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„Sie fahren eher ein ‚Smartphone im Flugmodus’ als ein ‚Smartphone on wheels’”: Wie VW seine Manager zu mobilen Online-Diensten im Auto drängt

·Lesedauer: 3 Min.

Lange waren es vor allem PS und Höchstgeschwindigkeit ihrer Autos, über die sich Dienstwagenberechtigten bei VW am Mittagstisch austauschten. Inzwischen aber rücken Bits und Bytes immer schneller in den Vordergrund.

„Mit der ACCELERATE Strategie werden Software-Integration und digitales Erlebnis zur zentralen Kernkompetenz der Marke Volkswagen“, heißt es denn auch in einer aktuellen Mitteilung aus dem Team Geschäftsfahrzeuge des Wolfsburger Kernlabels. Das interne Schreiben liegt Business Insider vor.

Unter den Empfängern der Aussendung an das VW-Management rieben und reiben sich viele verblüfft die Augen. Auslöser ist die ungewohnt „laute“ Tonalität, mit der VWs Dienstwagenfahrer jetzt zu deutlich mehr Engagement beim Aktivieren und Nutzen der mobilen Online-Dienste „Car-Net” und „We Connect” aufgefordert werden.

„Mit diesen Konnektivitätsangeboten hält die Digitalisierung Einzug in Ihren Volkswagen und ermöglicht Ihnen mehr Komfort, Sicherheit und Unterhaltung“, trommelt das Team Geschäftsfahrzeuge. Doch wie Wolfsburger Insider berichten, bleibt die Begeisterung etlicher potenzieller User in den eigenen Reihen hinter den Erwartungen des Herstellers zurück.

Das kann letztlich Herbert Diess schlicht nicht gefallen. Der VW-Konzernchef versucht seinen Mitarbeitern seit Langem einzuhämmern, wie tiefgreifend neben der Transformation zur E-Mobilität die globalen Megatrends Digitalisierung und Konnektivität das Fahrzeuggeschäft noch verändern werden. Diess’ Vorbild auf diesen Sektoren: Tesla, der US-amerikanische Stromer-Bauer von E-Pionier Elon Musk.

Als fast schon anmaßend empfinden manche Geschäftsfahrzeugführer bei VW diese Passage aus dem Rundschreiben: „Umgangssprachlich formuliert: Ohne mobile Online-Dienste fahren Sie eher ein ‚Smartphone im Flugmodus’ als ein ‚Smartphone on wheels’”.

Zumal ein Absatz folgt, der sich wie eine universitäre „Einführung in die Grundlagen der Informatik für Hörer ohne Vorkenntnisse“ liest: „Durch die Verbindung von Ihrem Fahrzeug mit dem Internet sind viele Informationen, wie zum Beispiel die aktuelle Reichweite, über die We Connect App abrufbar, und auch die Echtzeitnavigation im Fahrzeug führt komfortabel zum Ziel“.

Spätestens an dieser Stelle wittern etliche Adressaten als wahre Intention des Schreibens die noch unerfüllte Hoffnung von Diess und VW-Pkw-CEO Ralf Brandstätter auf das ganz große Geschäft mit Daten. Denn je stärker sich Automobile zu Smartphones auf Rädern wandeln, umso lukrativer werden etwa Optionen wie gegen Gebühr zubuchbare Funktionen des Fahrzeugs. Mit auf den jeweiligen User zugeschnittenen Angeboten, die mit der künftigen Datenflut rund um moderne Pkw möglich werden, kann auch VW perspektivisch enorme Erlöse erzielen.

„In den Kernkompetenzen Software-Integration und digitales Erlebnis können wir erfolgreicher werden, wenn wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alltag unsere digitalen Produkte nutzen und erleben“, lassen die Absender der vertraulichen Mitteilung wissen.

Und: „Wir möchten Sie daher motivieren, die mobilen Online-Dienste in Ihrem Geschäftsfahrzeug zu aktivieren und das Konnektivitätsangebot (auch spielerisch aus Kundenperspektive) zu entdecken!“

Es folgen technische Belehrungen: „Voraussetzung ist ein Benutzerkonto – die Volkswagen ID (nicht mit der ID. Familie zu verwechseln) – und die Verknüpfung mit Ihrem Fahrzeug. Dies funktioniert ganz einfach mit Hilfe Ihrer Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) unter www.myvolkswagen.net. Oder mit der kostenlosen We Connect App bzw. der We Connect ID. App (für alle ID. Modelle), erhältlich im Google Play Store und App Store“.

Zum Schluss fordert das Team Geschäftsfahrzeuge ein kräftiges Mehr an Euphorie im Kollegium: „Unsere Begeisterung und kontinuierliche Verbesserung des Produkts haben Volkswagen groß gemacht – genau diese Begeisterung brauchen wir jetzt für die Digitalisierung“.

Ein guter Anfang – und vorbildlich in eigener Sache – wäre gewiss die penible Durchsicht des digitalen Anhangs der Dienstwagen-Depesche. Unter „Vorstand“ der Volkswagen AG wird dort neben Diess und sechs weiteren Mitgliedern des Topgremiums auch noch immer Frank Witter genannt.

Der Vertrag des langjährigen VW-Finanzvorstands läuft zwar noch bis Ende Juni. Witters Ex-Ressort jedoch führt bereits seit Anfang April Nachfolger Arno Antlitz. Der hat als Konzernvorstand Anspruch auf mehrere Dienstwagen gleichzeitig. Sein Name allerdings ist dem Team Geschäftsfahrzeuge augenscheinlich noch nicht recht geläufig - Arno Antlitz fehlt in der Aufzählung der Konzernvorstände.

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