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Fünf große Hoffnungen der Agentur für Sprunginnovationen

Gillmann, Barbara
·Lesedauer: 4 Min.

Ein neues Alzheimer-Medikament und eine Mikroplastik-Filteranlage gehören zu den Hoffnungen der Agentur. Vom Erfolg der Projekte hängt nun die zukünftige Förderung ab.

Ein Maschinenbauer etwa entwickelte eine Hochwindanlage, die mit einer Höhe von 250 Metern mit dem Berliner Fernsehturm mithalten kann. Foto: dpa
Ein Maschinenbauer etwa entwickelte eine Hochwindanlage, die mit einer Höhe von 250 Metern mit dem Berliner Fernsehturm mithalten kann. Foto: dpa

Im September 2020 wurde der Aufsichtsrat der Agentur für Sprunginnovationen (kurz Sprind) bestimmt – und hat seither bereits für fünf herausragende Innovationen eigene Tochtergesellschaften auf den Weg gebracht. Sie werden nun zunächst mit mehreren Millionen Euro pro Jahr gefördert. Zeichnet sich Erfolg am Markt ab oder stehen weitere Großinvestitionen an, etwa für eine weitere klinische Phase-3-Prüfung, kann deutlich mehr Geld fließen.

1. Das Alzheimer-Medikament

Dieter Willbold, Professor an der Universität Düsseldorf und Chef des Instituts für Strukturbiochemie im Forschungszentrum Jülich, hat einen Mechanismus entwickelt, der die für Alzheimer typischen Eiweißverklumpungen im Gehirn nicht über das Immunsystem, sondern physikalisch-chemisch auflöst.

„Es gibt die wissenschaftlich gut begründete Hoffnung, dass die Alzheimer’sche Demenz besiegt werden kann“ sagt er. Das Medikament sei zudem günstig herzustellen und einfach oral verabreichbar. Langfristig könnte es auch bei der Bekämpfung von Parkinson, ALS oder Diabetes helfen, hoffen er und Sprind.

Gegenwärtig betrifft Alzheimer weltweit mehr als 30 Millionen Menschen – Tendenz stark steigend. Die klinische Phase-1-Studie an gesunden Probanden, in der es um Sicherheit und Verträglichkeit des Wirkstoffs geht, ist bereits erfolgreich beendet. Zusammen mit Sprind wird Willbold das Therapeutikum weiterentwickeln – zunächst im Rahmen einer klinischen Phase-2-Studie an Alzheimer-Patienten. Ergebnisse werden für 2026 erwartet.

Der Wirkungsmechanismus nutzt die Entdeckung von Prionen als Krankheitserreger durch den Medizin-Nobelpreisträger Stanley Prusiner: „Ich bin sehr froh, dass die biochemischen Ursachen dieser schrecklichen Krankheit nun direkt behandelt werden können“, sagt Prusiner. Er selbst engagiert sich nun im Aufsichtsrat von Willbolds Gesellschaft „Priavoid“ – ebenso wie Detlev Riesner, Mitbegründer mehrerer Biotech-Unternehmen wie Qiagen.

2. Der Analogrechner

Der „universelle Analogrechner-on-a-Chip“ ist ein Projekt des Frankfurter Informatikers Bernd Ulmann. „Er könnte 100.000 Mal schneller sein als ein Digitalcomputer und dabei nur ein 100.000stel der Energie brauchen“, schwärmt Sprind-Chef Laguna. Der etwa schrankgroße Rechner verbrauche nicht mehr Energie als ein Heizlüfter. „Das ist keine Magie, sondern möglich“, sagt Ulmann. Digital sei „unterkomplex und auch nicht menschlich genug“.

Denn ein normaler digitaler Computer arbeite programmgesteuert, durch einen Algorithmus. Das bedeutet, er führt einzelne Schritte aus und arbeitet diese nacheinander ab. Ein Analogrechner hingegen kennt keine Schritt-für-Schritt-Ausführung, alle Rechenelemente arbeiten hier parallel, erläutert der FH-Professor. „Im Prinzip also wie ein Nervensystem, wie das menschliche Gehirn.“

Analogrechnern gehöre die Zukunft, erklärt Ulmann. Für die Realisierung benötige er lediglich eine Mannschaft von zehn bis 15 Experten und zwei Jahre Zeit, sagte er im vergangenen Jahr. Die Zeit drängt, meint Agenturchef Laguna, da der frühere Geheimtipp Analogrechner mittlerweile weltweit als Alternative zum Digitalcomputer stark diskutiert werde. Denn Letzterer stoße etwa bei Künstlicher Intelligenz zunehmend an seine Grenzen.

3. Das Super-Windrad

Der Leipziger Maschinenbauer Horst Bendix entwickelte eine Hochwindanlage, die mit einer Höhe von 250 Metern mit dem Berliner Fernsehturm mithalten kann – und so die Windenergie auf dem Land revolutionieren soll. Aufgrund der Höhe könne sie fast kontinuierlich Strom produzieren und ist deutlich billiger als bisherige Windräder.

Möglich werde das durch den Bau aus Standard-Stahlrohren und einen tiefer gelegten Generator. Das reduziere das Turmgewicht um 50 Prozent und die Gesamtanlagekosten um 40 Prozent. Dies senke auch die Kosten pro erzeugter Megawattstunde. Die „Gesellschaft für Forschung zu innovativen Höhenwindanlagen mbH“ ist bereits gegründet.

4. Die Mikroplastik-Filteranlage

Der Kölner Innovator Roland Damann will die Wasserverschmutzung mit kleinen Plastikteilchen, dem sogenannten Mikroplastik, bekämpfen: Das Microbubbles-Gasblasenmatrix-Verfahren soll dieses sowohl aus Oberflächenwasser als auch aus Abwasser herausfiltern. Damann setzt auf eine Art Schwimmring, der das Mikroplastik mithilfe von Gasbläschen ausschwemmt. An Land hat sich die sogenannte „Microflotation“ bereits bewährt, Damann will sie nun in Gewässern einsetzen.

5. Die IT-Struktur für Gaia-X

Der Open-Source-Vordenker und IT-Stratege Kurt Garloff hat eine Open-Source-Infrastruktur für das europäische Cloud-Projekt Gaia-X entwickelt. Gaia-X ist ein zentrales industriepolitisches Projekt der Bundesregierung. Es soll helfen, die europäische Wirtschaft unabhängiger von großen Cloud-Anbietern aus den USA und China zu machen. Anfangs wuchs das Projekt Sovereign Cloud Stack (SCS) unter dem Dach der Bundesagentur Sprind – mittlerweile hat sie es komplett an Gaia-X weitergegeben. Dort ist SCS auch bereits integriert.