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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Commerzbank-Aderlass geht weiter, Lufthansa-Sanierung wird “schmerzhaft”, Corona-Sorgen drücken Aktien, Brexit-Hoffnungen wachsen, und Tote bei Angriff auf Börse von Karatschi. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Commerzbank-Aderlass geht weiter

Nach der Kritik von Großaktionär Cerberus will das Commerzbank-Management informierten Kreisen zufolge die Kosten weiter senken und die Rentabilität erhöhen. Hierfür könnte Vorstandschef Martin Zielke bis zu 7.000 Stellen streichen und rund 400 Filialen schließen. Ein Teil des Managements bezweifelt jedoch die Umsetzbarkeit, im Raum stehen demnach auch weniger extreme Einschnitte. Zielke und Finanzchefin Bettina Orlopp könnten die Sparvorgaben als Teil eines umfangreicheren Umstrukturierungsplans bereits am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorstellen. Eine Sprecherin der Bank erklärte, es seien noch keine Entscheidungen gefallen. Vor vier Jahren hatte Zielke angekündigt, per Saldo 7.300 Stellen streichen zu wollen, dann jedoch nur 3.600 Positionen abgebaut.

Lufthansa-Sanierung wird ‘schmerzhaft’

Die Lufthansa-Sanierung wird nach Einschätzung von Großaktionär Heinz Hermann Thiele fünf bis sechs Jahre dauern und ein “schmerzhafter Weg” sein. Wegen der hohen Schuldenlast reichten Personal- und Sachkostenreduzierung nicht aus, sagte der Milliardär gegenüber der Bild am Sonntag. “Es müssen auch Beteiligungen von Tochtergesellschaften auf den Prüfstand”, sagte Thiele, dessen Einstieg bei der Kranich-Linie nach eigenem Bekunden eine starke “emotionale Komponente” hatte, denn die Marke Lufthansa sei “ein Symbol für Deutschland”. Die Aktie hatte trotz des staatlichen Rettungspakets zuletzt kein gute Woche, da die Coronavirus-Sorgen global wieder zunahmen. In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen weiter rückläufig, die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, liegt mit 0,71 weiter unter der Marke von eins.

Corona-Sorgen drücken Aktien

Europäische Aktien waren zu Beginn der Woche anlässlich neuer Sorgen über die global steigende Zahl neuer Coronavirus-Fälle unter Druck. Der Stoxx Europe 600 Index fiel um bis zu 0,6%, konnte sich gegen Mittag aber wieder in die Gewinnzone vorkämpfen. Der Erdölsektor führte den Rückgang an, während Verbrauchsgüterhersteller ebenfalls zu den größten Nachzüglern gehörten. Anleger nehmen angesichts von weltweit mehr als 10 Millionen Coronavirus-Fällen Gewinne aus Risikoanlagen mit. “Die Märkte sind wegen steigender Coronavirus-Fälle rückläufig, wir sehen einige Gewinnmitnahmen”, sagte Ulrich Urbahn von Berenberg. “Wir erwarten einen volatilen Sommer mit begrenzten Abwärtsrisiken, da Positionierung und Stimmung vorsichtig bleiben”. Im Dax verdreifachten sich Wirecard zeitweise und lagen zuletzt um 120% im Plus.

Brexit-Hoffnungen wachsen

Im Maschinenraum der Brexit-Verhandlungen machen sich die Hauptakteure bereit, in Aktion zu treten. Sechs Monate vor der endgültigen Trennung Großbritanniens von der EU treffen sich der britische Chefunterhändler David Frost und Clara Martinez Alberola, die stellvertretende Chefunterhändlerin der EU, am Montag erstmals seit März persönlich in Brüssel. Zwar sind es die Politiker, die die Fäden ziehen, aber auf Arbeitsebene hinter verschlossenen Türen sind es die Arbeitsbienen, die Deals zum Gelingen oder Scheitern bringen können. Nach Fortschritten Mitte des Monats sind Frost und Martinez Alberola trotz bestehender Differenzen optimistischer hinsichtlich eines Erfolges als je zuvor in diesem Jahr, heißt es aus informierten Kreisen.

Tote bei Angriff auf Börse von Karatschi

Pakistanische Sicherheitsbeamte haben in Karatschi vier Männer getötet, bevor sie mit automatischen Gewehren und Handgranaten bewaffnet das Börsengebäude betreten konnten. Es sei sehr heftig geschossen worden, erklärte der Chef des Aba Ali Habib Sicherheitsdienstes, der sich in seinem Büro im vierten Stock der Börse befand. Laut Habib eröffneten die Terroristen das Feuer, als die Sicherheitsbeamten ihr Auto kontrollierten. Ein Polizist und zwei Sicherheitsbeamte der Börse wurden laut Medienberichten bei dem schlimmsten Terroranschlag in Pakistans Finanzzentrum seit zwei Jahren ebenfalls getötet. Es könne sich um eine gescheiterte Geiselnahme gehandelt haben, sagte Ikram Sehgal von Pakistans größter privater Sicherheitsfirma: “Es wird noch mehr solcher Angriffe geben.”

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