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Fünf Themen des Tages: EZB hält Märkte hin, fischloser Fisch

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(Bloomberg) -- Commerzbank enttäuscht, EZB lässt Markt zu PEPP im Dunkeln, europäische Aktien steigen, Delta lastet auf Chinas Wirtschaft, und jetzt auch noch fischloser Fisch. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Commerzbank enttäuscht

Commerzbank-Aktien sind um bis zu 5,1% abgesackt, nachdem das Frankfurter Institut die Schätzungen für das zweite Quartal verfehlt hat. Indessen hielt die Bank an ihrer Prognose fest, dass die Erträge im Geschäftsjahr über denen des Vorjahres liegen werden. RBC sieht Einmaleffekte am Werk und stellt fest, dass nach Bereinigungen die operative Performance besser als erwartet ausgefallen sei. Die Fähigkeit der Bank, ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite von 7% bis 2024 zu erreichen, dürfte in den kommenden Quartalen immer deutlicher werden, heißt es bei BI. Angesichts einer CET1-Quote von 13,4% sei auch das Rückkaufpotenzial intakt. Auf Bloomberg TV merkte Finanzchefin Bettina Orlopp an, dass der Ausblick für den Provisionsüberschuss in den nächsten Monaten “sehr vielversprechend” sei.

EZB lässt Markt zu PEPP im Dunkeln

Wer für den kommenden Monat auf mehr Klarheit über die Zukunft der Pandemie-Anleihekäufe der EZB gehofft hatte, könnte enttäuscht werden. EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks sagte im Bloomberg-Interview, dass angesichts noch vorhandener Mittel in Höhe von fast 600 Milliarden Euro und der Laufzeit des Programms mindestens bis Ende März es zu früh wäre, im September eine Entscheidung über eine Verlängerung oder ein Auslaufen der Käufe zu treffen. Die September-Sitzung, bei der neue Wirtschaftsprognosen vorliegen werden, war von manchen Beobachtern als entscheidend angesehen worden für eine Debatte über den geldpolitischen Kurs nach der Pandemie. In weiten Teilen des Euroraums nehmen die Coronavirus-Infektionen jedoch wieder zu, so dass neue Beschränkungen drohen, die die wirtschaftliche Erholung gefährden könnten.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien haben am Mittwoch dank der Erholung bei den Unternehmensgewinnen neue Rekordhöhen erklommen. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um rund 0,5% im Plus, wobei der Reise- und Freizeitsektor sowie der Technologiesektor zu den besten Werten gehörten. Defensive Bereiche wie das Gesundheitswesen und Versorger zeigten eine schwächere Performance. “Die positiven Gewinnmeldungen überwiegen die Risiken, die sich aus der Ausbreitung der Delta-Variante und dem harten Vorgehen der chinesischen Aufsichtsbehörden ergeben”, sagte Madison Faller von JPMorgan Private Bank. “Das Gewinnwachstum dürfte sich fortsetzen.” In Deutschland fielen Siemens Energy nach Senkung des Margenausblicks. Hugo Boss stiegen nach Bestätigung der angehobenen Jahresprognose.

Delta lastet auf Chinas Wirtschaft

Der heftigste Covid-19-Ausbruch in China seit Beginn der Pandemie Ende 2019 beeinträchtigt den Tourismus des Landes und dämpft die Ausgaben während der Urlaubssaison. Die Delta-Variante hat sich innerhalb von zwei Wochen auf fast die Hälfte der 32 Provinzen Chinas ausgebreitet. In Folge wurden Touristenorte geschlossen, kulturelle Veranstaltungen abgesagt und Flüge gestrichen. Nomura hat die BIP-Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 8,2% von 8,9% gesenkt. Immerhin bläst den Finanzmärkten weniger Gegenwind von der Politik ins Gesicht. Die chinesischen Staatsmedien befleißigen sich einer zurückhaltenderen Kritik an der Videospielindustrie. Statt “geistiges Opium” zu beklagen wird nun an Regierung, Schulen, Familien und die Gesellschaft insgesamt appelliert, Kinder besser vor übermäßigem Spielen zu schützen.

Jetzt auch noch fischloser Fisch

“Das wird ein Problem für uns”, sagte ein Marketing-Chef für Thunfisch, als er Anfang letzten Jahres in eine getrocknete Tomate biss, die mit Olivenöl, Algenextrakt, Gewürzen und Sojasauce verfeinert war. An die Erschütterung des Fischverkäufers erinnert sich Ida Speyer, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Mimic Seafood, weil es für sie das höchste Lob für ihre zarten Tunato-Thunfischscheiben bedeutete, die überhaupt keinen Thunfisch enthalten. Das in Madrid ansässige Start-up steht im Kampf um das letzte leere Supermarkt-Regal im boomenden Markt für pflanzliche Proteine: Meeresgetier. Im letzten Jahr wuchs der US-Umsatz mit pflanzlichen Meeresprodukten um 23% auf 12 Millionen Dollar - verglichen mit einem Markt für traditionelle tierische Meeresbewohner im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Auch im Vergleich zum Umsatz mit veganen Steaks, Würstchen und Hähnchen-Nuggets sind das noch kleine Fische. Aber das Rennen um das nächste Beyond Meat läuft.

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