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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- USA geben 2 Billionen Dollar frei, Eurozone kommt bei ESM nicht weiter, Europas Aktien können Gewinne nicht halten, in Deutschland hat Covid-19 die Älteren verschont, und Krisenzeiten sind gute Zeiten für Scharlatane. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

USA geben 2 Billionen Dollar frei

Der US-Senat hat informierten Kreisen zufolge eine Einigung auf ein 2 Billionen Dollar schweres Konjunkturpaket erzielt, das der amerikanischen Wirtschaft über die Corona-Krise hinweghelfen soll. Details wurden noch nicht veröffentlicht, bei den Verhandlungen ging es jedoch um ein Paket, das Milliardenhilfen für Unternehmen, Bundesstaaten und Städte umfasst. Hinzu kommen Schecks für die meisten Amerikaner, Darlehen und Hilfen für kleine Unternehmen zur Absicherung ihrer Belegschaft, eine expansivere Arbeitslosenversicherung sowie Steuerstundungen. Weltweit zeigt sich unterdessen, dass ins Schaufenster gestellte Riesensummen nicht notwendigerweise in den Ladenkassen der betroffenen Unternehmen ankommen.

Eurozone will ESM ins Arsenal nehmen

Die Finanzminister der Eurozone haben am Dienstag einen Trippelschritt in Richtung eines Rettungspakets für die geplagten Mitgliedsstaaten gemacht. Zwar gab es einige Details zur angestrebten Aktivierung des Europäischen Stabilitätsmechanismus, aber keinen Konsens. Es gebe nun “sehr breite Unterstützung” dafür, den Mitgliedsstaaten zu erlauben, bis zu 2% ihres BIP aus dem 410 Milliarden Euro starken ESM abzuzapfen, sagte Eurogruppen-Präsident Mario Centeno. Aber auf spezifischere Elemente dieser Kreditlinien konnten sich die Minister nicht einigen. Die mit den Krediten verbundene Konditionalität ist ein Knackpunkt. Das erhoffte “Signal einzigartiger Solidarität in einer einzigartigen Krise” ist laut Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding ausgeblieben. Unterdessen geht die Bargeldhaltung durch die Decke - in der Vergangenheit ein Indikator für Misstrauen in das Bankensystem.

Europas Aktien können Gewinne nicht halten

Die europäischen Aktien lagen am Mittwochvormittag zunächst im Plus, gaben ihre Gewinne jedoch im Sitzungsverlauf meist wieder ab. Am Dienstag war der Dow Jones um mehr als 11% gestiegen und hatte damit den größten Anstieg seit 1933 verzeichnet, während der S&P 500 den größten Anstieg seit 12 Jahren hinlegte. Jedoch fielen die wichtigsten Indikatoren des verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors in den USA im März so stark wie noch nie zuvor, was zeigt, dass der Ausbruch bereits einen hohen Tribut gefordert hat. Die Zahl der Coronavirus-Infektionen nimmt weltweit weiter zu. “Wir müssen weiterhin zunächst eine Verlangsamung der Virenfälle und einen Höhepunkt in den USA sehen”, sagte Carol Pepper, Geschäftsführerin von Pepper International, gegenüber Bloomberg TV. Im Dax kamen Lufthansa wieder unter die Räder. Gegen den Trend konnten EON zulegen und gehörten zu den Top-Gewinnern. Zooplus fielen aufgrund von Warnungen hinsichtlich der Folgen der Viruskrise. ThyssenKrupp gewannen nach Bekanntgabe weiterer Stellenstreichungen.

In Deutschland hat Covid-19 die Älteren verschont

Während die Zahl der Coronavirus-Todesfälle in weiten Teilen Europas sprunghaft ansteigt, bleibt Deutschland eine Anomalie. Trotz mehr als 25.000 Infektionen, der fünfthäufigsten der Welt, liegt die Sterblichkeitsrate in Deutschland bei nur 0,4%. Im Epizentrum des Virus in Italien hingegen sind etwa 9,5% der Menschen mit bestätigter Infektion gestorben. Ein Hauptgrund: Covid-19 hat die ältesten und schwächsten Mitglieder der deutschen Bevölkerung noch nicht so hart getroffen. In Italien ergibt sich trotz ähnlicher demographischer Gegebenheiten ein ganz anderes Bild. Dort sind 74% der positiv getesteten Personen über 50 Jahre alt, in Deutschland hingegen 82% der Fälle unter 60 Jahren. Die Erkenntnis ist eine Mahnung, ältere Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Der Erfolg der chinesischen Maßnahmen mit der sozialen Isolierung gibt Grund zur Hoffnung.

Krisenzeiten sind gute Zeiten für Scharlatane

Europol hat laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dabei geholfen, eine weltweite Razzia gegen Kriminelle zu führen, die online eine “erschreckende Menge” gefälschter Produkte im Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus anbieten. Mehr als 4,4 Millionen Einheiten illegaler Arzneimittel seien beschlagnahmt, 37 Gruppen der organisierten Kriminalität aufgelöst und 121 Verhaftungen vorgenommen worden. “Die Zahl der gefälschten Medikamente, Desinfektionssprays oder Wundermittel, die online verkauft werden, ist schwindelerregend”, sagte von der Leyen in einer Mitteilung. Etwa 2500 Links auf Websites, sozialen Medien oder Online-Marktplätzen seien bei der Aktion ebenfalls entfernt worden. Verbraucher- und Kartellbehörden nehmen auch Firmen ins Visier, die mit massiven Preiserhöhungen für immer knapper werdende Artikel die Käufer abzocken wollen. In Europa stieg die Zahl der Toten auf 6820 in Italien, 2696 in Spanien und 1100 in Frankreich. In Deutschland ist die Zahl binnen eines Tages von 118 auf 154 gestiegen.

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