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EZB nutzt Draghi-Test, um Renditedruck auf Wirtschaft zu messen

Jana Randow
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Im Hinblick auf die geldpolitischen Entscheidungen am morgigen Donnerstag wird der Rat der Europäischen Zentralbank der Frage nachgehen, ob die jüngsten Verwerfungen am Anleihemarkt auf eine “ungerechtfertigte Straffung” des Finanzumfelds herauslaufen und somit Maßnahmen nötig machen. Die Notenbanker wenden damit den Lackmustest an, an dem sich bereits Mario Draghi in seiner Zeit als EZB-Chef orientierte.

Christine Lagardes Vorgänger schaute 2014 auf die Straffung der Zinskonditionen, bevor er negative Zinsen und die quantitativen Lockerung der Geldpolitik auf den Weg brachte. Seine Sichtweise dürfte auch derzeit nutzbringend sein, ist die Wirtschaft der Eurozone doch hinter der globalen Erholung von der Pandemie zurückgeblieben. Im Vorfeld der zweitägigen EZB-Sitzung, die am heutigen Mittwoch beginnt, scheinen die Geldpolitiker geteilter Meinung zu sein, was die Bedenklichkeit der Renditen-Entwicklung betrifft.

Direktoriumsmitglied Fabio Panetta beispielsweise argumentierte, dass höhere Renditen “unerwünscht sind und ihnen widerstanden werden muss.” Andere, wie der niederländische Notenbankgouverneur Klaas Knot, verwiesen auf den wirtschaftlichen Optimismus für die zweite Jahreshälfte als eine mögliche Rechtfertigung für solche Marktbewegungen.

Lagarde hat sich mit Kommentaren zurückgehalten, die über eine Betonung der Erhaltung günstiger Finanzierungsbedingungen für Haushalte und Unternehmen hinausgehen. Ihre Offiziellen haben nicht offengelegt, welche Indikatoren sie beobachten, und haben sogar widersprüchliche Signale über Entwicklungen gegeben, die von Bedeutung sind.

Hier ein genauerer Blick auf ihre Argumente:

Seilschaft der Sorgenvollen

Der Grund zur Sorge wäre, wenn der Anstieg der Renditen keine fundamentale Veränderung in der Wirtschaft des Euroraums widerspiegeln, sondern von Entwicklungen in anderen Teilen der Welt angetrieben würde, die außerhalb der Kontrolle der EZB liegen.

Der französische Gouverneur Francois Villeroy de Galhau signalisierte die Notwendigkeit einer Reaktion, als er argumentierte, dass die EZB auf jede ungerechtfertigte Bewegung “reagieren kann und muss”. Er und einige Kollegen haben den Anstieg der Renditen auf “exzessive Spillovers“ aus den USA zurückgeführt, wo der Kongress an einem 1,9 Billionen Dollar (1,6 Milliarden Euro) schweren Konjunkturpaket arbeitet, um die Wirtschaft zu stützen.

Spaniens Pablo Hernandez de Cos betonte, dass der Anstieg der Nominalzinsen keinen entsprechenden Anstieg der Inflationserwartungen ausgelöst hat, und warnte, dass “dies einen negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Aktivität und damit die Inflation haben könnte.”

Die entspannte Fraktion

Für einen gerechtfertigten Anstieg der Renditen spricht, dass die Gesundheitsbehörden Fortschritte bei den Impfungen machen und damit die Grundlage für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung legen. In einer solchen Situation wäre es unrealistisch, wenn die EZB-Mitglieder hoffen würden, dass das Finanzumfeld so locker bleibt, wie es im Dezember war.

Knot merkte letzte Woche an, dass höhere Renditen eine “positive Geschichte” seien, weil sie die Erwartungen auf eine Verbesserung widerspiegeln. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bemerkte, dass der Anstieg von einem sehr niedrigen Niveau aus erfolgte und die Situation in Bezug auf die Spreads “sehr ruhig” sei.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann zeigt sich ebenfalls unbeeindruckt und argumentierte in einem Bloomberg-TV-Interview, dass das Ausmaß der Bewegungen keine “besonders besorgniserregende Entwicklung” darstelle.

Gemeinsamkeiten

Lagarde selbst hat die Worte “ungerechtfertigte Straffung” bewusst nicht in den Mund genommen, was Investoren rätseln lässt, wo sie inhaltlich steht. Stattdessen hat sie sich auf die Kreditkosten für die Realwirtschaft konzentriert, die stabil geblieben sind.

“Die EZB wird dazu beitragen, dass Unternehmen und Familien Zugang zu den Finanzmitteln haben, die sie benötigen, um diesen Sturm zu überstehen - und dass sie dies im Vertrauen darauf tun können, dass sich die Finanzierungsbedingungen nicht vorzeitig verschärfen werden”, sagte Lagarde letzte Woche.

Ein wichtiger Anhaltspunkt für sie und den Rest des EZB-Rates werden neue Projektionen für Wachstum und Inflation sein, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Sie werden wahrscheinlich zeigen, dass sich die kurzfristigen Aussichten nach einem langsamen Impfstart verschlechtert haben.

Überschrift des Artikels im Original:ECB Draws on Draghi’s Test to Measure Yield Pressure on Economy

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