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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Brexit ohne Handelsabkommen droht, Bundesbank sieht Kontraktion von 7,1%, Staatsmaßnahmen stützen Europas Aktien, USA ziehen dicke Konjunkturspritze auf, und Lufthansa fliegt aus Dax. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Brexit ohne Handelsabkommen droht

Nach einer Woche ohne bedeutsame Fortschritte bei den Verhandlungen, scheint es, als würde die aktuelle Verhandlungsrunde zwischen Großbritannien und der Europäischen Union über ihre künftigen Beziehungen ohne Einigung zu Ende gehen. Die beiden Seiten hätten “keine wirklichen Fortschritte gemacht”, sagte Deutschlands EU-Botschafter Michael Clauss, am Donnerstag. Großbritannien müsse einsehen, dass es nicht gleichzeitig volle Souveränität und vollen Zugang zum Binnenmarkt haben kann. Bis Ende des Monats muss die britische Regierung entscheiden, ob sie eine Verlängerung der Verhandlungen über das Ende dieses Jahres hinaus will, was Premierminister Boris Johnson wiederholt ausgeschlossen hat. Warum die Coronavirus-Krise die Kompromissbereitschaft nicht erhöht hat, erklärt Bloomberg-Kolumnistin Therese Raphael.

Bundesbank sieht Kontraktion von 7,1%

Mit dem Abflachen der Coronavirus-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesbank die Talsohle einer Rezession durchschritten, die das BIP in diesem Jahr um 7,1% schrumpfen lassen wird. Nächstes Jahr soll es dann um 3,2% aufwärts gehen und 2022 um weitere 3,8%. Das Wachstum habe inzwischen wieder begonnen, heißt es im Monatsbericht der Zentralbank. Dank der Stützungsmaßnahmen könnten größere bleibende Schäden an Güter- und Arbeitsmärkten wohl vermieden werden. Das Verarbeitende Gewerbe musste im April wegen der Schließung von Unternehmen einen Nachfragerückgang in Rekordhöhe hinnehmen, von dem insbesondere die Investitionsgüterproduzenten betroffen waren. Die Nachfrage aus der Eurozone sackte stärker ab als die aus dem restlichen Ausland und dem Inland.

Staatsmaßnahmen stützen Europas Aktien

Stimulierungsmaßnahmen des öffentlichen Sektors haben die Notierungen von Fluggesellschaften, Autoherstellern und Hotels in Europa nach oben gezogen, da Anleger bei zuvor geprügelten Aktien zuschlugen. Der Stoxx-600-Index steuert auf seine beste Woche seit zwei Monaten zu. Die Begeisterung für Risikoanlagen kehrte am Freitag an die Märkte zurück, als die Anleger auf eine von Impulsen überflutete Weltwirtschaft setzten. Im Hintergrund scheinen sich die Handelsspannungen zwischen den USA und China abzukühlen. Auch die Pandemie zeigt in einigen Ländern Anzeichen eines Nachlassens. “Wir haben wahrscheinlich ein Zeitfenster von vielleicht drei Monaten, in dem sich die Daten weiter verbessern werden”, sagte Peter Chatwell von Mizuho International gegenüber Bloomberg TV. “Das wird ein sehr günstiges Umfeld für eine weitere Verengung der Kredit-Spreads und eine Erholung der Aktienmärkte schaffen”. In Deutschland stiegen Ceconomy nach einer Heraufstufung bei Baader. Tele Columbus profitierten von einer Kursziel-Anhebung bei der Commerzbank. Hugo Boss legten vor einem möglichen CEO-Zugang zu.

USA ziehen dicke Konjunkturspritze auf

Innerhalb der US-Administration geht die Erwartung um, dass in der nächsten Runde der Konjunkturförderung bis zu 1 Billion Dollar in die Wirtschaft gepumpt werden wird. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, zumal US-Präsident Donald Trump ein Infrastrukturpaket und andere Maßnahmen in den nächsten Stimulus aufnehmen will, die die Ausgaben über diesen Betrag hinaus treiben würden. Vor der zweiten Juli-Hälfte werden die Maßnahmen aber wohl nicht in Kraft treten. In Europa freut man sich unterdessen über die Konjunkturprogramme von Christine Lagarde, Ursula von der Leyen und Angela Merkel, die letztendlich die Verschuldung in der EU erhöhen und einer zunehmenden Vergemeinschaftung führen werden. Die Aufstockung und Verlängerung des EZB-Pandemie-Anleihekaufprogramms vom Donnerstag sei wegen zunehmender Deflationsgefahren gerechtfertigt, sagten EZB-Banker aus Spanien und Italien.

Lufthansa fliegt aus Dax

Nach 32 Jahren verlässt die Deutsche Lufthansa den Dax-Index und wird dort durch die Deutsche Wohnen ersetzt, wie die Deutsche Börse am späten Donnerstag mitteilte. Die Aktien der deutschen Fluggesellschaft wechseln in den MDAX. Absteiger aus MDAX und SDAX sind Deutsche Pfandbriefbank, Elmos Semiconductor und MLP. Die Änderungen treten zum 22. Juni in Kraft. Die Corona-Krise hat Flug- und Reiseunternehmen hart getroffen. TUI will die Flotte seiner deutschen Fluggesellschaft informierten Kreisen zufolge halbieren, da auf absehbare Zeit bei TUIfly nur rund die Hälfte der derzeit 36 Maschinen benötigt werde. Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter wurden am Donnerstag über die Pläne informiert, ein TUI-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

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