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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- US-Senat verschärft Streit mit China, Siemens will drei Viertel des Energiegeschäfts ausgliedern, Hongkong lastet auf Europas Aktienmärkten, Lagarde lässt EZB-Beobachter im Dunkeln, und Corbyn zieht mit Johnson gleich. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

US-Senat verschärft Streit mit China

Nach monatelangen gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei in Hongkong hat der US-Senat am Dienstag eine Verordnung zu Menschenrechten und Demokratie in der chinesischen Sonderwirtschaftszone beschlossen, die unter anderem die Verhängung von Sanktionen gegen Personen vorsieht, die sich dort schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben. China wies die Verordnung als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurück und drohte mit Gegenmaßnahmen. Das Vorgehen bremst Anstrengungen, die erste Phase eines US-chinesischen Handelsabkommens abzuschließen. Vizepräsident Mike Pence sagte, der Einsatz von Gewalt gegen die Demonstranten in Hongkong erschwere eine Unterzeichnung.

Siemens will drei Viertel des Energiegeschäfts ausgliedern

Wenn es nach Joe Kaeser geht, sind die Tage von Siemens als Mischkonzern gezählt. Rund drei Viertel der angeschlagenen Energiesparte Gas and Power sollen ausgegliedert werden, sagte der CEO in einem Bloomberg-Interview. Mit der Entkonsolidierung des Traditionsgeschäfts soll die Muttergesellschaft laut Kaeser überschaubarer und risikoärmer werden. Mit einem Anteil von 25% plus einer Aktie könnte Siemens wichtige strategische Entscheidungen weiter wirksam beeinflussen. Kaeser, 62, deutete in dem Interview an, dass er einer Vertragsverlängerung um zwei Jahre zustimmen würde, sollte der Konzern in Schwierigkeiten geraten. “Ich würde die Firma nie in Unordnung zurücklassen”, sagte Kaeser, dessen Mandat 2021 endet.

Hongkong lastet auf Europas Aktienmärkten

Aktien in Europa reagierten mit Verlusten auf die Maßnahmen des US-Kongresses zur Unterstützung der Demonstranten in Hongkong. Bergbauwerte und Banken führten den Rückgang im Stoxx Europe 600 Index an. In Deutschland trugen Wirecard die rote Laterne im Dax nach einem Bericht im Handelsblatt zur Bilanzierung in Singapur. Lufthansa fielen nach einer Verkaufsempfehlung bei Goldman. Rheinmetall verloren nach der Kürzung der Umsatzprognose für den Verteidigungsbereich.

Lagarde lässt EZB-Beobachter im Dunkeln

Beobachter der Europäischen Zentralbank, die für die Prognose der Geldpolitik jedes ihrer Signale unter die Lupe nehmen, könnten langsam ungeduldig werden. Auch drei Wochen nach ihrer Amtsübernahme hat Präsidentin Christine Lagarde noch keine Rede zur Geldpolitik gehalten. Das hat öffentlich geäußertem Unmut über die Auswirkungen negativer Zinsen und der quantitativen Lockerungen Raum gegeben - sowohl aus dem Kollegenkreis, als auch von Politikern und Bankern. Immerhin wissen die EZB-Beobachter, dass die Zentralbank vor möglichen Nebenwirkungen ihrer eigenen Politik warnt, die zu einer übermäßigen Risikobereitschaft geführt habe, die “mittelfristig zu Herausforderungen für die Finanzstabilität führen könnte”.

Corbyn zieht mit Johnson gleich

Drei Wochen vor den britischen Parlamentswahlen sah es für Labour-Chef Jeremy Corbyn, der bisher in allen Umfragen weit hinter Boris Johnson zurücklag, nach einer TV-Debatte am Dienstagabend ziemlich gut aus. Laut einer YouGov-Umfrage lag Corbyn mit 49% Zustimmung nur knapp hinter dem Tory-Premierminister mit 51%. Und 67% der Befragten fanden, dass Corbyn sich gut geschlagen habe. Gleichzeitig konnten die Konservativen (42%; +3) in einer ICM/Reuters-Umfrage ihren Vorsprung vor Labour (32%; +1) ausweiten. TV-Debatten stellen ein Risiko insbesondere für den Premierminister dar, der Gelächter auf sich zog, als sagte, dass ihm Vertrauenswürdigkeit wichtig sei. Bloomberg-Kolumnistin Therese Raphael sieht in den zentralen Vorstellungen beider Politiker Gefahren für Großbritannien.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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