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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Lagarde will neuen Politik-Mix für die Eurozone, Kukies knüpft EU-Einlagensicherung an Risikoreduzierung, Europäische Aktien zum Wochenschluss im Plus, Fed-Kandidatin stellt Unabhängigkeit in Frage, und Musks “Cybertruck“-Präsentation geht in die Hose. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Lagarde will neuen Politik-Mix für die Eurozone

Christine Lagarde hat die Markterwartungen an ihre erste geldpolitische Rede als EZB-Präsidentin insofern erfüllt, als sie keinen Kurswechsel in Aussicht stellte. Wohl aber kündigte sie eine baldige Überprüfung der Geldpolitik an und gelobte, stets die “Nebenwirkungen” der Maßnahmen im Blick zu haben. Wie ihr Vorgänger Mario Draghi forderte sie von den Regierungen flankierende Maßnahmen, mit denen die Geldpolitik ihr Ziel “schneller und mit weniger Nebenwirkungen” erreichen könnte. Es brauche einen “neuen europäischen Policy Mix”. November-Einkaufsmanager-Indizes zeigten für die Eurozone eine Verbesserung bei den vorausschauenden Komponenten an, aber auch, dass die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes weiter auf den Dienstleistungssektor übergreift.

Kukies knüpft EU-Einlagensicherung an Risikoreduzierung

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies hat in einem Bloomberg-Interview das Ziel bekräftigt, im Dezember Fortschritte bei der Vertiefung der Bankenunion zu erzielen. Bei der Frage des vorherigen Abbaus fauler Kredite klang das von Olaf Scholz ins Haus geholte SPD-Mitglied aber ähnlich wie Wolfgang Schäuble: “Es muss eine weitere Risikominderung erfolgen, das ist wichtig, bei NPLs, bei Staatsrisiken in den Bankbilanzen”, so Kukies. “Wir denken dass wenn all diese Dinge vorangetrieben werden, wir auch bei der Einlagensicherung vorankommen können. Es hängt alles davon ab, wie schnell wir die Risiken im Bankensystem reduzieren können”. Unklar blieb, was Kukies mit “verbesserten Möglichkeiten der Risikoteilung” meinte, was gar nicht nach Schäuble klang.

Europäische Aktien zum Wochenschluss wenig verändert

Europäische Aktien haben am Freitag einen Großteil ihrer Gewinne aus dem frühen Handel wieder abgegeben. Energie- und Kommunikationstitel führten die Liste der Gewinner im Stoxx Europe 600 Index an, die von den besser als erwarteten Produktionszahlen aus Deutschland gestützt wurden. Chinas Vizepremier Liu He hat den US-Handelsbeaufttragten Robert Lighthizer zu weiteren Gesprächen Ende des Monats nach Peking eingeladen, wie es aus informierten Kreisen hieß. Washington werde wahrscheinlich neue Zölle für Dezember verschieben, auch wenn es bis dahin kein Abkommen gibt, berichtete die South China Morning Post. In Deutschland lagen Deutsche Bank im Plus. Das Financial Stability Board hat das Institut in die zweitniedrigste Risiko-Kategorie der global systemrelevanten Banken verschoben.

Fed-Kandidatin stellt Unabhängigkeit in Frage

Judy Shelton, eines der jüngst von US-Präsident Donald Trump ausgewählten Mitglieder für das Federal Reserve Board, hat ein ehernes Gesetz der US-Zentralbank in Frage gestellt: dass sie frei von politischem Einfluss agieren sollte. “Ich sehe keinen Hinweis auf die Unabhängigkeit in der Gesetzgebung, die die Rolle der Federal Reserve für die Vereinigten Staaten definiert hat”, sagte Shelton bei einer Veranstaltung am Rande der IWF-Jahrestagung im Oktober. Die vom Weißen Haus noch nicht offiziell nominierte Shelton weist auf die Rechtslage in den USA hin, die verlange, dass das Fed-Board “Hand in Hand mit dem Kongress und dem Präsidenten arbeitet, um bestimmte strategische wirtschaftliche Ziele für die USA zu erreichen.” Das könnte ihr noch auf die Füße fallen.

Musks “Cybertruck“-Präsentation geht in die Hose

Als Tesla-Chef Elon Musk am späten Donnerstag die Bühne betrat, um einen Elektro-Pickup vorzustellen, der auch in jedem Mad-Max-Film eine gute Figur machen würde, waren einige der Robustheitsversprechen schnell Makulatur. Die aus rostfreiem Stahl gefertigte Karosserie des “Cybertrucks” hielt zwar der Bearbeitung mit einem Vorschlaghammer erstaunlich gut stand. Als Chefdesigner Franz von Holzhausen dann aber das “Tesla-Panzerglas” vorführen wollte, zerstörte er dabei unbeabsichtigt gleich zwei der Seitenfenster des Trucks mit einer Metallkugel. “Oh my f---ing god”, lautete Musks Reaktion. Das auch in Deutschland bestellbare Fahrzeug gibt es ab 39.900 Dollar, die Produktion wird für “Ende 2021” avisiert.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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