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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- USA räumen Nord-Stream-Niederlage ein, deutsche Stimmung ist besser als erwartet, Europas Aktien halten Gewinne am Vormittag, Trump vor Impeachment im Repräsentantenhaus, und eher “slow deal” als “no deal” für Johnson. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

USA räumen Nord-Stream-Niederlage ein

Die USA haben kaum noch Möglichkeiten, die Fertigstellung der Nord Stream 2-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland zu verhindern, sagten zwei hochrangige US-Regierungsvertreter. Damit räumten sie ein, dass die jahrelangen Bemühungen zur Torpedierung des Projekts, das aus amerikanischer Sicht eine Gefahr für die europäische Sicherheit darstellt, gescheitert sind. Die am Dienstag verabschiedeten Sanktionen im Rahmen des US-Rüstungsetats kämen zu spät, um noch Wirkung zu entfalten, hieß es. Peter Beyer, Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt, sagte gegenüber Bloomberg TV, dass die Sanktionen das Projekt nicht stoppen werden, welches zum Opfer “schlechter politischer Kommunikation” geworden sei. Deutschland sei aber auch an Flüssiggaslieferungen aus den USA interessiert, betonte er.

Deutschlands Wirtschaftsstimmung besser als erwartet

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich zum Jahresende stärker aufgehellt als erwartet. Sowohl die Beurteilung der Lage als auch die Erwartungen verbesserten sich unerwartet stark. “In den deutschen Chefetagen hat sich die Stimmung zu Weihnachten merklich gebessert”, erklärte das ifo Institut am Mittwoch. “Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr”. Die Bondmärkte zeigten sich wenig beeindruckt von dem Anzeichen einer Bodenbildung der Wirtschaft. Die Renditen der Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern zogen direkt nach der Veröffentlichung der Daten etwas an, lagen aber immer noch nahe ihres Vortagsschlusses. Laut BI sprechen die Zahlen für eine “moderate Beschleunigung” des Wachstums im Frühjahr nach einem Einbruch im vierten Quartal.

Europas Aktien halten Gewinne am Vormittag

Europäische Aktien haben am Mittwoch inmitten einer Flut von Unternehmensnachrichten zugelegt. Der Stoxx Europe 600 Index stieg zusammen mit den meisten nationalen Benchmarks der Region - mit Ausnahme des Dax, trotz der verbesserten Geschäftserwartungen. PSA stiegen und Fiat Chrysler waren stabil nach der Nachricht, dass Einigkeit hergestellt wurde, sich zum viertgrößten Automobilhersteller der Welt zusammenzuschließen. In Deutschland stiegen ISRA Vision nach einer Heraufstufung bei Warburg. ADO Properties fielen nach einer Senkung bei Hauck & Aufhäuser. Jungheinrich stürzten nach einem negativen Ausblick ab, auch Wettbewerber Kion wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Trump vor Impeachment im Repräsentantenhaus

Am heutigen Mittwoch ist es so weit: nach einer rund sechsstündigen Debatte, die um 9 Uhr Washingtoner Zeit beginnt, wird das US-Repräsentantenhaus über zwei Anklagepunkte abstimmen, in denen Präsident Trump im Zusammenhang mit seiner Ukraine-Politik Amtsmissbrauch und Behinderung des Kongresses vorgeworfen wird. Die von den Demokraten dominierte Kammer wird damit das Amtsenthebungsverfahren offiziell eröffnen und Trump damit zum dritten US-Präsidenten machen, der sich dem Prozedere stellen muss. Dieser bombardierte Haus-Sprecherin Nancy Pelosi am Dienstag mit einem wütenden, sechsseitigen Brief. Darin prophezeite er, dass die Anklageabstimmung nach hinten losgehen und seine Wiederwahlchancen verbessern würde. Tatsächlich gibt es weiterhin keinerlei Anzeichen dafür, dass die Republikaner im Senat Trump im Januar aus dem Amt befördern werden.

Eher ‘slow deal‘ als ‘no deal‘ für Johnson

Die Finanzmärkte hatten ein böses Erwachen Anfang der Woche, als klar wurde, dass Premierminister Boris Johnson auf die Option einer Verlängerung der Handelsgespräche um ein oder zwei Jahre verzichtet. Johnsons freiwillige Selbstbindung vor einem komplizierten Verhandlungsmarathon mit der EU ist laut Bloomberg-Kolumnistin Therese Raphael ein Signal an wichtige inländische Zielgruppen, dass er den Brexit schnell vollenden will. Allerdings habe er sich mehr Spielraum gelassen, als es auf den ersten Blick erscheinen mag, meint Raphael. In einem ersten Handelsabkommen könnten einige grundlegende Bereiche vereinbart und die Tür offen gelassen werden, später engere Beziehungen auf anderen Gebieten zu knüpfen. Außerdem würden Brexit-Fristen in der Regel verschoben. “Niemand glaubt wirklich, dass die Regierungen der EU und Großbritanniens, wenn sie denn wollen, keinen Weg finden könnten, sich mehr Zeit zu nehmen”, so Raphael.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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