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Dax schließt nach Auf und Ab im Plus – Zalando-Aktie ist der größte Gewinner

Das deutsche Börsenbarometer findet nur schwer eine Richtung, rettet sich zum Handelsende aber ins Plus. Doch ein Blick in die Historie lässt Schlimmes befürchten.

Blick auf die Aktienhändler, die auf dem Parkett der deutschen Börse in Frankfurt sitzen. Foto: dpa

Anleger tun sich offensichtlich schwer, die Zinssenkung der US-Notenbank Fed einzuordnen. Nach einem schwachen Auftakt mit minus 0,5 Prozent und einem anschließenden Anstieg von 120 Punkten drehte der deutsche Leitindex wieder ins Minus. Doch zum Handelsschluss lag der Dax 0,5 Prozent im Plus bei 12.253 Zählern. Das war gleichzeitig der Tageshöchststand.

Die Fed hatte den Leitzins zwar um 0,25 Prozentpunkte gesenkt, doch Markteilnehmer sind sich uneins, ob die US-Zentralbank damit geliefert hat oder nicht. Immerhin hatten rund 25 Prozent der Investoren am Dienstag noch eine doppelt so hohe Absenkung erwartet. Zudem signalisierte Fed-Chef Jerome Powell, dass der Zinsschritt nicht als Start eines Senkungszyklus missverstanden werden solle, sondern eher als Adjustierung zu sehen sei.

„Der Markt hatte auch mit Blick auf den zuletzt äußerst schwachen Stimmungsindikator der Chicago-Fed auf eine entschiedenere geldpolitische Reaktion gesetzt“, schreibt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege bei der Deutschen Bank. „Ich befürchte, dass uns eine Zeit höherer Kursschwankungen bevorsteht.“

Am Mittwoch war der Dax zwar mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent bei 12.189 Punkten aus dem Handel gegangen, damit schloss er den Juli aber mit einem leichten Kursminus ab. Nach dem Mai ist das erst der zweite Verlustmonat in diesem Jahr.

Auf Jahressicht besteht zwar noch ein Plus von 15 Prozent, aber der Charttechnik zufolge könnte es in den kommenden Monaten noch zu weiteren Kursverlusten kommen. „Es könnte zäh werden im Dax, auch weil jetzt eine saisonal schwache Jahreszeit beginnt“, meint Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Eine deutliche Korrektur wäre in den Monaten August und September nichts Ungewöhnliches, wie eine Auswertung der britischen Bank HSBC zeigt: Seit der Jahrtausendwende mussten Investoren in diesen Monaten durchschnittlich Abschläge von gut drei Prozent hinnehmen.

Zwar überwiegen in diesem Zeitraum die positiven Jahre gegenüber den negativen mit elf zu acht. Aber das größte Plus fällt mit 8,5 Prozent deutlich schmaler aus als der größte Verlust mit Minus 27,3 Prozent. „Mit anderen Worten: Wenn es aktuell tatsächlich regnen sollte, dann besteht gleich die Gefahr eines ordentlichen Wolkenbruchs“, schreiben die Experten von HSBC.

Trotz des Kursrutsches von mehr als 250 Punkten am Dienstag dieser Woche präsentiert sich der Dax für den Sentimentexperten Joachim Goldberg stabiler als manche vermutet hatten. Auch der Pessimismus der institutionellen Investoren sei nicht auffallend hoch, meint Goldberg nach Auswertung der Umfrage zur Anlegerstimmung im Auftrag der Börse Frankfurt.

Seine Schlussfolgerung: Der deutsche Leitindex dürfte wieder auf höhere Nachfrage stoßen – jedoch erst leicht unterhalb der 12.000er-Marke.

Bei den Währungen gab es an diesem Donnerstag auch ordentlich Bewegung: Das Pfund Sterling ging weiter auf Talfahrt und fiel an diesem Handelstag kurzzeitig unter die Marke von 1,21 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit 31 Monaten.

Ein Teil dieser Bewegung ist Börsianern zufolge auf die Stärke des Dollars zurückzuführen. Schließlich hatte die Fed ja Hoffnungen auf eine Serie von Zinssenkungen gedämpft. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg daraufhin auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 98,932 Punkten.

