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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Italien ist Sperrgebiet, Deutsche Post sieht tagtägliche Verbesserung in China, Europas Aktien auf Erholungskurs, Saudis eskalieren den Ölpreiskrieg, und Deutschlands Antwort auf Coronavirus ist zögerlich. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Italien ist Sperrgebiet

Italien versucht als erster Staat der Welt, die Verbreitung des Coronavirus durch eine landesweite Sperrzone einzudämmen. Die Zahl der Todesopfer durch das Virus - das kurz davor steht, sich zu einer Pandemie zu entwickeln - nähert sich dort 500. “Wir müssen unsere Gewohnheiten sofort ändern”, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Montagabend auf einer Pressekonferenz und trug seinen Landsleuten auf, “zu Hause zu bleiben”. Das Gesundheitssystem des Landes steht am Rande des Zusammenbruchs. In Deutschland gab es, Stand Vormittag, keine neuen Todesfälle. Am Montag waren in Nordrhein-Westfalen zwei Tote zu beklagen. In den USA arbeitet Präsident Trump an einem Maßnahmenpaket, das wegen seines begrenzten Umfangs die Hoffnungen der Investoren enttäuschen könnte.

Deutsche Post sieht tagtägliche Verbesserung in China

Während Italien zum neuen Epizentrum des Infektions-Bebens wird, könnte China das Schlimmste bereits hinter sich haben. Dort werde es “jeden Tag besser”, sagte Frank Appel, Chef des Logistik-Giganten Deutsche Post AG, dem auch DHL gehört. Es gebe ermutigende Anzeichen, auch wenn die Infektionskrise noch nicht nicht vorbei sei. Die Deutsche Post hält an ihrer Prognose für das Gesamtjahr fest und laut Appel war die Nachfrage nach Express-Dienstleistungen letzte Woche höher als vor einem Jahr. Die derzeitige Lage sei nicht mit der weltweiten Rezession von 2008 vergleichbar, sagte er. Die Schlagzeilen ähnelten sich zwar, “nicht aber die Realität”. Während Expresslieferungen der früheste Trendindikator seien, beginnt laut Appel auch das Luft- und Seefrachtvolumen wieder zu steigen.

Europas Aktien auf Erholungskurs

Die europäischen Aktien haben sich am Dienstag von ihrem größten Ausverkauf seit 2008 erholt angesichts von Optimismus, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Auswirkungen des Coronavirus greifen werden. Der Stoxx Europe 600-Index stieg um bis zu 4,1% und die US-Futures kletterten, nachdem Präsident Donald Trump sagte, er werde sich um eine Senkung der Lohnsteuer und “sehr substanzielle Erleichterungen” für die von dem Virus betroffenen Branchen bemühen. Alle 19 Stoxx 600-Branchengruppen stiegen, angeführt von zyklischen Aktien wie Bergbauwerten, Banken und Automobilhersteller. Die Energieaktien legten nach dem Rekordsturz vom Montag um 8% zu. Während sich die Märkte am Dienstag wieder erholen, bleibt abzuwarten, ob die europäischen Aktien wieder auf einen “ruhigeren Pfad” zurückkehren oder ob der gestrige Ausverkauf erst der Anfang war, sagte Andreas Lipkow, Stratege der Comdirect Bank. In Deutschland gehörten Deutsche Post zu den Gewinnern. Schaeffler stiegen nach Bekanntgabe von Quartalszahlen um bis zu 16%. Infineon profitierten von der Genehmigung der Übernahme von Cypress Semiconductor.

Saudis eskalieren den Ölpreiskrieg

Saudi-Arabien hat am Dienstag seinen Ölpreiskrieg mit Russland eskaliert. Das Staatsunternehmen des Königreichs verpflichtete sich, im nächsten Monat die Rekordmenge von 12,3 Millionen Barrel pro Tag zu liefern - eine Steigerung von mehr als 25% gegenüber dem letzten Monat. Die Menge geht über die maximale nachhaltige Kapazität von Aramco hinaus, was darauf hindeutet, dass das Königreich seine strategischen Vorräte anzapft, um so viel Rohöl so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Im Februar produzierte Saudi-Arabien etwa 9,7 Millionen Barrel pro Tag. Die Ölpreise, die sich nach dem historischen Einbruch am Vortag erholt hatten, fielen sofort wieder. Der Preisverfall und die Turbulenzen an den Aktienmärkten gefährden eine Reihe hochkarätiger Börsengänge europäischer Energieunternehmen, darunter bei Wintershall Dea.

Deutschlands Antwort auf Coronavirus ist zögerlich

Angela Merkel und Olaf Scholz sind bislang nicht bereit, die schweren Geschütze gegen einen Abschwung in Position zu bringen, die sich die europäischen Nachbarn wünschen. Der zunehmende globale Druck und die Zahl von 1.000 Coronavirus-Fällen an diesem Wochenende haben nicht ausgereicht, um Kanzlerin und Finanzminister zu großen Impulsen zu drängen. Diese Zurückhaltung wird wahrscheinlich so lange anhalten, wie die Auswirkungen des Ausbruchs auf die Konsumentenstimmung als vorübergehend und eindämmbar erscheinen, heißt es in Berlin. Während Scholz am Montag sagte, dass die Regierung “alles” tun werde, um die Wirtschaft in der Krise zu stabilisieren, dürfte die Medizin zunächst nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden, die der Reaktion auf die Lehman-Krise ähnelt. Die Abgeordneten der Regierungskoalition verfügten derzeit über keine Daten zu den wirtschaftlichen Schäden durch das Virus und wollten keine Maßnahmen ergreifen, die Panik signalisieren würden, heißt es aus Regierungskreisen.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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