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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- China und USA beschließen schrittweisen Zollabbau, deutsche Daten dämpfen Wirtschaftsoptimismus, Handelsoptimismus stützt Europas Aktienmärkte, Risk-on bedroht beliebten Quant-Trade, und Scholz’ Vorstoß unterstreicht Merkels Machtverlust. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

China und USA beschließen schrittweisen Zollabbau

China und die USA haben sich darauf geeinigt, Zölle auf Waren des Handelspartners schrittweise zurückzunehmen, wenn ein Interimsabkommen zu Handelsfragen erreicht wird, sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums. Die Verhandlungsführer beider Seiten hätten in den letzten zwei Wochen “ernsthafte, konstruktive Gespräche geführt” und sich auf den schrittweisen Abbau von Strafzöllen geeinigt, in Abhängigkeit von den konkreten Inhalten des geplanten Teilabkommens. Dieses könnte erst im Dezember von den Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping unterzeichnet werden. Das Prozedere könnte dazu beitragen, den Handelskrieg zu deeskalieren, der einen Schatten auf die Weltwirtschaft geworfen hat.

Deutsche Daten dämpfen Wirtschaftsoptimismus

Daten zur deutschen Industrieproduktion haben für den Dezember eine Verschlechterung angezeigt, die den Optimismus vom Vortag dämpft. Die Produktion sank im September um 0,6%, verglichen mit einer Erwartung von -0,4%. Das verarbeitende Gewerbe trieb den Rückgang an, während Bau und Energie zulegten. Am Mittwoch hatten Auftragseingänge und Einkaufsmanagerindex noch eine mögliche Bodenbildung der Konjunktur angezeigt. BI-Analysten erwarten nach den Veröffentlichungen, dass die Wirtschaft im dritten Quartal leicht geschrumpft ist, was eine technische Rezession bedeutet. Ein Rückgang des BIP um 0,1% wäre jedoch “bescheiden und wir erwarten eine flache Rezession”, so die Bloomberg-Analysten.

Handelsoptimismus stützt Europas Aktienmärkte

Europäische Aktien profitierten von der Nachricht, dass China und die USA Strafzölle schrittweise abbauen wollen. Sichere Häfen wie Treasuries und Gold rutschten ab.Gewinne im Stoxx Europe 600 Index wurden von Konsumwerten angeführt, während Versorger und Energiewerte zu den Verlierern zählten. “Wir sehen gute Nachrichten, und der Markt reagiert darauf. Ich weiß nicht, ob das eine längere Zeit hält,” sagte Linus Yip von First Shanghai Securities Ltd. In Deutschland erlitten Deutsche Telekom den stärksten Rückgang in sieben Monaten nach einer Senkung der Dividende. Deutz stiegen um bis zu 10% nach Veröffentlichung von besser als erwarteten Quartalszahlen. Im Dax führten Lufthansa nach positiven Zahlen zum dritten Quartal die Liste der Gewinner an.

Risk-on bedroht beliebten Quant-Trade

Der Marktoptimismus, der zu einem Wechsel hin zu billigeren und volatileren Aktien geführt hat, könnte einen der in diesem Jahr sehr populären Quant-Trades wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Bis vor kurzem waren europäische Aktien mit geringer Volatilität ein Marktfavorit, wobei börsengehandelte Fonds, die an die Strategie gekoppelt sind, im letzten Quartal Rekordeinnahmen verzeichneten. Da nun aber ein sich abzeichnender Handels-Deal zwischen den USA und China den Wachstumsoptimismus anfeuert, fließt Geld in Wertaktien und Zykliker, die tendenziell größeren Schwankungen unterliegen, auf Kosten von bereits recht teuren defensiven Wetten. “Der Faktor der geringen Volatilität ist gefährdet”, sagte Inigo Fraser Jenkins von Sanford C. Bernstein.

Scholz’ Vorstoß unterstreicht Merkels Machtverlust

Zum zweiten Mal in Folge hat sich ein Minister dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angel Merkel mit einem Alleingang versucht. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat seine Initiative, die jahrelange Blockade bei der Vollendung der Europäischen Bankenunion zu überwinden, am Mittwoch mit Pauken und Trompeten angekündigt, die Sache aber vorher nicht mit seiner Chefin geklärt. Es handele sich um einen “Diskussionsbeitrag”, der erst noch in der Regierung diskutiert werden müsse, sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert wenige Stunden später vor Journalisten. Es stellt sich die Frage, wer in Merkels 15. Jahr im Amt eigentlich das Sagen hat. Vor zwei Wochen wurde die Autorität der Kanzlerin in Frage gestellt, als Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ohne abgesprochene Kommunikationsstrategie einen Friedensplan für Nordsyrien vorlegte. Jetzt will sie eine deutsche Marinepräsenz im Pazifik, um Chinas Machtanspruch einzudämmen.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Rita Hagedorn

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