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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Ingo Kolf
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- Deutschland verfügt kaum über Möglichkeiten für Konjunkturmaßnahmen, Bondmarkt wird immer unsicherer, Trumps Zölle fallen auf ihn zurück, bei Europas Banken sollte das fallende Messer vielleicht ergriffen werden, und Amerikaner machen keinen Urlaub mehr. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Deutschland hat kaum Möglichkeiten für Stimuli

Im zweiten Quartal ist die deutsche Wirtschaft leicht geschrumpft und auch der Ausblick bleibt gedämpft, wie das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Bericht zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im August schreibt. Von allen Seiten prasseln Forderungen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel ein, Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur zu ergreifen - doch ihre Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Aufgrund der Schuldenbremse kann die Verschuldung in Zeiten des Wachstums um lediglich 0,35% der Wirtschaftsleistung steigen, und selbst wenn das BIP um 0,5% sinken würde, wären lediglich zusätzliche Ausgaben von 3,5 Mrd. Euro möglich. Um alleine den Schaden durch die Abschwächung in den vergangenen zwölf Monaten auszugleichen, wären Ausgaben von mindestens 30 Mrd. Euro, oder 1% des BIP, nötig, hat Bloomberg Economics errechnet.

Bondmarkt wird immer unsicherer

Die Zeiten saftiger Renditen am Bondmarkt sind wohl vorerst vorbei. Nachdem in Deutschland die Anleiherenditen bei allen Laufzeiten jüngst in den negativen Bereich gefallen sind, gibt Alan Greenspan nun auch für den Treasuries-Markt eine Warnung aus: Es bestehe keine Barriere, die verhindern würde, dass auch die Treasury-Renditen unter Null fallen, erklärte der einstige Fed-Chef im Telefoninterview mit Bloomberg. Am Dienstag sind bereits mit den 10-Jahres-Anleihen von Nestle die ersten Unternehmens-Langläufer in negatives Terrain gefallen. Bond-Star Michael Hasenstab, der Verwalter des über 11 Mrd. Dollar schweren Templeton Emerging Markets Bond Fund, wurde unterdessen von einer anderen Realität unberechenbarer Anleihemärkte eingeholt: Sein Fonds verlor wegen der Argentinien-Krise in kürzester Zeit mindestens 1 Mrd. Dollar.

Trumps Zölle fallen auf ihn zurück

Inmitten von Sorgen wegen des Handelskriegs mit China hat US-Präsident Donald Trump sich dem Druck amerikanischer Unternehmen gebeugt und die Einführung neuer Zölle auf eine Reihe von Verbraucherprodukten vorerst aufgeschoben. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Ruhe im Weihnachtsgeschäft sich für ihn auszahlen wird, oder ob das Kind nicht schon in den Brunnen gefallen ist: Der Industriesektor - der Bereich in dem Trump Stellen schaffen wollte und der auch für seine Wiederwahl entscheidend sein könnte - steuert auf eine Rezession zu. In China scheint man das Hin und Her der Aussagen Trumps mehr oder weniger zu ignorieren: Wie aus informierten Kreisen verlautete, hält die Handelsdelegation des Landes an ihrem Plan fest, im September für Gespräche nach Washington zu reisen.

Sollten Investoren bei Banken ins fallende Messer greifen?

Auf den ersten Blick erscheint es wie keine gute Idee, in diesen Zeiten Aktien europäischer Banken zu kaufen. Viel spricht dagegen: Seit Ende Juli haben die Kurse der Institute im Schnitt etwa 10% verloren, ihr Branchenindex ist mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit Juli 2016 gefallen. Marktteilnehmer warnen davor, nach dem fallenden Messer zu greifen. Vielleicht ist jedoch gerade dies die richtige Zeit, um von den niedrigen Bewertungen zu profitieren, argumentieren die Analysten von Bloomberg Intelligence. Sie gehen davon aus, dass potenzielle Katalysatoren für die Aktienkurse - positive Schritte der EZB, neue Sparpläne der Banken, realistischere Zielsetzungen und das mittlerweile sichtbare Ende schwächerer Einnahmen - kommen werden.

Amerikaner machen keinen Urlaub mehr

In den Vereinigten Staaten hat die Angst vor einer Rezession bei der Bevölkerung immer größere Auswirkungen. Auch wenn Amerikaner so wenig Urlaub haben, wie wenige andere Beschäftigte auf der Welt, gönnen sie sich zurzeit lieber nichts. Mehr als 40% der Amerikaner haben in den vergangenen 12 Monaten auf einen Urlaub verzichtet, vor allem wegen der Kosten, wie aus einer neuen Studie hervorgeht. Aufgrund der Handelsspannungen sehen Volkswirte die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft innerhalb der nächsten 12 Monate bei 35%. Tatsächlich haben auch 40% der Amerikaner den Eindruck, dass es um ihre Wirtschaft “nicht so gut” oder sogar “schlecht” bestellt sei.

Kontakt Reporter: Ingo Kolf in Berlin ikolf@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Erhard Krasny ekrasny@bloomberg.net, Rainer Buergin

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