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EZB hat am Donnerstag nur eine Möglichkeit: Käufe ausweiten

Paul Gordon, Piotr Skolimowski und John Ainger

(Bloomberg) -- Mit Blick auf die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank sind die Erwartungen klar: Volkswirte rechnen damit, dass die Notenbank ihren geldpolitischen Stützungskurs durch Bondkäufe ausweiten wird. Dies würde den Konjunkturhilfen im Euroraum zugutekommen, da die Staaten ihre Finanzhilfen über die Emission von Anleihen finanzieren.

Bislang hat die EZB allerdings weniger als ein Drittel der 750 Milliarden Euro des im März begonnenen Notfall-Wertpapierkaufprogramms PEPP ausgegeben. Mit der Entscheidung über eine Ausweitung der Käufe könnte die Zentralbank beim gegenwärtigen Ankauftempo auch noch bis zu den Sitzungen im Juli oder September warten.

Die Verwerfungen an den Märkten, die die EZB zu schnellem Handeln gedrängt hatten, sind mittlerweile abgeflaut. Ihre Bondkäufe trugen dazu ebenso bei wie das Zusammenrücken der EU im Hinblick auf einen 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds zur wirtschaftlichen Bewältigung der Corona-Krise.

Sollte sich Christine Lagarde gegen die weithin erwartete Ausweitung der Anleihekäufe entscheiden, bliebe dies wohl nicht folgenlos. Im März hatte die EZB-Präsidentin für Turbulenzen am Markt gesorgt, als sie unabsichtlich die Einschätzung nährte, die EZB werde möglicherweise nichts zur Beruhigung der Anleihemärkte am Rand der Eurozone tun.

Eine überwältigende Mehrheit der von Bloomberg vergangene Woche befragten Volkswirte rechnet damit, dass sich der EZB-Rat für eine Aufstockung der Wertpapierkäufe um 500 Milliarden Euro aussprechen wird. “Wird PEPP nicht ausgeweitet, wäre das für die Peripherie wirklich ein Schlag”, sagt Pooja Kumra, Bondstratege bei der Toronto-Dominion Bank.

Die Nachrichtenagentur Market News hatte diese Woche unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, viele Ratsmitglieder würden eine Ausweitung ablehnen und damit die Möglichkeit aufgeworfen, dass sich der Schritt verzögern könnte.

Stratege Krishna Guha von Evercore ISI nannte diese Aussicht “verstörend”, erklärte aber, der Bericht sei nicht von der Hand zu weisen. “Es wäre nicht das erste Mal, dass die EZB und Europa allgemein einen sicher geglaubten Sieg noch ins Gegenteil verkehrt haben”, so Guha.

Berenberg-Chefökonom Holger Schmieding rechnet damit, dass die EZB eine Ausweitung ihrer Bondkäufe ankündigt. Die Wahrscheinlichkeit, mit seiner Prognose Recht zu haben, bezifferte er allerdings nur mit 60%.

Überschrift des Artikels im Original:ECB Seen With Only One Choice Tomorrow to Avoid Market Backlash

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