts über 200.000 Sonderfahrscheine verkauft wurden. Am Morgen war die Internetseite der Deutschen Bahn aufgrund der hohen Nachfrage immer wieder überlastet. Der Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) meldete am vergangenen Samstag, dass im Hamburger Verkehrsverbund bereits 34.000 Fahrscheine verkauft wurden. Es ist also davon auszugehen, dass deutlich mehr Fahrgäste in den kommenden Monaten in Züge, U-Bahn und Busse einsteigen. Eine Prognose gibt Regiochef Sandvoß nicht ab: „Wir haben keinen blassen Schimmer und sind selbst sehr gespannt, wie viele Leute das Angebot nutzen.“

  • Mehr Fahrzeuge: Unabhängig davon, wie groß die Nachfrage letztendlich wird, verspricht der DB-Regio-Chef, dass „ab 1. Juni alles rollt, was wir an Bussen, Zügen und Personal haben“. Aus einer Reserve, die eigentlich aus Wartungsgründen einbehalten wird, kommen 50 zusätzliche Züge, außerdem soll viermal so viel Personal wie im vergangenen Sommer im Einsatz sein. Allerdings: „Wir können keine Züge backen“, sagt Sandvoß, das heißt: noch mehr Abteile und Triebwagen wird es nicht geben. Die Fahrpläne mit den Zusatzzügen werden in den nächsten Tagen veröffentlicht.

  • Baustellen: Traditionell ist die Hauptreisezeit im Sommer Baustellenzeit bei der Bahn. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein, sagt Sandvoß: „Wir haben ein ganz großes Bauprogramm, das langfristig geplant wurde.“ Es sei nicht möglich, die für den Sommer geplanten Baustellen einzustellen. Es werde deshalb zu Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg im Nahverkehr kommen und dieser werde sich auch auf den Fernverkehr auswirken, sagte der Bahnexperte: „Wir werden eine schlechtere Pünktlichkeit fahren als ohne die Sonderaktion“, warnte der Regiochef vor.

  • Personal: Wenn mehr Züge auf den Strecken in Deutschland unterwegs sind, braucht es auch mehr Mitarbeiter, die diese bedienen. Einen Urlaubsstopp für Bahnangestellte während des Aktionszeitraums im Juni, Juli und Augst gebe es trotzdem nicht, sagte DB-Regio-Chef Sandvoß. Die gut 37.000 Beschäftigten in den Werken und Zügen der DB Regio hätten jedoch herausfordernde Tage vor sich. „Wir werben für zusätzliche Schichten bei unseren Mitarbeitern und greifen für Service- und Sicherheitskräfte auf Fremdfirmen zurück“, sagte Sandvoß.

  • Kontrollen: Die Arbeitskräfte von Fremd- oder Zeitarbeitsfirmen werden vermutlich auch bei den Ticketkontrollen eingesetzt. Denn die wird es trotz der großen Sonderaktion für den Nahverkehr trotzdem geben, machte Sandvoß klar: „Es ist nicht so, dass wir die Kontrollen abschaffen.“ Schließlich habe sich die Politik entschieden, statt eines Nulltarifs neun Euro pro Fahrschein zu verlangen. Die Fahrgelder seien eine „wichtige Einnahmequelle“ für alle Verkehrsbetriebe. Die Kontrolleure werden nach Angaben der DB Regio bereits auf die unterschiedlichen Optiken der bundesweiten Tickets geschult, um diese erkennen und entwerten zu können. Wenn trotzdem mal ein Schwarzfahrer durchrutscht, gehe die Welt nicht unter. „Betrugsverhinderung ist ein wichtiges Thema, aber nicht das Kernthema im Aktionszeitraum“, sagt Sandvoß.

Über die Vorteile spricht Sandvoß allerdings auch mit Begeisterung: Kunden bräuchten nicht mehr nachzudenken, über Verbundgrenzen und verschiedene Tarife, sondern könnten mit einem Ticket in jeden Bus und jede Bahn einsteigen. „Der ÖPNV wird so günstig und einfach, wie er noch nie gewesen ist.“ Besonders das stark föderale, heterogene System mit zig Verkehrsverbünden im ganzen Land sorge häufig für Kopfzerbrechen bei Touristen und Geschäftsleuten. Das Neun-Euro-Ticket sei eine echte Entlastung für Pendler. Denn der Arbeitsweg hin und zurück koste damit nur 50 Cent pro Tag – „so viel wie ein kleiner Joghurtbecher“, sagt Sandvoß.

Mit den Sondertickets können Fahrgäste im jeweils gültigen Monat für neun Euro im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) durch ganz Deutschland fahren. Die Monatskarten sind für Juni, Juli und August buchbar. Die Bundesregierung will Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der starken Inflation mit dem Angebot entlasten und zudem den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen.

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