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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- US-chinesisches Teilabkommen in trockenen Tüchern, Kohleausstieg bringt RWE 2,6 Milliarden Euro, europäische Aktien geben Gewinne ab, politische Turbulenzen ‘neue Normalität’ 2020, und die EU wird Großbritannien vermissen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

US-chinesisches Teilabkommen in trockenen Tüchern

Die USA und China haben am Mittwochabend die erste Phase eines umfangreicheren Abkommens zu ihren Handelsbeziehungen unterzeichnet. Darin sagt China zu, die Importe von US-Industriegütern, Agrarprodukten, Energie und Dienstleistungen bis Dezember 2021 um 200 Milliarden Dollar zu steigern und stärker gegen den Diebstahl geistigen Eigentums vorzugehen. In der Volksrepublik tätige US-Firmen sollen nicht länger zu Technologietransfers genötigt werden. Eine Zusammenfassung der fünf Hauptpunkte des Deals findet sich hier. Unter dem Strich sei China nun angeschlagen während die Glaubwürdigkeit der USA gestärkt wurde, schreibt Bloomberg-Kolumnist Tyler Cowen: “Ob in der Wirtschaft oder in der Außenpolitik, China muss nun mit Gegendruck der USA rechnen.”

Kohleausstieg bringt RWE 2,6 Milliarden Euro

Der Versorger RWE wird für Deutschlands Kohleausstieg informierten Kreisen zufolge mit rund 2,6 Milliarden Euro entschädigt, was über den zuletzt genannten Größenordnungen liegt. RWE legten im frühen Frankfurter Handel um 1,7% zu auf den höchsten Stand seit Oktober 2014. Die Zahlung ist Teil eines Pakets zum Kohleausstieg, das in den frühen Morgenstunden zwischen der Bundesregierung und den Regierungschefs der Kohleländer auf den Weg gebracht wurde. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft soll etwa 1,75 Milliarden Euro erhalten. Den betroffenen Regionen wird das Ende der Kohleverstromung bis 2038 mit Entschädigungen von rund 40 Milliarden Euro versüßt. Bei den Braunkohlekraftwerken sollen von derzeit 21,1 Gigawatt zwischen 2034 und 2038 noch rund 8,6 Gigawatt am Netz bleiben.

Europäische Aktien geben Gewinne ab

Die europäischen Aktien haben im Verlauf des Vormittagshandels ihre Gewinne wieder abgegeben, da Verluste bei den Autoherstellern und enttäuschende Gewinn-Updates die positive Stimmung durch das Phase-1-Handelsabkommen zwischen den USA und China aufhoben. Der Stoxx Europe 600 Index lag wenig verändert im roten Bereich, Konsum- und Kommunikationswerte führten den Rückgang an, während Immobilienwerte und Versorger zulegten. In Deutschland gewannen HelloFresh nach vorläufigen Zahlen für 2019, die die Erwartungen übertrafen. Varta profitierten von der am Donnerstag angekündigten Ausweitung der Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Akkus. Grand City Properties legten nach einer Heraufstufung bei JPMorgan zu.

Politische Unruhen ‘neue Normalität’ 2020

Die gewalttätigen Proteste und politischen Umwälzungen, die das Jahr 2019 prägten und Regierungen von Hongkong bis Chile herausforderten, werden bleiben und sind nun die “neue Normalität”, wie es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht eines weltweit tätigen Beratungshauses für Risikoanalyse hieß. Dort werden “anhaltende Unruhen im Jahr 2020” voraussagt, da die Regierungen weltweit weiterhin von Protesten überrascht würden. “Wir müssen uns alle für 2020 anschnallen”, sagte Miha Hribernik, der in Singapur ansässige Leiter der Abteilung für Risikoanalyse in Asien bei Verisk Maplecroft. “Die Wut, die viele Regierungen letztes Jahr überrumpelt hat, geht nicht weg und wir sollten uns alle besser anpassen”. Auf der Liste der fünf weltweit wichtigsten langfristigen Risiken sieht das Weltwirtschaftsforum Umweltfragen.

Die EU wird Großbritannien vermissen

Wenige Wochen vor der Trennung Großbritanniens von der EU nimmt Kollege Ian Wishart vorgezogen Abschied und ruft die konstruktive Rolle in Erinnerung, die die Briten seit ihrem Beitritt 1973 oftmals gespielt haben, trotz gelegentlicher Quertreiberei. “Während seiner gesamten Mitgliedschaft diente Großbritannien als Gegengewicht zu den konkurrierenden Mächten Frankreich und Deutschland; die rebellische Ader Großbritanniens gab ebenso kritischen Ländern einen Unruhestifter, hinter dem sie sich verstecken konnten; und sein Freihandelsinstinkt sorgte dafür, dass der Block nicht von den protektionistisch gesinnten Mitgliedern des Südens übernommen wurde. Großbritannien prägte die europäische Politik und unterstützte neue Gesetze weitaus regelmäßiger, als es sie ablehnte”, so Wishart. Die Frage, warum die Europäische Union Großbritannien verloren hat, wird nicht erst seit dem Referendum diskutiert, in dem die Briten sich für den Ausstieg entschieden. Die EU-Osterweiterung 2004, die zu sprunghafter Migration auf die Inseln führte, und die Reaktion auf die Finanzkrise sieben Jahre später waren Wendepunkte im gegenseitigen Verhältnis.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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