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Fünf Themen des Tages: Gottstein vs. Lehmann, Fink vs. Dalio

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(Bloomberg) -- CS-Banker vermissen Horta nicht, nachlassender Schutz gegen Omikron, europäische Aktien fallen, Öl-Markt läuft heiß, und Fink will nicht woke sein. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

CS-Banker vermissen Horta nicht

Gelassenheit lag gestern im Raum, als wenige Stunden nach dem überraschenden Rücktritt des Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsidenten Antonio Horta-Osorio die Mitarbeiter zusammenkamen. Ein halbes Dutzend Teilnehmer an der Betriebsversammlung äußerten anonym Erleichterung darüber, dass CEO Thomas Gottstein - der eine Optimismus vermittelnde Rede gehalten hatte - nach dem Weggang des Portugiesen scheinbar wieder fest im Sattel sitzt. Mit dem ehemaligen UBS-Banker Axel Lehmann als Nachfolger ist nun ein vertrauter Schweizer Banker an Bord. Gottstein habe Horta mit Hilfe von Beziehungen zur Tageszeitung Blick - die über Hortas Quarantäne-Verletzungen berichtet hatte - geschasst, heißt es bei Inside Paradeplatz. Der in die Skandale der Bank verwickelte CEO könnte nun seinerseits von Lehmann vor die Tür gesetzt werden, mutmaßt die Publikation.

Nachlassender Schutz gegen Omikron

Eine vierte Dosis des BioNTech-Impfstoffs reicht laut vorläufigen Daten aus Israel nicht aus, um eine Infektion mit der Omikron-Variante zu verhindern. Die Dosis habe zwar den Antikörperspiegel angehoben, aber nur einen teilweisen Schutz gegen die Virusvariante geboten, so das Sheba Medical Center in Tel Aviv. Die Studienergebnisse sprächen nicht für eine vierte Dosis für die breitere Bevölkerung. Die EU-Gesundheitsbehörde hatte letzte Woche gewarnt, dass häufige Covid-19-Auffrischungsimpfungen die Immunreaktion beeinträchtigen könnten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat unterdessen seine Forderung nach einer Impfpflicht bekräftigt, lehnt ein Impfregister zur Durchsetzung aus Datenschutz-Gründen aber ab. Die Bevölkerung müsse auf eine womöglich deutlich tödlichere nächste Variante vorbereitet sein.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien geben am Dienstag nach, da steigende Staatsanleihenrenditen Teile des Marktes belasteten und Anleger sich auf eine straffere Geldpolitik einstellen. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um 1,2% im Minus, nachdem er zuvor auf den niedrigsten Stand seit einem Monat gefallen war. Technologieaktien führten den Rückzug an. “Wir erwarten eine über den Erwartungen liegende Gewinnsaison mit Spielraum für konstruktive Prognosen für 2022, was die Märkte leicht nach oben treiben könnte”, sagte Manuel Rodriguez von Mapfre AM. “Der Lärm um die Fed dürfte sich in den kommenden Tagen bis zur nächsten Sitzung Ende Januar abschwächen.“ In Deutschland fielen Hugo Boss trotz besserer Zahlen als erwartet vor dem Hintergrund der Omikron-Entwicklung.

Öl-Markt läuft heiß

Brent-Rohöl ist auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen und Goldman Sachs erwartet, dass der Trend anhält. Die Londoner Futures stiegen bis auf 88,13 Dollar je Barrel, ein Niveau, das zuletzt im Oktober 2014 erreicht wurde. Goldman hob seine Prognosen für Brent an und sagt für das dritte Quartal einen Ölpreis von 100 Dollar voraus. Händler zahlen immer höhere Aufschläge, um an Ladungen in Asien zu gelangen. Unterdessen sieht BNEF für 2022 bei Erdgas “erhebliche Risiken für das europäische Gleichgewicht” zwischen Angebot und Nachfrage. Trotz hoher Gaspreise habe Gazprom im Gegensatz zu den Vorjahren keine Lieferungen über seine elektronische Verkaufsplattform angeboten, was auf niedrige Gaslieferungen hindeute - auch um die endgültige Genehmigung für Nord Stream 2 durchzusetzen.

Fink will nicht woke sein

BlackRock-CEO Larry Fink hat sich gegen Kritiker gewandt, die behaupten, grüne Investments seien eine politisch motivierte Modeerscheinung. “Stakeholder-Kapitalismus hat nichts mit Politik zu tun”, schrieb Fink in seinem jährlichen Brief an die CEOs. “Es ist keine soziale oder ideologische Agenda. Es ist nicht ‘woke’”. BlackRock hat den Boom nachhaltiger Investitionen maßgeblich vorangetrieben und mit einem Portfolio-Anteil von 509 Milliarden Dollar im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. “Wir konzentrieren uns auf Nachhaltigkeit, nicht weil wir Umweltschützer sind, sondern weil wir Kapitalisten und Treuhänder für unsere Kunden sind”, so Fink. Der politisch beschlossene Übergang zu einer Netto-Null-Welt werde jedes Unternehmen und jede Branche verändern. “Dankt Gott”, dass die Ölproduzenten eine zuverlässige Versorgung sicherstellen, sagte hingegen Ray Dalio, der mit Blick auf die Inflation vor einer zu schnellen Abkehr von fossilen Brennstoffen warnt. Der Übergang zu einer grünen Wirtschaft müsse “klug” bewerkstelligt werden, eine zu überfrachtete Übergangsphase sei gefährlich, so der Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates.

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