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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Johnson setzt auf Merkel vor EU-Gipfel, Weidmann stellt sich gegen EZB-Umweltaktivismus, europäische Aktien starten mit Gewinnen in die Woche, türkisches Forschungsschiff soll nahe Rhodos sondieren, und bei Covid geht es um mehr als die Mortalität. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Johnson setzt auf Merkel vor EU-Gipfel

Ein Szenario für den EU-Gipfel am Donnerstag lautet: Ein eigensinniger, unpopulärer Staatslenker torpediert die Brexit-Handelsgespräche just in dem Moment, in dem ein vorläufiges Abkommen in Sicht ist. Die Ängste beziehen sich nicht auf den britischen Premierminister Boris Johnson, sondern Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, wie zu hören ist. Zum Leidwesen der anderen EU-Mitgliedsstaaten will Macron den Status quo für Frankreichs Fischereiflotten, von denen einige 75% ihres Fangs in britischen Gewässern erzielen, partout erhalten. Nach einem Telefonat mit Macron wandte sich Johnson am Sonntag an Bundeskanzlerin Angela Merkel und informierte sie über die “erheblichen Lücken”, die auf dem Weg zu einem Abkommen noch überbrückt werden müssten, “insbesondere in den Bereichen Fischerei und gleiche Wettbewerbsbedingungen”.

Weidmann stellt sich gegen EZB-Umweltaktivismus

Ein Vorstoß für ein grünes Kreditprogramm der EZB zur Dämpfung des Klimawandels ist trotz Sympathien bei Präsidentin Christine Lagarde im Rat auf Skepsis gestoßen. Mitglieder wie Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Bundesbank-Chef Jens Weidmann wehren sich gegen einen Vorschlag der Aktivisten-Organisation Positive Money, die die Zentralbank in den Dienst “einer fairen, demokratischen und nachhaltigen Wirtschaft” stellen will und dafür langfristige Kredite zur Finanzierung umweltfreundlicher Investitionen fordert. Der Kampf gegen den Klimawandel sei eine Jahrhundertaufgabe, aber ebensowenig eine für die Geldpolitik wie sonstige Industrie- oder Verteilungspolitik, sagt Weidmann. Grüne TLTROs werden “wir uns ansehen”, sagte hingegen Lagarde am 28. September.

Europäische Aktien starten mit Gewinnen in die Woche

Der Stoxx Europe 600 Index stieg am Montagvormittag, angeführt von Kommunikations-, Technologie- und Finanzwerten. Große Namen aus einer Reihe von Sektoren werden mit dem Beginn der Berichtssaison für das dritte Quartals in den kommenden Tagen ihre Zahlen vorlegen. Wie in den Vorquartalen dürften Unternehmen die teils dramatisch gesunkenen Erwartungen übertreffen, schrieb Karolina Noculak von Aberdeen Standard Investments in eienr E-Mail. Die Aussichten für Aktien seien weiterhin positiv: “Reichlich Liquidität, eine akkommodierende Politik und unterinvestierte Institutionen deuten allesamt auf ein günstiges Umfeld für künftige Aktienrenditen hin”, sagte sie. In Deutschland profitierten Daimler von einer Heraufstufung bei Goldman Sachs.

Türkisches Forschungsschiff soll nahe Rhodos sondieren

Ein türkisches Forschungsschiff ist am Montag in umstrittene Gewässer des östlichen Mittelmeers zurückgekehrt, was die internationalen Bemühungen zur Entschärfung des Konflikts mit Griechenland erschwert. Die Oruc Reis wird bis zum 22. Oktober seismische Untersuchungen in einem Gebiet zwischen den griechischen Inseln Kastellorizo und Rhodos durchführen. Ankara hatte das Schiff im vergangenen Monat zurückgerufen, um einen Dialog mit Griechenland über territoriale Streitigkeiten zu ermöglichen, und gleichzeitig davor gewarnt, die Arbeiten wieder aufzunehmen, falls keine Fortschritte erzielt würden. Damit eskalieren Spannungen, die bereits durch Ankündigungen beider Seiten zu geplanten Marine-Manövern angeheizt worden waren. Auch die Wiedereröffnung einer Geisterstadt im türkisch kontrollierten Teil Zyperns hatte die Auseinandersetzungen mit der EU verschärft.

Bei Covid geht es um mehr als die Mortalität

Eine der bedrückenden Erkenntnisse der SARS-CoV-2-Forschung laute, dass dieses Coronavirus im Gegensatz zu Erkältungskrankheiten oder den meisten saisonalen Grippen Langzeitfolgen mit sich bringen kann, schreibt Blooomberg-Kolumnist Andreas Kluth. Gehirnerkrankungen, Schädigungen des Herzens, der Lungen oder des Nervensystems sowie allgemeine Schmerzen und Müdigkeit gehören ebenso dazu wie ein dauerhafter Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns. Eine deutsche Studie habe gezeigt, dass etwa zwei von drei Patienten 71 Tage nach der offiziellen Genesung von Covid-19 eine Herzentzündung hatten. Eine derart “lange” Belastung durch Covid werde nicht ohne psychologische Wirkung bleiben, meint Kluth. In Deutschland hat die Zahl der Corona-Diagnosen abgenommen, die Reproduktionszahl ging im Tagesvergleich leicht zurück, blieb aber mit 1,40 nahe dem am Vortag erreichten höchsten Stand seit 19. Juli.

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