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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Alexander Kell

(Bloomberg) -- Powell & die Elefanten, Auto-Licht im Tunnel, Börsen so lala, Geld ist da, Lufthansa-Großaktionär schießt quer. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Powell will kein Elefant sein

Nachdem die Fed am Montag angekündigt hat, ein breites Portfolio von Unternehmensanleihen zu kaufen, haben sowohl die Bondmärkte und als auch die Aktienbörsen zugelegt. US-Notenbankchef Jerome Powell machte vor dem Bankenausschuss des US-Senats nun deutlich, dass die Käufe über die Secondary Market Corporate Credit Facility nicht ausgeweitet werden. “Wir erhöhen nicht wirklich das Dollar-Volumen der Dinge, die wir kaufen”, sagte Powell am Dienstag. “Wir verlagern einfach von ETFs zu dieser anderen Indexform.” Powell unterstrich, die Fed wolle da sein, wenn sich die Konjunktur verschlechtere. “Wir wollen kein Elefant sein, der am Bondmarkt die Preissignale zerstampft.” Neues von Powell gibt es am Abend, dann steht er einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses Rede und Antwort.

Absatz-Einbruch um 50%: Das Glas ist halb voll

Die Zahl der in Europa zugelassenen Neuwagen ist im Mai um mehr als 50% eingebrochen. Beim VW-Konzern und BMW ging es jeweils rund 57% bergab, bei Daimler 55%. Im Vormonat war das Minus aber noch deutlich größer, bei beispiellosen 76%. Fazit der Börse deshalb scheinbar: Das Glas ist halb voll. Die BMW-Aktie legte am heutigen Mittwoch um bis zu 1,5% zu, Daimler stiegen im Hoch um 2%, Volkswagen etwas weniger. In China, wo inzwischen viele Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufgehoben wurden, stiegen die Verkaufszahlen indessen erstmals seit fast zwei Jahren wieder, wie der Branchenverband VDA betonte.

Börsen erst freundlich, dann seitwärts

Die Börsen haben am Mittwoch zunächst moderat zugelegt, dann aber schwanden die Kursgewinne. Der DAX rutschte im Mittagshandel sogar 0,2% ins Minus. Beim Euro-Stoxx-50 schrumpfte ein Gewinn von bis zu 1% auf ein Mittagsplus von lediglich 0,3%. “Die globalen Märkte befinden sich in einem Spannungsfeld”, sagt Stratege Xavier Chapard von Credit Agricole. “Einerseits dürfte die Gesundheitssituation in einigen Regionen bedrohlich bleiben, zum anderen gibt es einen Strom positiver Konjunkturdaten, die bestätigen, dass wir den Tiefpunkt überschritten haben.” Powells Äußerungen bestärken Chapard in der Ansicht, dass sich die Prioritäten der US-Notenbank verschoben haben: von Notfallmaßnahmen zur Verhinderung einer Kernschmelze am Markt hin zu langfristigen Maßnahmen zur Unterstützung der schnellstmöglichen Konjunkturerholung.

Endlich kein Haushaltstreber mehr: Geld ist da!

Das Bundeskabinett hat informierten Kreisen zufolge heute den Nachtragshaushalt in Höhe von 62,5 Milliarden Euro gebilligt, um das geplante Konjunkturprogramm in diesem Jahr finanzieren zu können. Die geplante Neuverschuldung wird 2020 damit auf 218 Milliarden Euro anwachsen. Im März hatte der Bundestag bereits einen Nachtragsetat über 152 Milliarden Euro verabschiedet. Die Zeiten, in denen Haushaltsdiszplin Deutschland sowohl Hohn als auch Anerkennung einbrachten scheinen vorbei. War die Verschuldung im Zuge der Finanzkrise 2008 von über 80% des Bruttoinlandsprodukts auf rund 60% zurückgegangen, wird sie nun wieder auf 77% des BIP anziehen.

Lufthansa-Staatseinstieg bringt Thiele in Rage

“Die Luft­han­sa braucht für Sanie­rung und Gesun­dung keine Staats­be­tei­li­gung”, sagte Großaktionär Heinz Hermann Thiele im FAZ-Interview und kündigte an, den geplanten Staatseinstieg abblocken zu wollen. In Bezug auf die von Konzernchef Spohr geführten Verhandlungen mangele es an Transparenz, bemängelt Thiele, der seine Beteiligung gerade von 10% auf 15% aufgestockt hat. In Bezug auf die Rettung der Fluggesellschaft durch den Staat sagte er: “Es kann und darf auf alle Fälle aber nicht sein, dass der Bund womög­lich auch noch ein lukra­ti­ves Geschäft daraus macht.” Er wolle die Einsicht wecken, dass es durch­aus eine Alter­nati­ve geben könnte, “auch wenn das vom Vorstand verneint wird”. Lufthansa warnte nach seinen Aussagen von Thiele vor dem Scheitern des Rettungspakets, wenn die Präsenz auf der Hauptversammlung unter 50% liegen würde. Dann wäre nämlich eine Zweidrittelmehrheit nötig.

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