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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Vor US-Wahlen keine weitere Entspannung mit China, deutsches BIP-Wachstum 2019 auf Sechsjahrestief, europäische Aktien vor Zollabkommen kaum verändert, BlackRocks Vergrünung ist leichter gesagt als getan, und neue US-Datenregeln versprechen Chaos. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Vor US-Wahlen keine weitere Entspannung mit China

Bestehende US-Zölle auf 360 Milliarden Dollar an chinesischen Waren werden wahrscheinlich bis nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen in Kraft bleiben, und jeglicher Reduktionsschritt wird davon abhängen, ob Peking die Bedingungen des Phase-1 Handelsabkommens einhält, hieß es aus informierten Kreisen in Washington. Beide Seiten seien sich einig, dass die USA frühestens 10 Monate nach der Unterzeichnung des Abkommens am heutigen Mittwoch im Weißen Haus die Fortschritte überprüfen und möglicherweise weitere Zollsenkungen in Betracht ziehen würden. Finanzminister Steven Mnuchin verneinte am Dienstagabend, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Zeitrahmen für Zollsenkungen und den Wahlen im November gebe. Zum Wert des Phase-1-Abkommens bleiben viele Fragen offen.

Deutsches BIP-Wachstum auf Sechsjahrestief

Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr mit dem schwächsten Tempo in sechs Jahren gewachsen. Belastet von Handelsspannungen betrug der Zuwachs nur 0,6% und damit weniger als die Hälfte des Durchschnitts der vorherigen 10 Jahre. Das Baugewerbe legte um 4% zu, die Dienstleistungsbereiche Information und Kommunikation sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister jeweils 2,9%. Das produzierende Gewerbe (ohne Bau), das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, brach hingegen um 3,6% ein, getrieben von einer schwachen Produktion in der Autoindustrie. Im Schlussquartal habe es eine leichte Wachstumserholung gegeben, so die Statistik-Behörde. Für das laufende Jahr erwarten Ökonomen eine marginale Beschleunigung des Wachstums auf 0,7%.

Europäische Aktien vor Zollabkommen kaum verändert

Die Aktienmärkte kämpften im europäischen Handel um eine klare Richtung, da die Sorgen wegen der Handelsspannungen anhielten, bevor die USA und China ihr Phase-1-Abkommen unterzeichnen. Der Stoxx Europe 600 Index entwickelte sich negativ, wobei Gewinne bei Gesundheitstiteln Rückgänge bei Automobilherstellern und Versicherern ausglichen.Im Laufe des Tages stehen Zahlen einiger der größten US-Banken an, einschließlich Goldman Sachs und Bank of America. “Phase Eins ist zwar positiv, aber nur der Beginn eines langen Prozesses, um den Schaden, der der globalen Handelsordnung bereits zugefügt wurde, wieder gutzumachen”, sagte sagte Nema Ramkhelawan-Bhana, Ökonomin der Rand Merchant Bank in Johannesburg. In Deutschland fielen Fraport nach einer Doppel-Abstufung bei Metzler. Aareal Bank fielen nach einer Herabstufung bei Pareto während Hella bei MainFirst gesenkt wurden und fielen.

BlackRocks Vergrünung ist leichter gesagt als getan

BlackRock-CEO Larry Fink hat den Druck auf die amerikanischen Unternehmenslenker erhöht, Klimaaspekte in ihrer Firmenpolitik stärker zu berücksichtigen. Hinter der annoncierten Selbstverpflichtung zu mehr Nachhaltigkeit in der Anlagepolitik bei BlackRock verbirgt sich aber eine unangenehme Wahrheit: grüne Investments werden weder einfach noch schnell umsetzbar sein. Heute halten die BlackRock-Fonds 6,7% an Exxon Mobil sowie 6,9% an Chevron und 6% an Glencore. Und daran wird sich wahrscheinlich wenig ändern, denn BlackRocks Erfolgsrezept besteht darin, dass zwei Drittel des rund 7 Billionen Dollar schweren Vermögens in passiven Indexfonds stecken, statt in ausgewählten Vermögenswerten. Damit sind Unternehmen wie BlackRock den Benchmark-Anbietern wie MSCI Inc. ausgeliefert.

Neue US-Datenregeln versprechen Chaos

Die Finanzmärkte hängen zum Gutteil von der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten durch die Regierung und ihrer Behörden ab. Die Möglichkeit, dass die USA die Art und Weise ändern, wie solche Daten veröffentlicht werden, beschäftigt nun die Wall Street. Im Moment erhalten Journalisten - auch die von Bloomberg News - Vorabexemplare von marktbewegenden Berichten der Regierung mit einer Sendesperrfrist. Die Trump-Administration könnte diese Praxis beim Arbeitsministerium stoppen, das Daten wie die monatlichen Beschäftigungszahlen herausgibt, wie aus informierten Kreisen zu hören ist. Das könnte unbeabsichtigte Konsequenzen haben. Wenn die Daten nur noch auf der Website einer Institution verfügbar sind, könnte dies zu einer “winner-takes-all”-Situation führen, da Websites auf einem “wer-zuerst-kommt-mahlt-zuerst”-Kommunikationsprotokoll aufgebaut sind. Wer auf einer Website die marktbewegenden Informationen vor allen anderen ergattert, hätte praktisch einen garantierten Gewinn. “Alles, was den Informationsfluss beeinflusst, wird vom Markt nie gut aufgenommen”, sagte Omar Aguilar, CIO für Aktien bei Charles Schwab Investment Management, am Dienstag bei Bloomberg TV. Das wird “in Zukunft mehr Volatilität erzeugen”.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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