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Fünf Themen des Tages: Rocket-Delisting, Gasflaute, City-Sorgen

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(Bloomberg) -- Rocket kommt mit Delisting voran, Gaslieferung auf Null, europäische Aktien steigen, türkische Lira fährt Achterbahn, und Gefahren für die City of London. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Rocket kommt mit Delisting voran

Die Internet-Startup-Schmiede Rocket Internet hat endlich einen Schlüsselinvestor für ihr Vorhaben gewonnen, sich selbst von der Börse zu nehmen. Rocket erwägt ein öffentliches Aktienrückerwerbsangebot für bis zu 27,7 Mio Stück zu je 35 Euro in bar - fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die Struktur des Angebots hat den Effekt, dass der aktivistischen Investor Elliott Investment Management herausgekauft wird. Elliott hatte sich im Dezember letzten Jahres mit 15,1% an Rocket beteiligt, nachdem die Samwer-Brüder und Rocket-Gründer im September 2020 beschlossen hatten, das Unternehmen mit einem Angebot von 18,57 Euro pro Aktie zu privatisieren. Die nur noch in Hamburg notierten Aktien stiegen am Dienstag um bis zu 30% und damit auf den Angebotspreis von 35 Euro, was einem Börsenwert von etwa 4,7 Milliarden Euro entspricht.

Gaslieferung auf Null

Während Berlin und nördlichere Gefilde auf weiße Weihnachten hoffen dürfen bei Temperaturen knapp über Null Grad, wird Energie knapp und die Preise steigen. Die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Wochen gesunken, der europäische Benchmark-Strompreis stieg auf einen Rekordwert von 269 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig kletterten die europäischen Gaspreise um mehr als 10% auf einen Rekordwert, nachdem die russischen Gaslieferungen an die deutsche Verdichterstation Mallnow auf Null gefallen waren und Gas dann in umgekehrter Richtung von Deutschland nach Polen strömte. Europa ist gezwungen, weiterhin in großem Umfang Gas aus bereits dezimierten Speichern zu entnehmen.

Europäische Aktien steigen

Optimismus, dass die Risiken der Omikron-Variante überwunden werden können, hat europäischen Aktien eine Erholung vom stärksten Rückgang seit drei Wochen beschert. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um 0,9% im Plus, wobei Bergbau- und Energiewerte die Gewinne anführten im Zuge einer Erholung bei Rohstoffen. “Omikron wird als Ursache für eine Pause in der Erholung angesehen, aber es ist klarer, dass die Variante ansteckender, aber weniger tödlich ist”, sagte Francisco Simon von Santander Asset Management. “Omikron und Hawkishness sind die Haupttreiber der Marktbewegungen zum Jahresende”. In Deutschland gaben Shop Apotheke aufgrund weiterer Verzögerungen bei der Einführung von elektronischen Rezepten nach. Manz profitierten von einem Großauftrag für Lithium-Ionen-Anlagen.

Türkische Lira fährt Achterbahn

Nach einem Anstieg von fast 50% im Wochenverlauf schwankt die türkische Lira am Dienstag heftig. Gestern konnte die Währung den größten Anstieg seit 1983 verbuchen, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogans Regierung Maßnahmen in Aussicht gestellt hatte wie die Einführung eines Programms zum Schutz von Ersparnissen vor Währungsschwankungen. Die Regierung werde Verluste der Inhaber von Lira-Einlagen ausgleichen, falls der Kursverfall gegenüber den Hartwährungen die von den Banken versprochenen Zinssätze übersteigen sollte. Dies sei eine Zinserhöhung durch die Hintertür, die den Staatshaushalt anfälliger für künftige Währungsschocks machen könnte, so Kritiker. Indem die Regierung einen Boden für die Lira eingezogen habe, habe sie die Zinsen inoffiziell erhöht und gleichzeitig den Lira-Haltern die Vorteile vorenthalten.

Gefahren für die City of London

Paris hat sich zum Finanzhandelszentrum Nr. 1 in der EU entwickelt und Giganten wie JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Bank of America haben die Zahl ihrer Mitarbeiter in der Seine-Metropole erhöht. Doch kurz vor dem ersten Jahrestag des EU-Austritts Großbritanniens ist ein Trend zu beobachten, der für die Londoner City möglicherweise noch bedrohlicher ist. Während Paris den Kampf um lukrative Handelsjobs gewinnt, entwickeln sich an Orte wie Frankfurt, Dublin und Amsterdam eigenständige, spezialisierte Finanzzentren. Und mit der Pandemie ist etwas Tiefgreifendes geschehen, das den Austausch zwischen diesen Zentren erleichtert und den Druck auf die City erhöht, meint Stephane Boujnah, Chef von Euronext. London-Fans verweisen oft auf das einzigartige “Ökosystem”, wo Händler, Clearingstellen und Dealmaker Seite an Seite mit Hedgefonds, Anwälten und allen dazwischen liegenden Berufsgruppen arbeiten. “Nach Covid hat jeder erkannt, dass das Konzept, dass die Leute in derselben Stadt sein müssen, nicht mehr gilt”, sagt Boujnah.

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