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Fünf Gründe, warum die Aktie von Delivery Hero gerade steigt

·Lesedauer: 4 Min.

Der Lieferdienst koppelt sich vom aktuellen Dax-Einbruch ab. Dem Neuling im deutschen Leitindex gelingt es, unabhängig von Lockdowns zu wachsen

Der Essenslieferdienst profitiert vom Bestellboom während der Coronakrise. Foto: dpa
Der Essenslieferdienst profitiert vom Bestellboom während der Coronakrise. Foto: dpa

Der Lieferdienst Delivery Hero trotzt dem Dax-Einbruch. Während der Leitindex wegen der Sorgen über einen erneuten Lockdown mehr als 300 Punkte verlor, legte die Aktie des Lieferdienstes zum Börsenstart um über fünf Prozent zu. Das sind die fünf wichtigsten Gründe für den Optimismus der Aktionäre:

1. Delivery Hero ist immun gegen Corona – in beide Richtungen

Der Umsatz des Dax-Konzerns verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 776 Millionen Euro. Dieses Wachstumstempo hält der Konzern nun schon seit sieben Quartalen durch. Das Wachstum ist also genauso groß wie vor der Coronakrise. Selbst im zweiten Quartal mit weltweiten Restaurantschließungen blieb das Wachstum konstant.

Anders als etwa Hello Fresh legte Delivery Hero in der Coronakrise nicht überproportional zu. Das heißt: Der Umsatz ist anders als bei den meisten anderen nicht direkt an das Corona-Geschehen gekoppelt – zumindest bisher. Damit wird ausgerechnet der Dax-Neuling zu einer Art sicherem Hafen. Zudem hat Delivery Hero kein Deutschland-Geschäft, wäre also von den aktuell diskutierten Maßnahmen in Deutschland nicht betroffen, die am Mittwoch den Dax belasteten. Die Mitarbeiter in Berlin sind sowieso weitgehend im Homeoffice.

Der Grund für die Stabilität: Einerseits steigt der Bedarf nach geliefertem Essen im Lockdown an. Gleichzeitig gibt es auch gegenläufige Effekte: So sind viele Restaurants geschlossen, die sonst liefern lassen würden. Delivery Hero kann aber über Gutscheine und Rabatt-Aktionen solche Effekte aktiv austarieren, sodass die Umsatzziele weder über- noch untererfüllt werden.

2. Delivery Hero kommt besser gegen die weltweite Konkurrenz an als gedacht

Ein Kritikpunkt am Dax-Aufstieg vor wenigen Wochen war, dass Delivery Hero noch nie Gewinne ausgewiesen hat. Das liegt auch an den hohen Investitionen ins Wachstum. Zuletzt hatten Zusatzausgaben die Aktie gebremst. Konzernchef Nikolas Östberg hat sich nämlich eine Art Zusatzkasse reserviert. Er will so Spielraum für kurzfristige Ausgaben haben, um die Marktführerschaft in einzelnen Ländern zu sichern und die Expansion etwa nach Japan voranzutreiben.

Von diesem Geld braucht er nun etwas weniger als gedacht. Der Topf schrumpft von 150 Millionen Euro auf 120 Millionen Euro. Entsprechend ist zu erwarten, dass der Jahresverlust geringer ausfällt. Als Grund dafür nennt Östberg, dass Delivery Hero sich besser behauptet als erwartet. Zuletzt habe der Konzern in sechs weiteren Ländern die Marktführerschaft erobert, sie aber nirgendwo abgeben müssen.

3. Die Prognose für das Gesamtjahr fällt etwas besser aus

Östberg hinterlegt den Optimismus mit Zahlen: Er erwartet nun, dass der Umsatz 2020 auf 2,7 Milliarden Euro bis 2,8 Milliarden Euro steigt. Das ist zwar nur eine geringe Anpassung gegenüber der bisherigen Spanne von 2,6 Milliarden Euro bis 2,8 Milliarden Euro. Delivery Hero demonstriert damit aber Verlässlichkeit, die in den Vorjahren bisweilen gefehlt hat – etwa als der Konzern Gewinnziele wieder einkassierte.

4. Die Pläne für das Neugeschäft gehen auf

Östberg konnte am Mittwoch einige Erfolge vermelden. Der Markteintritt in Japan verlaufe so schnell wie in noch keinem anderen Land – trotz des zeitgleichen Eintritts des Konkurrenten Wolt. Noch wichtiger ist, dass die Idee, die Lieferanten auch Supermarktartikel zu den Kunden bringen zu lassen, schnell Wirklichkeit wird. In 41 Ländern gibt es dieses Angebot inzwischen, 30.000 Läden machen mit. Dazu kommen bis zum Jahresende 400 eigene lokale Lager. Delivery Hero wird damit zunehmend zum Einzelhändler auf eigene Rechnung.

Entsprechend passt Östberg das langfristige Gewinnziel an: Er definiert nun die Zielmarge nicht mehr anhand des eigenen Umsatzes, sondern anhand des Warenwerts. Die technische Umstellung ist auch ein Zeichen für den Erfolg des neuen Segments, das er Quick-Commerce oder kurz Q-Commerce nennt. Das weckt Fantasien: Womöglich wird Delivery Hero als Einzelhändler immer unabhängiger von den Gastronomen – und erschließt sich enormes Wachstumspotenzial.

5. Weniger Ärger mit den Regulierern

Bei den jüngsten Übernahmen kommt Delivery Hero gut voran: Die Akquisition von Glovo in Lateinamerika haben fast alle Aufsichtsbehörden akzeptiert. In Südkorea steht die Genehmigung eines wichtigen Deals noch aus, aber Östberg ist weiter zuversichtlich, die Zustimmung der Kartellwächter bis zum Jahresende zu erhalten.