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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- Fiskalpolitik wird 2020 Renditetreiber, Digitalwährungen untergraben das Bankwesen, Europas Aktien zum Jahresende schwächer, Lagarde kämpft mit nicht-monetärer Herausforderung, und was man 2019 aus 10.000 $ machen konnte. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Fiskalpolitik wird zum Renditetreiber

Das neue Jahrzehnt könnte sich als Beginn einer härteren Zeit für Bond-Anleger entpuppen, da einige der Bedingungen, die den Bullenlauf der Staatsanleihen befeuert haben, wegfallen. Es waren primär die beispiellosen Maßnahmen der Zentralbanken, die den Stimulus seit der globalen Krise dominiert und die Renditen weltweit gedrückt haben. Wachsende fiskalische Expansion könnte diese Schieflage ausgleichen. In Europa lassen die Sparbemühungen nach, in Asien gibt es Ausgabenpakete und die USA stehen vor noch stärkerer Kreditaufnahme. Die OECD erwartet, dass das Haushaltsdefizit von 2,9% des globalen BIP im Jahr 2018 auf 3,3% im nächsten Jahr steigen wird. “Die grünen Triebe der fiskalischen Ausgaben sprießen auf der ganzen Welt,” so Elaine Stokes, Portfoliomanagerin bei Loomis Sayles & Co.

Digitalwährungen untergraben das Bankwesen

Bringt China seinen eigenen Bitcoin? Die ins Haus stehenden Veränderungen seien noch viel größer, meint Bloomberg-Kolumnist Andy Mukherjee. Zwar sei der womöglich schon 2020 kommende digitale Yuan wie andere Krypto-Währungen “tokenisiertes” Geld, werde aber von der Zentralbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt voll unterstützt und bezöge seinen Wert aus der Fähigkeit des Staates, Steuern zu erheben. Andere nationale Behörden würden nachziehen, was nicht ohne Auswirkungen auf das traditionelle Bankwesen bleiben werde. Zentralbankreserven werden von Banken unterhalten, die Einlagen entgegennehmen. Ein digitaler Yuan könnte dieses System umgehen und jedem Inhaber der Währung eine Einlage bei der Zentralbank ermöglichen, was den Staat zum Monopollieferanten von Geld für Privatkunden machen würde. Dies eröffne im Falle langanhaltender Stagnation eine effiziente Möglichkeit der monetären Lockerung unter Umgehung der Banken.

Europas Aktien zum Jahresende schwächer

Die Aktien fielen am letzten Handelstag eines Blockbuster-Jahres in Europa. Der Stoxx Europe 600 Index verlor, angeführt von Bergbau- und Automobilherstellern, nachdem die meisten asiatischen Aktienmärkte nachgegeben hatten. Investoren zeigen eine Zurückhaltung, die sich auch während der Neujahrsfeiertage fortsetzen und ein Jahr 2019 beschließen könnte, in dem mehrere globale Aktien-Benchmarks Rekordhochs erreichten. Vor dem Hintergrund anhaltender Stimulierung durch die Zentralbanken, starker Auszahlungen an die Aktionäre und der erwarteten Unterzeichnung eines Interims-Handelsvertrags zwischen den USA und China im Januar sagen viele Marktteilnehmer, dass sie für Anfang 2020 weiterhin optimistisch sind. Die Liste der Verlierer im Dax wurde von Fresenius Medical, MTU Aero Engines und Fresenius angeführt. Gegen den Trend legten Wirecard und Deutsche Bank zu.

Lagarde kämpft mit nicht-monetärer Herausforderung

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat eine Herausforderung angenommen, die womöglich so entmutigend ist wie die Wiederbelebung der Inflation in der Eurozone: Deutsch zu lernen. “Der Erfinder dieser Sprache scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben, sie auf jede Art, die ihm nur in den Sinn kam, zu komplizieren”, schrieb der amerikanische Autor Mark Twain 1880 in einem Aufsatz über “Die schreckliche deutsche Sprache”. Im Gegensatz zu ihrem Amtsvorgänger Mario Draghi hat Lagarde sich vorgenommen, ein Viertel der Bevölkerung des Währungsraums in seiner Muttersprache ansprechen zu können, um Begründungen für eine Geldpolitik zu liefern, die vielerorts abgelehnt wird. “Es ist ein großer Vorteil, wenn man sich vor Ort verständigen kann”, sagte Philipp Hildebrand, ehemaliger Präsident der Schweizerischen Nationalbank, die vier offizielle Sprachen hat, darunter Deutsch.

Was man 2019 aus $10.000 machen konnte

Im Jahr 2018 sah so ziemlich jede Anlageklasse wie ein Verlierer aus. Ein Jahr später ist es genau umgekehrt: 2019 gab es an der Börse unzählige Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Die Rekorde bei US-Aktien und den globalen Aktien-Benchmarks erhielten in der Branche die größte Aufmerksamkeit. Einige der größten Gewinnerwerte kamen indessen aus unerwarteten Ecken des Marktes. Russische Aktien, griechische Staatsanleihen, ukrainische Griwna, Fleischersatz-Startups und das Edelmetall Palladium boten ebenfalls reichlich Gewinnmöglichkeiten. “Der Trend lief insgesamt nach oben”, resümiert Stephen Innes, Chefstratege für den asiatischen Markt bei AxiTrader Ltd. mit Blick auf das Jahr. “In vielerlei Hinsicht war es für alle ein gutes Jahr.”

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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