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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Trump kritisiert Johnsons EU-Deal, Hedgefonds-Investor hat 90er-Jahre Japan-Flashback, China-Daten stützen Europas Aktienmärkte, SNB wird die Banker-Kritik nicht los, und ein Ex-Goldman-Händler setzt auf Bienen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Trump kritisiert Johnsons EU-Deal

Boris Johnson hätte einen besseren Deal mit der EU aushandeln können, meint Donald Trump. Das noch vom britischen Parlament zu ratifizierende Abkommen werde ein Handelsvertrag mit den USA nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU erschweren, sagte der US-Präsident in einem Radio-Interview. Beide Staaten könnten bei einer saubereren Trennung von der EU “viel mehr tun”, so Trump. Seine skeptische Sicht ist eine schlechte Nachricht für Johnson, der schnelle und lukrative Geschäftsmöglichkeiten mit den USA als einen der größten Vorteile des Brexit angepriesen hatte. Ob aber Johnson nach den Wahlen am 12. Dezember überhaupt Regierungschef bleibt, ist höchst unsicher, wie Kolumnist Matt Singh schreibt.

Hedgefonds-Investor hat 90er-Jahre Japan-Flashback

Luke Newman, ein Aktienfondsmanager bei Janus Henderson Investors, hat ein unangenehmes Deja-vu-Gefühl. Vor zwei Jahrzehnten hatte er als Analyst bei Deutsche Asset Management mit japanischen Aktien zu tun. Jetzt, als Hedgefonds-Investor in europäischen Aktien, sieht er beunruhigende Parallelen zwischen dem Europa der Gegenwart und dem Japan der späten 90er Jahre. Bei schwachem Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation und tiefen Anleiherenditen sei es riskant, in hochverschuldete Unternehmen zu investieren, die keinen robusten Cashflow bieten. Stattdessen setzt Newman, der etwa 7 Milliarden Dollar in Long-Short-Aktienstrategien verwaltet, auf Wachstumswerte oder Unternehmen mit starken Bilanzen und Ertragserwartungen.

China-Daten stützen Europas Aktienmärkte

Europas Aktienmärkte haben zum Wochenschluss zugelegt, unterstützt von besser als erwartet ausgefallenen chinesischen Produktionsdaten. Die Gewinne im Stoxx Europe 600 Index wurden von IT-Werten, Industrietiteln und Konsumaktien angeführt. Feiertagsbedingt bleiben einige regionale Börsen in Europa geschlossen. In Hongkong und China hatten Aktien zugelegt, nachdem der Caixin-Produktionsindex unerwartet gestiegen war. Continental, die bei Citi auf Kaufen erhöht wurden, führten die Liste der Gewinner im Dax an, gefolgt von Infineon, die bei Tocqueville Asset Management als Investment aufgenommen wurden. Nemetschek stiegen nach positiven Analysten-Einschätzungen.

SNB wird die Banker-Kritik nicht los

Die Bemühungen der SNB, den Kreditinstituten bei den Negativzinsen etwas Erleichterung zu verschaffen, haben die Finanzbranche nicht zufriedengestellt. Mit dem Inkrafttreten des neuen Tiering-Systems, das zusätzliche 100 Milliarden Franken an Einlagen von dem -0,75%igen Einlagenzins ausnimmt, verschärft sich deren Kampagne gegen die Welt negativer Zinsen. Die Schweizerische Bankiervereinigung hat deren Abschaffung gefordert und damit die Klage von Bankern aus ganz Europa befeuert, dass rekordtiefe Zinssätze die Gewinnmargen schmälern und der Wirtschaft dabei immer weniger nutzen. Das neue SNB-System erweitert zwar die Freistellungen, gibt der Bank aber auch mehr Spielraum, die Zinsen wenn nötig noch weiter unter Null zu drücken. Die Banken sind nervös, was als nächstes kommen könnte. Mehr zum Tiering findet sich hier.

Ein Ex-Goldman-Händler setzt auf Bienen

Nach Stationen als Händler bei Goldman Sachs, CEO der London Stock Exchange und zuletzt Chef des in London ansässigen Hedgefonds CQS kümmert sich Xavier Rolet jetzt um ein Dutzend Bienenstöcke und hat seine Personalverantwortung damit auf rund 50.000 Köpfe ausgedehnt. In astronautenähnlicher Ausrüstung kümmert sich Rolet um die Bienenstöcke in Chene Bleu, einem chemiefreien Weingut in der Provence, das er 1993 kaufte und von seiner Frau Nicole geleitet wird. “In gewisser Weise sind Bienen wie eine Investmentbank oder eine Vermögensverwaltungsgesellschaft oder ein soziales Netzwerk von Menschen”, sagte Rolet in einem Interview, in dem er beschreibt, wie er zum Weinbau und der Imkerei kam, und was er von der von der LSE vorgeschlagenen Übernahme des Finanzdatenunternehmens Refinitiv in Höhe von 27 Milliarden Dollar hält.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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