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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Im Iran wird “Tod dem Diktator” gewünscht, Porsche kennt keine Krise, Europas Aktien zu Wochenbeginn seitwärts, Kaeser bleibt bei Australien-Projekt hart, und Maschinen zerstören die Bonus-Kultur im Handelsraum. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Im Iran wird ‘Tod dem Diktator’ gewünscht

Der Iran ist zum Schauplatz einer zweiten Nacht mit teils gewalttätigen Protesten geworden, nachdem die Regierung zugegeben hatte, ein ukrainisches Passagierflugzeug irrtümlich zum Absturz gebracht zu haben. Videos in sozialen Medien, deren Authentizität nicht unmittelbar verifiziert werden konnten, zeigten Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizei, Blutspuren auf dem Asphalt, Sprechchöre gegen den Obersten Führer Ajatollah Ali Khamenei und Aufrufe, das Land von den Revolutionsgarden zu befreien. Präsident Donald Trump schickte am Wochenende eine Reihe von Tweets auf Farsi, in denen er seine Unterstützung für die Demonstranten zum Ausdruck brachte und die iranische Führung davor warnte, Demonstranten Leid zuzufügen.

Porsche kennt keine Krise

Während die Automobilbranche vergangenes Jahr mit einem schrumpfenden Markt zu kämpfen hatte, fuhr Porsche auf der Überholspur. Volkswagens Sportwagen-Tochter verkaufte insgesamt 280.800 Autos und damit 10% mehr als ein Jahr zuvor. Vertriebschef Detlev von Platen zeigte sich optimistisch, dass auch 2020 die hohe Nachfrage anhalten werde. Schub sei von der Einführung einiger neuer Modelle und vollen Auftragsbüchern für den Taycan zu erwarten. Bescheidener lief es bei der Marke Volkswagen, wo weltweit 6,28 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert und der Vorjahreswert um 0,5% übertroffen wurde. Mehr als 80.000 E-Fahrzeuge kamen zu den Kunden, was einem Plus von rund 60% entspricht.

Europas Aktien zu Wochenbeginn seitwärts

Die europäischen Aktien bewegten sich zu Wochenbeginn seitwärts. Zu Beginn einer geschäftigen Woche, die durch den Beginn der Berichtssaison und die Unterzeichnung eines Teilabkommens zwischen den USA und China geprägt ist, herrscht leichter Optimismus, die Bund-Rendite stieg auf den höchsten Stand seit Mai. Im Stoxx Europe 600 glichen Gewinne bei Tech-Aktien Rückgänge bei Bergbau-Titeln aus. “Das Erreichen dieses Phase-Eins-Abkommens, von dem wir nicht sicher waren, dass es kommen würde, zeigt deutlich, dass der politische Wille vorhanden ist, die Handelsspannungen zwischen China und den USA zu deeskalieren”, sagte Lucy Meagher von Evan’s & Partners gegenüber Bloomberg TV. “Wir erwarten, dass das ein positiver Faktor ist”. In Deutschland fielen Siltronic nach einer Herabstufung bei Oddo. Medigene schnellten empor nach positiven Ergebnissen einer Phase-1/2-Studie eines Impfstoffs gegen akute myeloische Leukämie. MorphoSys stiegen nach Bekanntgabe eines Lizenzvertrags mit Incyte.

Kaeser bleibt bei Australien-Projekt hart

Siemens will an einem umstrittenen Vertrag über die Lieferung von Signalanlagen für ein australisches Kohlebergwerk festhalten und bleibt damit auf Kollisionskurs mit Aktivisten, die am Montag ihre Proteste in Deutschland fortsetzen wollen. Vorstandschef Joe Kaeser kündigte am Sonntag ein Nachhaltigkeitsgremium an, um Umweltschutzbelangen zukünftig mehr Gewicht zu verleihen. Die deutsche Klima-Aktivistin Luisa Neubauer bezeichnete Kaesers Entscheidung der DPA gegenüber als “unentschuldbaren Fehler” und “aus dem Jahrhundert gefallen”. Vorher hatte das 23-jährige Grünen-Mitglied ein Angebot des Siemens-Chefs abgelehnt, einen Posten im Aufsichtsrat des künftigen Unternehmens Siemens Energy zu bekleiden.

Maschinen zerstören die Bonus-Kultur im Handelsraum

Chris Purves befindet sich seit mehr als einem Jahrzehnt an der Speerspitze des Marktgeschehens - vom algorithmischen Handel bis zum maschinellen Lernen. Nun kümmert sich der Leiter des Strategic Development Lab der UBS um die menschlichen Überlebenden der Tech-Invasion und versucht ihnen beizubringen, dass nichts mehr so sein wird wie früher. Sie werden - im Jargon der Prediger des Silicon Valley - “verlernen” müssen, wie sie bisher gearbeitet haben. So wie Purves es sieht, droht das Aussterben einer ganzen Lebensweise: das Ende der Bonuskultur. “Wir wollen Menschen einstellen, die weniger von ihrem eigenen Bonus und Gewinn und Verlust getrieben sind, und mehr von dem langfristigen Ziel, wie der Markt in etwa 10 Jahren aussehen wird ”, sagt Purves. Mit technischen Plattformen im Mittelpunkt werden Händler künftig nicht mehr nach dem traditionellen “iss-was-Du-erlegst”-Modell bezahlt, sondern die Boni werden eher durch die Leistung einer breiter definierten Einheit bestimmt.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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