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Ein führender Virologe sagt, dass wir uns wegen der Affenpocken nicht vor einer weiteren Pandemie sorgen müssen

Affenpocken treten nun auch erstmals in Deutschland auf.
Affenpocken treten nun auch erstmals in Deutschland auf.

Die Affenpocken haben nun auch Deutschland erreicht. Das bayerische Gesundheitsministerium bestätigte den ersten Affenpocken-Fall. Auch in Nordrhein-Westfalen liegen dem Landesgesundheitsministerium zufolge erste Hinweise "auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus" vor. Droht nun eine neue Pandemie in Deutschland und Europa?

Nein, sagt der Pocken-Experte und Virologe Gerd Sutter im Gespärch mit der "Zeit". Sutter ist Pockenvirologe und forscht seit Jahrzehnten nach Impfstoffen. Auch nach dem ersten Fall des Affenpockenvirus in Deutschland ist er laut dem Gespräch sicher: "Eine neue Pandemie haben wir nicht zu befürchten." Affenpocken seien demnach seit Jahrzehnten aus Regionen in Zentral- und Westafrika bekannt. Ausbrüche gebe es Sutter zufolge immer wieder, meistens sind diese jedoch eher klein. "Das machen sie bei Weitem nicht so effizient wie die Grippe oder Sars-CoV-2", erklärt der Virologe in der "Zeit".

Mutationen unwahrscheinlich

Auch auf die Frage, ob es wirksame Vakzine gegen Affenpocken gibt, hat Sutter eine beruhigende Antwort. Demnach gibt es aktuell zwei zugelassene Impfstoffe gegen Menschenpocken. "In den USA gilt die Zulassung auch für einen Einsatz gegen Affenpocken, in Europa nicht. Das liegt aber auch daran, dass es bisher keinen Bedarf gab, das kann man aber umwidmen", so Sutter.

Eine Impfung der breiten Bevölkerung wie beim Coronavirus ist ihm zufolge jedoch nicht nötig. Experten rechnen, dass der Ausbruch nur von kurzer Dauer sein wird. Übertragen wird das Virus vor allem über direkten Kontakt physischen zwischen Tier und Mensch, aber auch Mensch und Mensch, wodurch es leichter verfolgt und eingedämmt werden kann. Auch Mutationen sind laut Sutter sehr unwahrscheinlich. Gesundheitsbehörden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. In Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelte es sich bei der aktuellen Verbreitung um die westafrikanische Variante des Affenpockenvirus. Diese soll generell milder verlaufen und auch ohne Behandlung oft von selbst wieder ausheilen. In einigen seltenen Fällen kann das Virus aber auch schwere Verläufe auslösen. Der Epidemiologe Paul Hunter von der University of East Anglia in England hält tödliche Verläufe in Westeuropa zwar für „nicht unmöglich“, aber für sehr unwahrscheinlich, sagte er dem Sender BBC.

kh mit Material der dpa

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