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Fünf Themen des Tages: Rubel stürzt ab, BP schreibt ab, EZB

(Bloomberg) -- Rubel stürzt ab, BP schreibt ab, europäische Aktien brechen ein, Markt bezweifelt EZB-Straffungswillen, und Chinesen äußern Kritik an Haltung zu Russland. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Rubel stürzt ab

Der Rubel ist an der Moskauer Börse um 22% abgesackt. Unterdessen hat die russische Notenbank den Leitzins mehr als verdoppelt auf 20%. Für Wertpapiere ausländischer Investoren wurde bei Brokern ein temporärer Verkaufsstopp angekündigt. Mit dem Ausschluss einiger russischer Kreditinstitute aus dem Swift-Zahlungsnetzwerk drohen im globalen Bankensystem Verwerfungen. Deren Unfähigkeit, Zahlungen zu leisten, gleiche der ”Unfähigkeit von Lehman, Zahlungen zu leisten, weil ihre Clearingbank nicht bereit war, Zahlungen in ihrem Namen zu senden, so Credit-Suisse-Stratege Zoltan Pozsar. In der Nähe des Flusses Pripjat an der Grenze zu Belarus haben ukrainisch-russische Gespräche über einen Waffenstillstand begonnen. Das Tempo der russischen Offensive soll sich unterdessen verringert haben.

BP schreibt ab

BP hat sich im Zuge der Kampagne zur Isolierung der russischen Wirtschaft von seinen Rosneft-Aktien getrennt und könnte eine Abschreibung von bis zu 25 Milliarden Dollar buchen müssen. Der Schritt des seit drei Jahrzehnten in Russland tätigen britischen Unternehmens kam überraschend. Grund ist wohl der Druck der britischen Regierung. Equinor ASA, der zu 67% in Staatsbesitz befindliche und größte norwegische Energiekonzern, will es BP gleichtun und erklärte, dies werde sich auf den Buchwert seiner Vermögenswerte in dem Land auswirken und zu Wertminderungen führen. Die verschärften Sanktionen gegen Russland haben die Aktienkurse von Firmen, die in dem Land engagiert sind, abstürzen lassen. Hart traf es etwa Polymetal International, Eurasia Mining, Nokian Renkaat, Ferronordic und Raiffeisen Bank.

Europäische Aktien brechen ein

Die europäischen Aktien fielen zu Wochenbeginn, nachdem der Westen härtere Sanktionen gegen Russland verhängt hatte. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag erholt von seinen Tagestiefs rund 1,3% im Minus. “Ich glaube nicht, dass die Märkte eine Ahnung von der Risikoexplosion haben, die hier stattfindet”, sagte Keith Temperton von Forte Securities. “Man kann Russland nicht einfach ausschalten und keine Rückwirkungen auf die Wirtschaft und die Märkte erwarten. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf Europa minimal sein werden, wenn man vom Energiesektor absieht, aber Energie ist natürlich ein großes Thema. Keine Energie, keine Wirtschaft”. In Deutschland fielen unter den Bankaktien Deutsche Bank und Commerzbank. Rüstungsaktien wie Rheinmetall und Hensoldt stiegen. Deutsche Lufthansa gehörten zu den Verlierern bei den Fluggesellschaften.

Markt bezweifelt EZB-Straffungswillen

Rentenhändler verlieren ihre Überzeugung, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr rasch anheben wird, schreibt Ven Ram im Markets Live Blog. Indexierte Overnight-Swaps seien während des Vormittags noch volatiler als sonst gewesen. Angesichts der Turbulenzen an den Märkten dürfte die EZB seiner Auffassung nach noch zögerlicher mit einer Zinserhöhung sein, vor allem im Falle eines längeren Konflikts. Dies zeige auch das vordere Ende der deutschen Kurve, wo die zweijährige Rendite seit Anfang des Monats um etwa 20 Basispunkte zurückgegangen ist. Bloomberg Intelligence hält es hingegen für eine riskante Wette, darauf zu setzen, dass die EZB mit einer Verlängerung von QE noch mehr Öl ins Feuer der Inflation gießt.

Chinesen äußern Kritik an Haltung zu Russland

Während China sich mit öffentlicher Kritik am russischen Einmarsch in die Ukraine zurückhält, läuft in den sozialen Medien Chinas eine eher seltene Debatte über die Militäraktion. Bilder von weltweiten Anti-Kriegs-Protesten - auch in Russland - kursierten am Wochenende auf Chinas Twitter-ähnlichem Weibo. Peking tut sich schwer damit, seine Unterstützung für Moskau und gleichzeitig die Verteidigung der Souveränität der Ukraine zu erklären. Das Augenmerk richtet sich auf Chinas Zentralbank, die Russland helfen könnte, falls Peking beschließt, bei der finanziellen Isolierung des Aggressors nicht mitzumachen. Die People’s Bank of China hat einen milliardenschweren Währungsswap mit der russischen Zentralbank abgeschlossen, der es den beiden Ländern ermöglicht, Unternehmen Liquidität zur Verfügung zu stellen. China hat außerdem russische Banken in sein eigenes Zahlungsabwicklungssystem aufgenommen, das als Alternative zum Swift System gilt. Die Haltung der PBOC ist indessen unklar.

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