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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- EU will keinen Anti-China-Gipfel der G7, Deutsche Bank treibt Filialsterben voran, Europas Aktien drehen ins Plus, Mnuchin will keinen zweiten Shutdown, und Europas Aktienhändler zieht es nicht ins Büro. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

EU will keinen Anti-China-Gipfel der G7

Die EU-Staaten wollen Donald Trump nicht den Gefallen tun, Staffage für einen Anti-China-Gipfel der G7 in Washington zu sein. Als Gastgeber des diesjährigen Treffens darf der US-Präsident einladen, wen er will. Seine Überlegungen, Staats- und Regierungschefs aus Russland, Australien, Indien und Südkorea an den Tisch zu bitten, nicht aber den Chinesen Xi Jinping, hat in den europäischen Hauptstädten die Alarmglocken schellen lassen. Die Teilnehmerliste sei ein klarer Ausdruck seines Wunsches, das Treffen für eine antichinesische Kampagne zu nutzen, sagten europäische Diplomaten, die entschlossen sind, sich nicht vor Trumps Karren spannen zu lassen. Fraglich ist jedoch, ob Deutschland, Frankreich und Italien auch Japan, Großbritannien und Kanada gegen Trump in Stellung bringen können.

Deutsche Bank treibt Filialsterben voran

Die Deutsche Bank will informierten Kreisen zufolge die Ausdünnung ihres Filialnetzes in Deutschland beschleunigen, um die Kosten weiter zu senken. Der Umfang der Einschnitte soll von den Ergebnissen eines Pilotprojekts abhängen, bei dem Kunden der beiden inländischen Retail-Marken Deutsche Bank und Postbank in derselben Filiale bedient werden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein Teil des Managements betrachte die Erfolgsaussichten des Tests mit Skepsis, hieß es. Eine Banksprecherin erklärte, das Filialnetz werde kontinuierlich angepasst, darüber hinausgehende Filialschließungen werde es nicht geben. Im deutschen Privatkundengeschäft sollen bis Ende 2022 Einsparungen von 1 Milliarde Euro realisiert werden, der Löwenanteil des angestrebten Gesamtvolumens von 2,5 Milliarden Euro.

Europas Aktien drehen ins Plus

Die europäischen Aktien drehten nach einer schwächeren Eröffnung in den positiven Bereich und erholten sich von ihrem größten Ausverkauf seit März. Der Stoxx Europe 600 Index lag gut 1% im Plus, angeführt von Autos, Reiseaktien und Banken, die Anfang der Woche abgesackt waren. “Auch wenn die Konsolidierung möglicherweise noch nicht abgeschlossen ist und die fundamentalen Aufwärtsbewegungen auf dem derzeitigen Niveau begrenzt sind, sind wir der Meinung, dass bei weiteren Kursrückgängen gekauft werden sollte”, schrieb Barclays-Stratege Emmanuel Cau am Freitag in einer Note. Das “große Bild” habe sich nicht verändert, und die reichlich vorhandene Liquidität sollte weiterhin unterstützen. Im Dax führten Daimler, MTU Aero und Lufthansa die Liste der Gewinner an.

Mnuchin will keinen zweiten Shutdown

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat in Aussicht gestellt, dass bei einer zweiten Coronavirus-Infektionswelle die US-Wirtschaft nicht wieder heruntergefahren würde. “Wir haben gelernt, dass, wenn man die Wirtschaft abschaltet, man noch mehr Schaden anrichtet - medizinische Probleme, die auf Eis gelegt werden”, sagte Mnuchin am Donnerstag auf CNBC. “Wir können die Wirtschaft nicht wieder zum Erliegen bringen”. US-Aktien waren am Mittwoch inmitten von Hinweisen abgestürzt, dass sich eine zweite Welle von Coronavirus-Fällen aufbaut. Ähnlich äußerte sich für Deutschland Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen, in einem Bloomberg-Interview. Eine zweite Welle, spätestens im Winter, sei unvermeidlich, ein erneuter Lockdown müsse aber vermieden werden. Südkorea habe vorgemacht, dass dies möglich sei. Die Zahl neuer Coronavirus-Fälle in Deutschland blieb jüngst unter Kontrolle und die Infektionsrate verharrte unter der wichtigen Marke von 1,0.

Europas Aktienhändler zieht es nicht ins Büro

Die europäischen Aktienhändler haben meist die Nase gerümpft bei der Vorstellung, von zu Hause aus zu arbeiten, aber die Pandemie hat alles geändert. Eine Mehrheit will das Büro nun zumindest zeitweise meiden, was eine kleine Revolution in einer Branche bedeuten könnte, die für ihre langen Arbeitszeiten und ihren gnadenlosen Wettbewerb bekannt ist. Vier Fünftel der 85 Händler, die in diesem Monat von Bloomberg befragt wurden, sagten, dass sie zumindest zeitweise Tele-Arbeit leisten wollen, wenn die derzeitigen Beschränkungen beendet sind. Unter 254 Finanzmarktprofis würden sogar mehr als 90% in Zukunft Heimarbeit in Betracht ziehen. Danske Bank A/S hat angekündigt, dass ihre Mitarbeiter einige Tage in der Woche von zu Hause aus arbeiten können. JPMorgan Chase & Co. geht davon aus, dass die Büros in “absehbarer Zukunft” höchstens halb voll sein werden. In Spanien testet ING Groep NV einen Plan, der den Mitarbeitern ab dem 1. September völlige Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes geben soll.

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