Die Bank von England (BoE) sei derweil zum Zuschauen verdammt, sagte David Lamb, Chef-Händler des Finanzdienstleisters Fexco. Die Zentralbank müsste wegen der schwächelnden Konjunktur die Zinsen senken, doch dann drohe wegen der Pfund-Schwäche vor dem Hintergrund eines möglichen ungeordneten Brexit ein weiterer Anstieg der Inflation.

Bei der ersten geldpolitischen Sitzung nach Ernennung des Brexit-Hardliners Boris Johnson zum britischen Premierminister tastete die Notenbank ihren Schlüsselsatz nicht an. Sie schraubte aber ihre Wachstumsprognose zurück.

Zudem ist die Berichtssaison in vollem Gang (Hier finden Sie die aktuellen Geschäftszahlen im Überblick).

Einzelwerte im Überblick

Siemens: In Deutschland öffnete unter anderem Schwergewicht Siemens seine Bücher. Im dritten Geschäftsquartal sank der Gewinn des Konzerns netto leicht von 1,1 auf 1,0 Milliarden Euro. Der Technologiekonzern zeigte sich angesichts weltweiter Risiken für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 aber etwas pessimistischer. Die Aktien von Siemens rutschten vier Prozent ab.

Zalando: Europas größter Online-Modehändler hat es erstmals seit längerem geschafft, dass der Wert der Schuhe und Kleidung pro Einkauf nicht weiter gesunken ist. Im zweiten Quartal kauften Kunden pro Bestellung für 56,90 Euro ein. Die Nachricht kam bei den Anlegern gut an: Die Zalando-Aktie legte 13 Prozent zu

Deutz: Mit einem Umsatz- und Gewinnanstieg im Halbjahr kann Deutz nicht überzeugen. Die Aktien des Motorenbauers fielen am Donnerstag um bis zu elf Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 5,61 Euro. Zum Handelsende hatte sich die Aktie wieder etwas erholt, das Minus beträgt zum Schluss noch 6,8 Prozent.

Wacker Chemie: Vom Rückgang des operativen Gewinns und einem zurückhaltenden Ausblick bei Wacker Chemie lassen sich Anleger nicht beirren. Die Aktien des Spezialchemiekonzerns stiegen am Donnerstag um bis zu 6,1 Prozent auf 71,60 Euro.

Unterhaching: Ein Spielball für Zocker ist offenbar die Aktie des Fußball-Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching. Am dritten Tag nach dem womöglich ungewöhnlichsten Börsengang des Jahres verliert die Aktie mehr als 22 Prozent. Zum Schluss betrug das Minus noch 16 Prozent, was einem Kurs von 12,30 Euro entspricht. Am gestrigen Handelstag stieg das Papier noch bis zu 37 Prozent auf 14,20 Euro. Bereits beim Börsenstart am Dienstag hatten die Papiere den Handel mit einem Kursplus von annähernd 30 Prozent beendet. Mit dem Erlös aus dem IPO will der Verein innerhalb von drei Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga aufsteigen.

Was die Charttechnik sagt

Der deutliche Kursrutsch am vergangenen Dienstag hat laut den Charttechnikern der Düsseldorfer HSBC ein kalkulatorisches Abschlagspotenzial von etwa 400 Punkten zur Konsequenz. Das würde bedeuten, dass der Dax bis auf 11.800 beziehungsweise 11.750 Punkte fallen könnte. Das sei nach Ansicht der HSBC-Experten eine Schlüsselzone, die unbedingt verteidigt werden müsste.

Knapp darunter stehen mit der 200-Tages-Linie, die derezit bei 11.634 Punkten liegt, und mit dem jüngsten Verlaufstief bei 11.621 Punkten von Anfang Juni weitere wichtige Haltezonen zur Verfügung.

Kurzfristige Verbesserung der Lage nur, wenn der deutsche Leitindex über 12.260 Zähler klettert.

Analystencheck: UBS Kursziel hält an Heidelberg Cement fest

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Heidelberg Cement auf „kaufen“ mit einem Kursziel von 75 Euro belassen. Das zweite Quartal sei schwächer ausgefallen als erwartet, sagte Analyst Gregor Kuglitsch.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe nur moderat zugelegt. Regional gab es Unterschiede: In Nordamerika fiel das Ebitda wegen des Wetters, in West- und Südeuropa stieg es dank höherer Preise.

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