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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Trump legt Konjunkturspritze auf Eis, Europas Banken machen Ernst mit Home Office, europäische Aktien wenig verändert, Spanien läuft Italien den Sorgenkind-Rang ab, und Bloomberg-Ökonomen sehen anhaltende EZB-Geldschwemme. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Trump legt Konjunkturspritze auf Eis

US-Präsident Donald Trump hat die Gespräche mit den Demokraten über ein neues Konjunkturpaket abgebrochen - nur Stunden nach dem bisher eindringlichsten Appell von Fed-Chef Jerome Powell für mehr Staatsausgaben. “Ich habe meine Vertreter angewiesen, die Verhandlungen bis nach der Wahl einzustellen”, erklärte Trump am Dienstagabend in einem Tweet. Für den Markt, der begonnen habe, neuen Stimulus einzupreisen, sei dies “sicherlich eine Überraschung” gewesen, sagte Ed Clissold von Ned Davis Research gegenüber Bloomberg TV. Auch Kongress-Republikaner wurden von der Entscheidung kalt erwischt und jegliche Entlassungen im Vorfeld der Wahlen, wo Trump-Herausforderer Joe Biden seine Führung ausbaut, könnten nun dem Konto des Präsidenten zugerechnet werden.

Europas Banken machen Ernst mit Home Office

Wie oft wird man von zu Hause aus arbeiten können, wenn die Pandemie wieder vorbei ist? Viel häufiger als man denken könnte - wenn man für eine europäische Bank arbeitet. Während einige Wall-Street-Kapitäne vor den Gefahren warnen, die von anhaltender Home-Office-Tätigkeit ausgehen, machen sich Europas größte Banken ernsthaft daran, Lehren aus der Pandemie zu ziehen. Vorreiter sind die Niederländer, deren größte Banken prognostizieren, dass die Mitarbeiter nach der Pandemie etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen werden. Dies könnte Kosten senken und den Mitarbeitern eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen. Die Fallstricke, die mit ermüdenden Videokonferenzen und der Vermischung von Privat- und Arbeitszeit einhergehen, will sich Microsoft-CEO Satya Nadella vorknöpfen.

Europäische Aktien wenig verändert

Der Stoxx Europe 600 Index fiel im Verlauf des Vormittags in den roten Bereich, nachdem zuvor Trump-Tweets zu alternativen Konjunkturmaßnahmen für Unterstützung gesorgt hatten. Die Volatilität hat in diesem Monat zugenommen, nachdem Trump sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte und Anleger mit einem Auf und Ab der Gespräche über weitere US-Wirtschaftshilfen konfrontiert wurden. “Die bisherige Markterholung war in Wirklichkeit durch diesen beispiellosen Stimulus sowohl von den Zentralbanken als auch von den Regierungen weltweit angetrieben worden, und ein großer Teil davon kam aus den USA”, sagte Emily Weis von State Street gegenüber Bloomberg TV. Der Zeitrahmen für weiteren US-Stimulus “ist nun weiter nach hinten verschoben worden”. In Deutschland stiegen SMA Solar, die bei Berenberg mit einem Street-High aufgenommen worden waren. Dialog Semi gaben den Großteil ihrer Gewinne nach Veröffentlichung eines Updates für das dritte Quartal wieder ab.

Spanien läuft Italien den Sorgenkind-Rang ab

Spaniens wachsende Liste von Risiken macht Investoren zunehmend nervös. Citigroup empfahl im vergangenen Monat den Verkauf spanischer Anleihen gegen portugiesische Peers mit der Begründung wachsender Finanzsorgen, erneuter separatistischer Spannungen in Katalonien und einer möglichen Rating-Herabstufung. Spanische Bonds hinken einer Rallye in der Eurozone hinterher, die die Renditen Italiens nahe an ein Rekordtief gedrückt hat. Dort steht ein haushaltspolitisches Experiment vor der Tür. Um die Bürger vom Bargeld zu entwöhnen - und der damit verbundenen Steuerhinterziehung - will die Regierung bis 2022 10% der Umsätze von Zahlungskartentransaktionen bis zu einem Maximalbetrag von 300 Euro zurückerstatten, ist zu hören. Bonus: Teilnehmern winken Lotterie-Preise von insgesamt 300 Millionen Euro.

Bloomberg-Ökonomen sehen anhaltende EZB-Geldschwemme

Die grassierende Covid-19-Pandemie in Europa hat neue Einschränkungen des öffentlichen Lebens erforderlich gemacht, was nach Auffassung von Bloomberg-Ökonomen das Wachstum über den Winter hinweg dämpfen wird. Bei beschleunigtem Infektionsgeschehen drohe der Absturz in eine neue Rezession. Auf dieses Szenario werde die EZB mit einer neuen Runde von Asset-Käufen reagieren und das Pandemie-Notkaufprogramm PEPP im Dezember um 600 Milliarden Euro aufstocken. Es bestehe ein klares Risiko, dass die Regierungen zu wenig tun oder dass die nachlassende Vorsicht der Öffentlichkeit dazu führt, dass das Virus ernsthaft außer Kontrolle gerät, so die Ökonomen um Jamie Rush. In Deutschland haben sich zuletzt 2.454 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt, gegenüber 3.100 am Vortag. Die Reproduktionszahl lag den vierten Tag in Folge über der kritischen Marke von eins.

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