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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- Argentinien im Abwärtsstrudel, US-Langläufer signalisieren Nervosität, Geopolitik dämpft Europas Aktienmärkte, Bolton hilft Boris, und Lagardes Mission wird ein Kurswechsel Berlins sein. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Argentinien im Abwärtsstrudel

Nach der krachenden Niederlage von Präsident Mauricio Macri bei den Vorwahlen am Wochenende treten Ängste vor einer ausgewachsenen Finanzkrise in Argentinien in den Vordergrund. Seitdem verkaufen Investoren alles - von Aktien, Anleihen bis zur Währung. Das wirft Fragen nach einer erneuten Staatspleite auf. Zumindest ist es wahrscheinlicher geworden, dass im Dezember eine protektionistischere Regierung einige der Erfolge Macris bei der Wiedergewinnung internationalen Vertrauens verspielen könnte. Investoren fürchten, dass mit dem favorisierten Alberto Fernandez und seiner Vizekandidatin Cristina Kirchner, der früheren Präsidentin, die populistische Politik zurückkehren könnte. Wenigstens halten Fondsmanager die Ansteckungsrisiken für die globalen Schwellenländer für begrenzt.

US-Long-Bonds signalisieren Nervosität

Renditen auf 30-jährige US-Staatsanleihen nähern sich einem historischen Tiefststand, da Anleger vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten Zuflucht in sicheren Häfen suchen. Der Fall in die Nähe des im Juli 2016 erreichten Rekordtiefs von 2,0882% am Montag und die Abflachung der Kurve zwischen 2 und 10 Jahren “deutet darauf hin, dass der Markt weniger von den Erwartungen der Federal Reserve als vielmehr von einer Flucht in die Qualität” getrieben wird, sagte Gennadiy Goldberg von TD Securities. Neben Argentinien ist es jüngst die sich verschärfende politische Krise Hongkongs, die die Anleger alarmiert. Demonstrationen gegen die Regierung halten dort bereits seit zehn Wochen an und ein Ende ist nicht in Sicht. Der Trend geht zu weiter fallenden Renditen.

Geopolitik dämpft Europas Aktienmärkte

Europäische Aktien rutschten ab, da die Turbulenzen in Hongkong und Argentinien weitere Sorgen anhäuften für Anleger, die bereits über den Handelskrieg beunruhigt sind. Der Stoxx Europe 600 Index fiel einen dritten Tag in Folge, belastet durch Industrie- und Bankwerte. Der jüngste Ausverkauf von Risikoaktiva verstärkt die ohnehin schon schlechte Stimmung an den Märkten im volumenschwachen Monat August. Beim Handelskrieg zwischen den USA und China deutet sich keine Entspannung an und eine Reihe von Daten deuten auf eine Verlangsamung des globalen Wachstums hin. In Deutschland fielen Henkel, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt hatte. Ceconomy stürzten ab, nachdem der Unterhaltungselektronik-Einzelhändler für Q3 Erwartungen enttäuscht hatte. HelloFresh stiegen nach einer Verengung der Gj-Prognose auf den oberen Bereich.

Bolton hilft Boris

Während die EU Boris Johnson beim Brexit die kalte Schulter zeigt, hat Donald Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton den Briten den Abschluss sektoraler Handelsabkommen in Aussicht gestellt, um dem Land nach einem No-Deal-Ausstieg aus der EU zu helfen. Bei einem Besuch in London am Montag überbrachte Bolton dem neuen Hausherrn von 10, Downing Street eine Beistands-Botschaft seines Chefs. “Tatsächlich ist der Hauptzweck dieses Besuchs, den Wunsch Präsident Trumps nach einem erfolgreichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU am 31. Oktober zu vermitteln”, sagte Bolton. Vor einem umfassenden bilateralen Handelsabkommen könnten zunächst kleinere Zwischenschritte - z.B. für Autohersteller - vereinbart werden. Die Botschaft sei: “Wir sind bei euch”.

Lagardes Mission wird ein Kurswechsel Berlins sein

Noch bevor Christine Lagarde als nächste EZB-Präsidentin bestätigt ist, stapelt sich die Arbeit schon auf ihrem Schreibtisch, schreibt Bloomberg-Kolumnist Ferdinando Giugliano. Die Eurozone laufe Gefahr, zum größten Kollateralopfer des Handelskrieges zwischen den USA und China zu werden, und die nicht-Zentralbankerin müsse alle ihre politischen Fähigkeiten einsetzen, um einen Ausweg aus einer drohenden Rezession zu finden. Während sie bei der Geldpolitik nur den Kurs ihres Vorgängers fortsetzen müsse, bestehe ihre eigentliche Herausforderung darin, Berlin die Ausgabendisziplin auszureden und die Regierung von einer zentralisierten Fiskalkapazität für die Eurozone zu überzeugen. Leider seien ihre Erfolgsaussichten gering - die Eurozone brauche erst eine Krise, um zu handeln. Der Rückgang im ZEW-Indikator gibt darauf einen Vorgeschmack.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Erhard Krasny ekrasny@bloomberg.net, Katrin Haertel

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