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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Alexander Kell

(Bloomberg) -- Helikopter-Paul, Jamie will kaufen, Winterschlussverkauf (an der Börse), Corona-frei für Piloten, Küssen verboten. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Desinfektion durch Liquidität

Um die wirtschaflichen Belastungen des Coronavirus abzufedern, hat Hongkongs Finanzverwalter Paul Chan ein umgerechnet gut 14 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket vorgestellt, das auch die Idee des so genannten Helikopter-Gelds aufgreift. Jeder erwachsene, ständige Einwohner der chinesischen Sonderverwaltungszone soll 10.000 Hongkong-Dollar (rund 1.180 Euro) erhalten. Dies soll die Konjunktur stimulieren und Hongkong über die Belastungen durch die Virus-Epidemie hinweghelfen. Das Konzept des Helikoper-Gelds stammt aus einer Arbeit des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman von 1969. Der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke griff die Idee im neuen Jahrtausend wieder auf, was ihm bei Spöttern den Namen Helikopter-Ben eintrug. In einem Essay aus dem Jahr 2016 nannte er die Strategie weiterhin an sich wertvoll, da sie auch bei ineffektiver herkömmlicher Geldpolitik und hoher Staatsverschuldung funktioniere.

Aggressiv & kreativ

Nach dem rentabelsten Jahr in der Geschichte des amerikanischen Bankwesens bemühte sich Jamie Dimon die Erwartungen für 2020 zu begrenzen. Es sei mit einem “härteren Jahr” und leicht sinkenden Nettozinsertrag zu rechnen, sagte der Chef von JPMorgan Chase am Dienstag und betonte zugleich, die Wettbewerbsposition der Bank mit Zukäufen stärken zu wollen. JPMorgan schaue sich “aggressiv” nach Übernahmezielen um. Im Fokus: alles, nur keine anderen US-Banken. Dimon nannte Apple, Amazon, Facebook, Google, WeChat und Alipay als Konkurrenten im Zahlungsbereich und fügte an: “In Bezug auf M&A sollten wir da äußerst kreativ sein.”

Börsenrutsch verliert an Schwung

Der Aktienmarkt kennt in dieser Woche im Grunde nur eine Richtung: abwärts. Doch immerhin nimmt das Tempo der Baisse ab. Der Euro Stoxx 50 begrenzte sein Minus im Mittagshandel auf 1%, nachdem er im Tagestief dreimal so stark nachgegeben hatte. Mit der Sorge vor den Coronavirus-Auswirkungen auf die Wirtschaft war der Index am Montag noch 4% abgesackt und hatte damit die größten Verluste seit Mitte 2016 erlitten. Das gestrige Minus belief sich auf 2,1%. Allianz-Berater Mohamed El-Erian warnt davor, die Kursrückgänge bereits als Kaufgelegenheiten zu betrachten. Noch lasse sich nicht überschauen, wann die Ausbreitung des Virus aufhört und sich die wirtschaftliche Aktivität wieder normalisiert. Der beste Zeitpunkt, auf Risiko-Assets zu setzen, werde schon vorher kommen, so El-Erian. Nur wann dies sei, lasse sich schlicht nicht sagen.

Lufthansa gibt Sonderurlaub

Angesichts der finanziellen Belastungen durch das Coronavirus hat die Lufthansa neue Sparmaßnahmen angekündigt. Neueinstellungen sollen überprüft, ausgesetzt oder verschoben werden. Zudem bietet das Unternehmen Mitarbeitern ab sofort unbezahlten Urlaub an; auch eine Ausweitung der tariflichen Teilzeitangebote wird geprüft. Rein rechnerisch halte die Lufthansa zurzeit konzernweit 13 Langstreckenflugzeuge am Boden, hieß es aus Köln. Der Flugverkehr nach Festland-China ruht bei Lufthansa, SWISS und Austrian Airlines bis zum 28. März. Von und nach Hongkong wurden Kapazitätsanpassungen vorgenommen. Weitere Frequenzanpassungen von und nach Frankfurt, München und Zürich sind geplant.

Küssen verboten

Die Ausbreitung des Coronavirus lässt Historiker gleich an das Jahr 1439 denken, in dem Henry VI. die Pest in England mit einem Kuss-Verbot bannen wollte. Nachdem 2019-nCoV in nur zwei Monaten in ein Dutzend Länder vorgedrungen ist und mehr als 2700 Todesopfer gefordert hat, raten Epidemie-Forscher, Körperkontakt zu begrenzen. Amerikaner sollte sich zweimal überlegen, ob sie einander High-Fives geben. Franzosen und Italiener mit ihren Küsschen, Küsschen erst recht. Zur Merkel-Raute verlautete nichts, sie kann bis auf weiteres wohl beibehalten werden. Wie strikt sich jeder einzelne an die Empfehlungen halten will, ist freilich Privatsache. Aber wundern Sie sich nicht, wenn ein Prinzen-Song aus dem Jahr 1992 wieder häufiger im Radio läuft: “Küssen verboten”.

Kontakt Reporter: Alexander Kell in Frankfurt akell@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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